Thelxinoe est nomen eius …

Es ist Sonntag Abend, halb sieben, und keine Spur von Andries oder einer Lösung für das Antriebsproblem zu sehen. Hätte mich auch wirklich überrascht. Inzwischen habe ich mit Hilfe aus dem Boote-Forum immerhin eine „fundierte Ahnung“, was eigentlich das Problem bei der ganzen Sache ist:

Als Andries damals diesen Adapter zwischen vorhandener Saildrive-Glocke und dem abgesägten Stück der alten, vorher mit dem VW-Motor verknoteten Getriebeglocke konzipiert hat, ist ihm scheinbar ein kleiner, aber durchaus gravierender Fehler unterlaufen, der jetzt dafür sorgt, daß die Welle zu weit „innen“ sitzt. Da wird nun, ohne erneuten Motorausbau, Adapter abdrehen und Welle anständig neu lagern und von der richtigen Seite aus einbauen :roll:, so ganz viel wohl nicht dran zu ändern sein. Oder er er sägt einfach das Schiebestück  vom Kreuzgelenk ab das er jetzt eh schon mitgenommen hat, brät ein Stück Rohr dazwischen und ich hebe den Antrieb künftig eben nicht mehr ganz so hoch. So oder so, dämlich gelaufen und völlig überflüssig. Meinen eigentlich für morgen angesetzten Termin zum Slippen kann ich wohl getrost canceln :motz:

Doch doch, ich war fest entschlossen, dieses Jahr noch ins Wasser zu kommen und hatte mit Jannie für morgen einen Termin vereinbart.  Und sei es nur, um Ricky und Simone  von Lady Africa wenigstens in diesem Punkt zu schlagen, die nach 98 Wochen Refit auch immer noch an Land stehen. :mrgreen: Nach der Erfahrung von vier oder fünf ergebnislos verstrichenen, festen Mastkran-Terminen, wollte ich das allerdings nicht unbedingt vorher rausposaunen und dann hinterher doof dastehen, sondern an dieser Stelle stattdessen völlig unverhofft lieber ein Silvester-Bild von Thelxinoe im Wasser posten. Hätte ja auch klappen können…

Alle Löcher sind zu, das letzte mit 60mm hinten im Spiegel, aus dem der alte Auspuff geführt war und das ich bislang immer noch offen gelassen hatte, um gegebenenfalls den Auspuff vom Generator oder der Standheizung da durch zu legen, seit gestern ebenfalls. Für den Generator werde ich den Auspuff auf kurzem Wege direkt im Rumpf rausführen, statt ihn erst durch das halbe Boot zu verlegen, und wo ich den Durchlass für die Standheizung hinsetze, überlege ich mir dann, wenn ich weiß, daß sie nach der Absauf-Aktion neulich  tatsächlich noch läuft und ein Einbau Sinn macht.

Habe jetzt einfach ein Stück  Styropor von einer Fish&Chips-Schale davorgeklebt 🙂

Nein, das war natürlich gelogen. Naja, nicht ganz, aber die Styropor-Platte war nur dafür da, um zu verhindern, daß der ziemlich massive Block SolidBond #20 Epoxy, den ich da reingespachtelt habe, direkt wieder raus blobbt, auch wenn das ziemlich zähes Zeug ist. Auf der Innenseite die gleiche Aktion, nur mit einem Stück Plexiglas. Wobei zusätzlich ca. einen halben Zentimeter unter der neuen Oberfläche außen ein 58mm durchmessender, und somit fast perfekt passender 10mm-GFK-„Bohrkern“ (ja, auch vom Wassertankdeckel :wink:) als Verstärkung und Stabilisierung mit einlaminiert ist.

Der Harz-Klotz geht durch den ganzen Spiegel und ist somit fast 5cm dick. Das soll wohl halten, schätze ich.

Tja. Angesichts dessen, daß ich eigentlich morgen abend im Wasser sein wollte, hatte ich Simon ausnahmsweise mal für das gesamte Wochenende dienstverpflichtet, und nachdem er gestern den ganzen Tag damit zugebracht hat, das CopperCoat-Antifouling, das jetzt seit vier geschlagenen Jahren aufgetragen ist und noch nie im Wasser war, mit 220er Naßschleifpapier zu malträtieren und das Kupfer wieder zu aktivieren, habe ich ihn heute den kompletten Rumpf abkärchern, und anschließend polieren lassen, während ich mit jeder Menge Kleinbaustellen innen und außen im Gange war.

Bedeckt, bewölkt, aber trotzdem mit 31°C warm genug. Zehn Minuten bevor er fertig war, fing es prompt auch noch an zu regnen.

Naja, wenn das morgen nun nicht klappt, habe ich wenigstens über den Jahreswechsel ein sauberes Boot.

Wie man am Titelbild sehen kann, bin ich jetzt auch optisch zu identifizieren.  Man mag ja zu den deutschen Vorschriften in Bezug auf die „Kennzeichnung von Kleinfahrzeugen“ stehen wie man will, aber mein „T“ z.B. ist auf jeden Fall schon knapp doppelt so hoch, wie die vorgeschriebene Mindestgröße, und das Ganze sieht immer noch ziemlich zierlich aus. Nuja, ist ja ein kleines Boot, da kann es auch einen kleinen Namen haben.

Nee, oder?

Diese halbmetergroßen Lettern, mit denen Ricky und Simone ihren halben Kahn zugepflastert haben, fand ich jedenfalls hemmungslos übertrieben. Wer Thelxinoes Namen nicht lesen kann, muß halt näher ran (oder auf sein AIS gucken). Marktschreierei war noch nie wirklich mein Ding 🙂

Fish & Chips wurde erwähnt. Nachdem ich mich durch die Weihnachtsfeiertage gehungert hatte :mrgreen:, war mir Samstag nach Fisch, und ich habe erstmals den F&C-Laden neben PnP ausprobiert. Hake, mit Calamari und Pommes (ohne den angebotenen Essig, buäh..). Um es mal diplomatisch auszudrücken: Die Engländer haben ihren Ruf, was ihre Küche angeht, vermutlich zu Recht. Und da dieser Laden definitiv kein „burischer“ Import war, sondern von der „Engländer-Seite“ kommt, gilt selbiges auch hierfür.

Vermutlich muß man das Zeug einfach direkt vor Ort essen, ohne daß die Einzelkomponenten erst die Chance haben, sich gegenseitig zu durchweichen. Ich esse ja nun wirklich gerne Fisch, und der Hake als solcher war auch ok, aber wenn man alles zusammen in eine Styroporschachtel klappt, ist das selbst nach nur 5 Minuten Autofahrt zurück zum Boot bei Ankunft schon alles leicht matschig.

Das Positive daran: Es macht satt und ist echt billig (75R für die Portion). Diese ominöse „Tare Tare“-Sauce, die sie mir mitgegeben hat, ist übrigens tatsächlich Remoulade. Wieder was gelernt.

Und Bounty gab es beim PnP! Eineinhalb Jahre bin ich jetzt hier, und habe die noch nie vorher hier gesehen. Gestern stachen sie mir an der Kasse ins Auge, und ich habe direkt zwei davon verhaftet und eins gleich als Nachtisch verkostet.

Bedingt durch die Poliererei und sonstige Murkelei und angesichts der Tatsache, daß Peter mich gegen halb Zehn an-whatsappte, er könne heute nicht zum Thai kommen, gab es dann eben keinen Lunch, und ich habe, nachdem Simon Feierabend gemacht hatte, den Grill angeworfen. Zwei Russians, ein Stück Kasseler und zwei Maiskolben geröstet, den (gekauften und vermutlich nach dem Buch „Neues aus der geschmacksneutralen Küche“ produzierten) Kartoffelsalat durch beherztes Nachwürzen doch noch zu was halbwegs leckerem umfunktioniert und dann einfach den Rest des Sonntag-Nachmittags im Cockpit verdamelt und dem Regen zugesehen. Antriebs-Streß oder nicht: Mir geht’s wieder gut. Ommm …