Schrankpinseleien

Hm… Mit guten Ratschlägen von Außenstehenden ist das ja immer so eine Sache.  Als Hayden die Löcher in den Coosa-Einlagen gebohrt und angesenkt hat, hatte ich ihn gefragt, warum er da denn nun flache 6er Senkkopf-Schlitzschrauben einlaminiert, statt ganz normaler Edelstahl-Sechskantschrauben. Die hätten, meiner  unmaßgeblichen Kfz-Meisters-Einschätzung zufolge,  nach dem zugießen mit Harz sicher deutlich fester und verdrehsicher gesessen, weil einfach mehr Kontaktfläche für’s Harz für eine deutlich bessere Formschlüssigkeit gesorgt hätte. Seine Antwort dazu gab nicht so unheimlich viel her, vermutlich waren das Schrauben, die er eh noch in irgend einer Schublade gehabt hatte. Verstanden hätte ich ja noch, wenn er die Coosa-Streifen mit 5.5mm gebohrt und die Schrauben dann reingeschraubt hätte, aber nein, 6er Schrauben, 6er Loch und dann einfach durchgesteckt und von unten gekontert …

Mittwoch nun war Johan, sein Hiwi hier, um die durch den Rahmen verschraubten Schrauben wieder zu entmuttern und den Schaumkern anschließend mit zur Werkstatt zurück zu nehmen, um den Rest der Plattform irgendwann da aufzulaminieren. Zwanzig Minuten später verschwand er unauffällig, um dann kurz darauf mit der Bohrmaschine zurückzukehren und das Harz über den ungefähr 20 Schrauben auszubohren, die sich nicht lösen ließen, weil sie sich unter dem ausgehärteten Harz mitdrehten :roll:

Da es seit gestern  mal wieder übel wehte und heute morgen auch noch ergiebig regnete, ist die letzten paar Tage stahltechnisch nicht mehr viel passiert. Simon war ja außen eh weitgehend fertig, also haben wir uns derweil anderweitig beschäftigt. Dienstag hatten wir den Inhalt der vorderen Backbord-Kabine zum größten Teil in die Achterkabine umgeräumt, eine neue provisorische Staubschutztür gebastelt, und Mittwoch angefangen, alle Schränke innen von loser Farbe zu befreien und danach abzuschleifen.

Angesichts des derzeitigen Wetters ohne Frage die angenehmere Arbeitsumgebung, wenn auch nicht ohne Gefahren …

Undichsachnoch zu Simon: „Paß auf Deine Birne auf!“. Keine 20 Minuten später war na klar ich derjenige, der sich eine von Morgans viel zu langen Fensterschrauben in den Schädel gerammt hatte, als ich im Schrank die Kanten ganz vorn vorstreichen wollte.  Kein Tag ohne neue  Blessur…
nach dem Schleifen ist vor dem Pinseln …

Sobald alle Schränke getüncht sind, wird der Rest der jetzt noch da gelagerten Klamotten ebenfalls woanders untergebracht, und dann geht es ans Fräsen der Fensterrahmen, Isolieren der Decke und Wände, pinseln der restlichen Flächen und Anbringen von Rollos oder alternativ Jalousien, mal sehen.

Inzwischen ist die erste Farbschicht aufgetragen, und das Ganze sieht schon ansatzweise wieder etwas wohnlicher aus.

Erste Farbschicht drauf

Und wenn irgendwann alles soweit fertig ist, hätte ich immerhin schon mal ein nutzbares Gästezimmer. Allerdings werden wir da erstmal den Krempel aus meiner Kabine temporär reinräumen, ich ziehe kurzfristig um, und die ganze Aktion wird dann in der Steuerbord-Kabine wiederholt.

Nach gut acht Wochen Quengeln, war Jaques tatsächlich irgendwann letzte Woche hier, um die restlichen Stagen und Wanten auszumessen, und ein Angebot zu machen. Das kam dann tatsächlich zwei Tage später auch per email, allerdings gar  nicht von ihm, sondern unerwarteter Weise von Morgan. Mit rund 34.000,- Rand nur für die paar Meter Draht und acht Schraubterminals (plus 750R für den Transport und einen noch nicht bezifferten Betrag für die Montage, alles in allem jedenfalls sicher deutlich jenseits der 40.000,-R) war das dann allerdings auch gleich mehr als  doppelt so hoch, wie die ursprüngliche mal getätigte Ansage von Jaques.

Unabhängig davon, daß ich entschlossen war, Morgan nicht mehr zu beschäftigen, ist die Anzahl der auf dem Clubgelände vorhandenen Rigging-Experten recht überschaubar: Außer Jaques ist hier keiner. Und wenn der dann über Morgan abrechnen muß, je nun. Das läßt  mich aber wenigstens hoffen, nicht wieder irgendwelche sinnlosen Hilfstätigkeiten oder lahmarschigen HiWis mitbezahlen zu müssen.

Trotzdem: Das ist mir zuviel. Angesichts der Tatsache, daß mir Jaques nach Überprüfung meines Riggs erklärt hatte, das sei in Ordnung und noch für ein paar Jahre gut, wäre der Komplett-Tausch ohnehin eine eher prophylaktische Maßnahme gewesen, um gegenüber der Versicherung gut auszusehen. Mit umgerechnet rund 1.200,–€ für Jaques‘ erste Schätzung war das auch eine Größenordnung, die mir einigermaßen angemessen erschien.

Wir werden also jetzt lediglich das Vorstag und die beiden Backstagen erneuern. Das sind die, die am stärksten belastet werden und in erster Linie dafür sorgen, daß der Mast nicht umkippt. Die Wanten und das Kutterstag bleiben, wie sie sind. Mal abwarten, mit was für einem Preis er nun ankommt…

Essen an Bord: Diese Woche ein eher vernachlässigtes Thema. Nicht nur, daß mir einige monetäre Hiobsbotschaften aus der fernen Heimat gründlich den Appetit verschlagen hatten, ich hatte auch schlicht keine Lust, in der Küche zu stehen und irgend etwas zu kochen. Also gab es eigentlich die ganze Woche nur belegte Brote und Obst. Und heute zur Abwechslung mal Flapjacks. Das sind kleine Pfannkuchen mit verschiedenen Füllungen von Blaubeere bis Vanillepudding, hier mal mit Schokochips. Habe ich heute morgen bei Woolworth’s entdeckt, als ich in der Mall war, um mein gestern Nacht abgelaufenes Datenvolumen wieder aufzustocken. Für 30 Sekunden in die Microwelle, fertig…

Und noch was neues habe ich gefunden:

Cola mit Kaffee. Da hätte man was draus machen können, aus der eigentlich naheliegenden Idee. Trinke ich beides gern, aber künftig dann doch lieber wieder getrennt. Geschmacklich ist das jedenfalls nicht so der Bringer und ist eh bestenfalls eiskalt trinkbar…

Soll wohl als ein „Lifestyle“-Yuppie-Getränk eingeführt werden, zumindest kostet die 200ml-Dose hier mit umgerechnet 0,80€ eineinhalbmal soviel, wie eine normale 300ml-Cola. Wenigstens ist nicht auch noch Guano/Guayana/Guarana oder was auch immer drin 🙂