Lockdown, Tag 63

Zumindest die gefangenen Fische kommen größentechnisch allmählich in einen essbaren Bereich, auch wenn ich den auf dem Titelbild wieder zurückgesetzt habe. Dieser Shad, oder auch Elf oder Bluefish (Pomatomus saltatrix) hatte sich am Donnerstag angesichts seiner Größe etwas überoptimistisch eine halbe angetaute Sardine geschnappt, ist per se deutlich essbarer als z.B. der Wallawalla von neulich und hätte zumindest für einen von uns eine brauchbare Mahlzeit ergeben können. Kurz danach biss noch ein weiterer, der allerdings auch nicht größer war, und somit wanderten sie unversehrt wieder zurück ins Wasser, um noch ein bischen weiter zu  wachsen. Meine „Nachbarn“ auf der anderen Seite des Kanals, die zu viert ebenfalls am Angeln waren, hatten entweder mehr Hunger als ich oder weniger Gewissensbisse, jedenfalls  zogen sie diverse Shads ähnlicher Größe raus, die allesamt in einem großen Eimer landeten und mutmaßlich als Suppeneinlage oder auf dem Grill geendet sein dürften …

Auch, wenn der auf dem Titelbild nun gar nicht mal soo klein aussieht und ich  eine Forelle in der Größe wohl nicht zurück gesetzt hätte: Diese Shads werden mit etwas Glück und ein paar Jahre älter auch bis 1.30m lang und um die 30 Pfund schwer. Also waren diese beiden doch noch ziemliche Winzlinge.

Der Freitag begann mit Sonnenschein, angenehmen 21 Grad und jeder Menge Schwärme rumflitschender Fische im Hafenbecken. Allgemein hier als „Razorbellies“ bezeichnet, sind auch das von der Anmutung her eher Sardinen und angeblich der ideale Köder, um z.B. mal einen Garrick in anständiger Größe an den Haken zu kriegen. Nach dem Frühstück zog ich also los zum Shop, um ein paar kleine Haken zu erstehen, kam mit sowas wie einem Makrelen-Paternoster im Miniformat zurück, das mir die Mädels für diesen Zweck empfohlen hatten und fing beim ersten Auswerfen fünf Meter vom Boot gleich zwei auf einmal. Coole Sache, das.

Razorbelly oder auch Schuppensardine. Knapp 20cm lang.

Das wurden dann im Verlauf des Vormittags noch ein paar mehr, und als ich einen halben Eimer voll hatte, hab ich die Stippe weggepackt, einen der Kameraden mit einem 2er Drilling und 20cm Stahlvorfach ausgerüstet und an die andere Angel gehängt, an der er die nächste Stunde recht unbehelligt hinterm Boot gebadet wurde.

Den ganzen Morgen schon, war im Hafenbecken immer mal wieder ein mächtiger Aufruhr gewesen mit einer Geräuschentwicklung, als würde jemand von seiner Badeplattform springen, und mächtig Bewegung im Wasser. Einmal hatte ich Glück und habe zufällig gerade hingesehen als es passierte, und habe dann das was ich für Sekundenbruchteile zu sehen kriegte, für einen kleinen Hai von ungefähr 1.10-1.20m Länge gehalten, der die Razorbellies aufmischte und sich an ihnen gütlich tat.

War’s nicht, wie sich einige Zeit später rausstellte, ungefähr gut eine Viertelstunde, nachdem meine Pose mit dem Köderfisch ziemlich schlagartig abgetaucht war und  ich die Angel in die Hand genommen hatte 🙂

Das sieht nach Arbeit aus!

Was ich da in der Hand habe, ist eine ganz normale 3.60m-Rute, Stationärrolle mit 40er Schnur und ein 20cm Stahlvorfach mit Wirbel. Ich muß zugeben, ich hatte so meine Zweifel, ob ich das, was da am anderen Ende zerrte, damit in „greifbare“ Nähe kriegen würde, war aber auf jeden Fall mächtig gespannt, was es wohl sein mag. Für den erhofften maßigen (>70cm) Garrick fühlte es sich definitiv zu groß an.

Shaheda war zum Fotografieren bzw. Filmen abkommandiert und wenn nicht nach 30 Sekunden (natürlich) der Akku in meiner GH5 am Ende gewesen wäre (den ich eigentlich heute Morgen schon ans Ladegerät hängen wollte:wall:), könnte ich jetzt ein schickes 4K-Video von der Aktion präsentieren. So allerdings, waren wir dokutechnisch dann aufs Handy beschränkt.

Uboot in Sicht.

Wie gesagt: Eine gute Viertelstunde hat er richtig gut gekämpft. Dann war er müde genug, um sich  widerstandslos zur Badeplattform ziehen zu lassen. Einen passenden Kescher in der Größe habe ich nun allerdings nicht, also wurde er notgedrungen mittels Gaff an Bord gehievt. Einigermaßen vorsichtig nur in den Unterkiefer gehakt, so daß er das wohl ohne größere Probleme überstehen sollte, sofern er nicht in der Pfanne landete. Und so sah das dann aus, nachdem er auf der Badeplattform lag:

Ein Dusky-Cob. Oder auch Kabeljou. (Argyrosomus japonicus). Wird bis zu 1.80m lang und 75Kg schwer. Dieser war 1.45m und hatte geschätzte 35-40Kg (keine Waage zur Hand).

Das ist irgendwie mächtig viel Fisch für zwei Personen! So gern ich auch Fisch esse, aber doch nicht wochenlang Kabeljau 🙂

Wenn hier nicht alles gelockdowned wäre, hätte man das Viech Montag mit zum Braai-Abend nehmen und da unters Volk bringen können, aber da spielt sich momentan ja nichts ab. Und soo groß ist meine Kühl-/Gefrierbox mit 33L nun auch wieder nicht, also haben wir ihn vermessen (145cm lt. Maßband), abgehakt, und wieder ins Hafenbecken expediert, wo er nach kurzer Besinnungspause dann auch prompt wieder abtauchte und verschwand. Auch wenn wir nun immer noch ohne essbaren Fisch dastehen: Ich betrachte das mal als einen gelungenen Angeltag :mrgreen:

Zumindest war das der bislang größte Fisch in meiner Angler-Karriere.