Endzeitstimmung?

Nu isses passiert: Auch in Südafrika haben sie bemerkt, daß eine zweite Corona-Welle heranschwappt, und da das hier eine der Gegenden ist, in denen das Virus bevorzugt zu mutieren scheint und deutlich ansteckender wird als zuvor, sind wir seit vorgestern erneut in Stufe 3 des Lockdown. Keine öffentlichen Veranstaltungen mehr, keine Versammlungen mit mehr als 5 Leuten, kein Pool- oder Strandleben, kein Alkoholverkauf mehr, Bars und viele andere Geschäfte mußten wieder schließen, und diverse andere Einzelmaßnahmen mehr. Und das mitten in den Sommerferien, in denen sich das halbe Land sonst am Meer tummelt.

Die traditionelle Silvesterfete hier an der Wetbar im Club und die Neujahrsregatta sind somit ebenfalls gestrichen. Nu ja. Ich habe noch eine Tüte Gummibären vom letztjährigen Weihnachtspaket, eine Dose Pringles und einen  halben  Tetrapak Merlot, und als „Festessen“ gibt es eine Curryrahm-Suppe mit jeder Menge Gemüse drin, die ich gestern zusammengeköchelt habe.

Zusammen mit noch übriggebliebenen 40GB Datenvolumen für den Restmonat und Netflix kriege ich das Jahresende vermutlich auch so über die Bühne. Und, da einer meiner Lieblingsmusiker, Großmeister des Synthpop Jean-Michel Jarre himself, netterweise ein virtuelles, live gestreamtes Gratiskonzert aus Notre Dame gibt, könnte das Jahr recht vergnüglich enden, sofern die Technik mitspielt … (Auch wenn der Jahreswechsel hier dann schon vorbei ist :-))

Zunächst ist die Lockdown-Aktion bis zum 15.1. befristet, aber das mit dem pünktlichen Ende hat beim letzten Mal ja auch schon nicht funktioniert, und schlußendlich war das Land das ganze letzte Dreivierteljahr im Lockdown, wenn auch die letzten Monate in abgemilderter Form. Auf der anderen Seite scheint sich die hiesige Bevölkerung mit der Situation weitgehend arrangiert zu haben und ist weit weniger borniert und aufmüpfig, als in Europa. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es keine Proteste, jeder trägt brav seine Maske und desinfiziert sich und wartet darauf, daß das Leben irgendwann mal normal weiter geht.

Skurrile Auswüchse treibt diese ganze Sache trotzdem. Selbst im Shop hier auf dem Gelände muß sich inzwischen jeder Kunde mit Namen und Telefonnummer registrieren und es wird Fieber gemessen, wofür auch immer das gut sein soll. Meine Frage, ob sie mir keine Ersatzteile mehr verkaufen würden, sollte ich tatsächlich mal mit einer Grippe oder mit aus sonstwelchen Gründen erhöhter Temperatur im Laden aufschlagen, konnten mir die Mädels ebensowenig beantworten wie die Guards neulich am Tor die Frage, welche Maßnahmen denn wohl ergriffen würden, sollte wirklich mal  einer der Bootsbewohner ohne sonstigen Wohnsitz mit Fieber vorm Tor stehen. Wird  der dann exmatrikuliert und muß vor dem Tor im Schlafsack nächtigen?

Es wird  überall dokumentiert auf Deubel komm raus, aber was mit diesen ganzen Informationen letztlich passieren soll, weiß keiner so recht.

Das Wetter paßt prima zu diesem Chaos. In den letzten paar Tagen ist ein kleinerer Typhoon namens Chalane von Madagaskar aus westwärts über den Mozambique Channel gezogen und gestern morgen direkt bei Beira auf Land getroffen. Mittlerweile ist er wieder zur Tropical Depression runtergestuft und hat wohl nicht all zu viel Schaden angerichtet. Aber nach den 35-40°C der letzten Tage hat es sich hier signifikant abgekühlt, der Wind hat wieder mal auf Süd gedreht und  bläht mit 15-30kts um die Hütte, und es sieht nach Regen aus. Also eh kein Wetter, um zu baden oder zu angeln. Glück gehabt 🙂

Nerverei der Woche: Mein Ladegerät für die GH5 ist weg. Keine Ahnung, wo ich das Ding diesmal hingepackt habe, jedenfalls ist es schon wieder nicht aufzutreiben. Zuletzt gebraucht irgendwann vor meiner Auszeit in Deutschland im Oktober, wollte ich die Kamera vorgestern benutzen, um ein paar Fotos vom idyllisch bei totaler Windstille liegenden Hafen nach Sonnenuntergang zu machen und wurde mit einer hektisch blinkenden „fast leer“-Leuchte konfrontiert. Jedesmal der gleiche Mist … Über USB läßt sie sich im Gegensatz zu all meinen anderen Kameras nicht laden, also bleibt nur der Akku-Lader. Wenn er denn irgendwann wieder auftaucht…

Inzwischen hat sich das Wetter berappelt, es sind erneut knapp 33°C, die Klimaanlage brummt vor sich hin,  die letzte Maschine Wäsche für dieses Jahr ist durchgelaufen und trocknet in der südafrikanischen Sommersonne bei einer leichten Brise aus Nord.

Es gibt nichts Wichtiges mehr zu tun, und so werde ich in aller Ruhe abwarten, daß dieses dramatische Jahr, das nicht nur den Lauf der Welt ziemlich durcheinander gewirbelt, und mir nicht nur die glücklichsten Monate seit sehr langer Zeit, sondern auch einen der schmerzhaftesten Verluste meines Lebens beschert hat, irgendwie zu Ende geht.

Bleibt mir nur, mich bei allen treuen und neuen Mitlesern zu bedanken, und Euch einen guten  Rutsch, und ein erfolgreiches und weniger chaotisches 2021 zu wünschen.

Bleibt gesund und zahlungsfähig, um mal die Lieblingsfloskel meines alten Herrn zu zitieren!

Wir lesen uns nächstes Jahr wieder, wenn nichts dazwischenkommt, hoffe ich doch 🙂

LG Martin

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