Lockdown, Tag 46

Immer noch kein Ende abzusehen. Sonntag war ich bei Leon, dem Manager, um ein Permit für Simon ausstellen zu lassen, der plötzlich und unerwartet, aber unversehrt und locker drauf  wieder aufgetaucht war. Nach den Corona-Statuten des Clubs dürfen die externen Hiwis in Phase 4 (also seit Montag) für bestimmte Tätigkeiten aufs Gelände. Morgan hatte letzte Woche schon mal eine Mail rumgeschickt, in der er das angekündigt hatte und um Arbeit warb, also hatte ich ihn und Jaques ganz unverblümt mal auf die seit nunmehr fast 8 Monaten überfälligen Rest-Arbeiten an Thelxinoe’s Mast hingewiesen. Diese „bestimmten Tätigkeiten“ sind als „Essential Maintenance which cannot be delayed“ eingestuft und umfassen interessanter Weise sogar das Deckschrubben, um den Kohlenstaub loszuwerden, und ähnlich anspruchsvolle Tätigkeiten.

Insofern war es keine große Herausforderung, den immer noch in die Bilge leckenden Backbord-Wassertank als „Essential Maintenance“ zu deklarieren, die auf keinen Fall länger aufgeschoben werden könnte und Simons Unterstützung zwingend erforderlich machte, und Montag morgen gegen 9 Uhr kam prompt der Guard vom Dienst angestratzt und forderte mich auf, Simon gegen Unterschrift am Tor abzuholen. Wichtig wichtig wichtig …

Während ich immer noch mit meinem Tankanzeigemodul rum akadierte, begab sich Simon in die Tiefen der Backbordbilge und fing an, Bilge und Tank anzuschleifen, nachdem ich den Rest Wasser rausgepumpt hatte.  Der zuletzt in die Rückwand eingebaute Edelstahl-Borddurchlass ließ sich erstaunlich einfach wieder entfernen, und um kurz nach 13 Uhr war der Tank soweit geschliffen und ausgesaugt, das es ans harzen gehen konnte. Prompt tauchte der Guard wieder auf, deutete hochwichtig auf sein Handgelenk und nahm Simon mit, um ihn vom Gelände zu scheuchen.

Die Firmen und auch die ansonsten beschäftigten Worker dürfen nämlich zwar hier ab sofort wieder im o.a. Rahmen arbeiten, allerdings nur von 9-13 Uhr. Warum? Keine Ahnung. Eine Maßnahme die vermutlich ähnlich sinnvoll und fundiert durchdacht ist, wie der derzeit nicht erlaubte Verkauf von Zigaretten oder Pantoffeln (oder SodaStream-Geräten, wie mir heute auffiel). Oder die Anordnung, nach der die Boote an Steg A+C nur am Montag, die an B+D am Dienstag, und E+F am Mittwoch geputzt werden dürfen. Muß man nicht verstehen.

Zwischendurch, so gegen Elf Uhr war, allen Unkereien zwischen Shaheda und mir zum Trotz, Jaques am Boot aufgetaucht. Sah mich mit Lötkolben, Kabeln und Arduino-Kram im Cockpit sitzen und fragte, ob er nicht lieber ein andernmal wiederkommen solle, statt jetzt mit mir wie vereinbart Segel zu setzen. Haha! Wohl eher nicht…

So festgenagelt, trabte er ab und kam kurz darauf mit ein bischen Werkzeug, seinem eigenen Bootsmannsstuhl (!) und Sipho, seinem Hiwi, ausgerüstet wieder zurück. Projekt des Tages: Stackpack (Lazy-Bag zu neudeutsch) und Großsegel anbringen.

Stackpack, noch ohne vordere Masthutze

Das war jetzt einigermaßen unspektakulär, zugegeben. Hätte ich mit Simon oder Shaheda sicher auch allein hingekriegt, aber ich wollte für die Erstinstallation lieber jemanden dabeihaben, der weiß was er tut. 🙂

Boah ey! Erstmals seit dem Kauf vor mehr als fünf Jahren, sehe ich dieses Boot mit aufgeheißtem Großsegel.

Insofern: Alles gut. Stackpack paßt, nur die Mast-Umfassung vorn fehlt noch, Großsegel paßt, fein. Bis wir das Groß das erste Mal hochgezogen und dann den Stackpack endgültig ausgerichtet hatten, war es allerdings auch schon fast 13h und auch diese beiden waren genötigt, den Arbeitstag zu beenden. Als nächstes geht es dann daran, die mitgebrachten Singleline-Reefs zu installieren. Und mal

So richtig toll groß sieht das Groß zugegebenermaßen ja nicht aus 🙂 Sind aber ja auch nur gut 15m²

sehen, was wir ansonsten noch so an Segeln anschlagen können. Wär ja schon nett, wenn mal alle Segel tatsächlich montiert wären…

Nachdem ich Simon Mittags bezahlt hatte, war ich Cash-mäßig blank. Seit Wochen nicht mehr an irgend einem Geldautomaten mit Bargeld versorgt, sah ich mich genötigt, schon wieder zum PnP zu fahren um am dortigen Automaten ein paar Rand zu ziehen. Inzwischen hängen überall an den Eingängen der Malls Zettel mit „Kein Zutritt ohne Maske„, also mußte ich notgedrungen ebenfalls mit so einem Ding rumlaufen:

Auch die Bank-Automaten sind inzwischen Corona-geschädigt: Statt der 4.000R die ich eigentlich haben wollte, hieß es lapidar „4.000R sind nicht verfügbar. Aber sie könnten  2.000R erhalten. Wollen Sie sie J/N?

Naja, Spatz, Hand, Taube … was soll’s. Wird wohl für die nächsten paar Tage reichen. Und wo ich nun schonmal direkt neben dem PnP stand, konnte ich wenigstens gleich noch ein paar Einkäufe erledigen. Allohol und Zigaretten gibt’s übrigens immer noch nicht. Dass die in Phase 4 wieder erhältlich sein sollten, war eine glatte Falschmeldung. Fakenews von oben, sozusagen …

Nachtrag Dienstag: Natürlich ließ sich Jaques trotz gestriger gegenteiliger Vereinbarung heute schon wieder nicht mehr blicken. Mutmaßlich den 8-12kts Wind aus Süd geschuldet, die so ab 11h rumwehten. Trotzdem, das nervt…

Wenigstens ging die Arbeit in Tank/Bilge voran. Habe eine 4mm-Platte aus GFK als Verstärkung einlaminiert. Morgen geht’s weiter mit Matten.

Zu Essen gab es heute Huhn chinesisch/indisch. Jedenfalls mit Mii-Nudeln mit einer Gewürzmischung, die als „Durban Indian Curry“ bezeichnet war. Lecker.

Es werde Huhn …