Glaubensfragen

Ich bin gerade in einer Glaubenskrise. Ich befürchte nämlich, das mit der Isolierung unter der Decke war vielleicht doch keine so brillante Idee, wie ich eigentlich geglaubt hatte. Die letzten beiden Tage war es hier eher frühsommerlich, so mit Außentemperaturen um oder über  30°C und so gut wie kein Wind. Also habe ich Mittwoch mal einen kleinen Testaufbau gestartet, um die Temperatur-Unterschiede unter der Decke zu messen, bevor ich anfange, die Holzleisten für die Isolierung und Abdeckung abzulängen, zu biegen und drunter zu schrauben.

Tja, das gibt denn doch zu denken. Heute Mittag gegen 13:30, nachdem rund 4 Stunden lang die Sonne direkt auf das Deck über der Pantry gebraten hatte, lag die Innentemperatur lt. meiner Wetterstation bei 31°C, die mit dem IR-Thermomenter gemessene Temperatur unter der unverkleideten Decke bei 38.9° und die unter dem Testfeld mit 15mm Armaflex und 5mm M-Foam gedämmt bei 38.3°C, das Feld mit nur M-Foam um 0.1 Grad höher.

Angesichts dieses etwas unerwarteten Ergebnisses, stelle ich mir natürlich schon irgendwie die Frage:Will ich für eine möglicherweise erzielbare Temperatur-Reduzierung von unter einem Grad Celsius wirklich den Aufwand treiben, und mich jetzt tagelang damit beschäftigen, Hunderte von Schrauben in noch zu biegende Holzleisten und dann in meine frisch weiß gestrichene Decke zu versenken, sperrige Armaflex-Platten zuzuschneiden und unterzukleben und das Ganze dann mit weiteren Schrauben und M-Foam-Platten zu verkleiden, immer in dem Bestreben, in diesem Boot ohne gerade Linien und rechte Winkel  irgendwie überall einen brauchbar anzuschauenden Abschluß/ Anschluß hinzukriegen, der nicht hingepfuscht aussieht?

Ich kenne mich, ich habe 3D-Puzzles noch nie gemocht, und diese Aktion würde genau das, mit all den Rundungen, um die ich Armaflex, Holzleiste und M-Foam biegen müßte. Das ist hier eher sowas wie ein halbrundes Tonnengewölbe als ein Wohnzimmer, bei dem zusätzlich auch noch alle „Wände“ oben weiter zusammen stehen als unten, insofern hatte ich immer so meine Bedenken, wie ich da halbwegs anständig Wand-Anschlüsse  zu den Schotten oder den Bordwänden hinkriegen soll, ohne daß es hinterher komisch aussieht. 

Gewölbe

Was noch erschwerend dazu kommt: Die maximale Stehhöhe am Salontisch beträgt zwischen 1.88 und 1.91m, das heißt, ich habe derzeit noch  2  Finger breit  Platz über mir und kann komplett aufrecht stehen und gehen. Nachher dann wohl nicht mehr, oder ich muß jedes halbe Jahr die Decke streichen …

Ich glaube, ich vertage diese Entscheidung erstmal und lagere das Material, das derzeit eh noch im Auto liegt, vor Abfahrt einfach in der Achterkabine ein. Da wo ich hinwill, wird es warm sein (hoffe ich wenigstens), und wenn es dann zu warm wird, kann ich immer noch nachrüsten. Jetzt, wo ich wieder einen Mast und ein Kutterstag habe, werde ich, sobald es hier richtig warm wird, erstmal das alte Sonnensegel quer dazwischen aufspannen und dann messen, wie sich die Temperaturen verhalten, wenn die Sonne erst gar nicht aufs Deck scheint, sondern geblockt wird …

Die Badeplattform, respektive der Antislip-Belag, nähert sich nun auch der Vollendung. Nachdem Hayden den am Mittwoch von seinem HiWi an die Kanten desselben applizierten Pool-Coat Donnerstag wieder abgemeißelt hatte (ich sag doch, das sieht für mich irgendwie planlos aus :mrgreen:), wurde das dann nochmal wiederholt, und nu sollen diese Kanten wohl nur noch leicht angeschliffen werden, um dann tatsächlich sowas wie fertig zu sein. Fehlt eigentlich nur noch die Verkleidung der Gasbox, und die Badeleiter ist auch immer noch nicht dran.

Sieht schon weniger „kantig“ aus an den Übergängen der Elemente. Das in der Mitte ist der (nur hingestellte) Fuß der Windfahnensteuerung an der mutmaßlich passenden Position, daneben die Klappklampe fürs Dinghy. Mittags sahen diese ganzen Elemente übrigens noch strahlend weiß und sauber aus. Ich hasse Kohlenstaub …

Mittwoch hatte ich Hayden angesprochen, was er wohl für ein paar „Delfinbeobachtungssessel“ an Thelxinoe’s Bug haben wollen würde, und nachdem wir uns auf einen sehr überschaubaren Betrag geeinigt hatten weil er „rein zufällig“ noch eine passende Form für sowas rumliegen hatte, kam er Donnerstag prompt schon mit den fertig laminerten Dingern angeschleppt. Die hätten zwar eine Winzigkeit größer sein dürfen, sind aber trotzdem schick und machen allemal drastisch mehr her, als die verrotteten rechteckigen Holzbretter, die da vorher platt oben draufgeschraubt waren.

Bugsitze an der Bugspitze. Wer mich später besucht, darf unterwegs da rumlungern und nach Delphinen Ausschau halten. 🙂

Das hier

Blick von hinten in den Motorraum. (Ja, es hätte geholfen, die Luke wieder vernünftig zuzukleben, bevor man das Heck lackiert. Ich sag doch, Grobmotoriker… DAS wäre Morgans Leuten zweifellos nicht passiert.)

ist übrigens der Blick durch die Inspektionsluke im Spiegel, oberhalb der Badeplattform. Solange kein Belag auf der Plattform war, konnte ich da nicht wirklich reinsehen, seit der Motor an seiner endgültigen Position verschraubt und am Antrieb angeflanscht ist, aber heute habe ich das Ding mal bewußt aufgemacht und dabei fiel mir auf, daß mein ursprünglicher Plan, den Z-Antrieb durch einen innen an Steuerbord im Motorraum angebrachten Linearmotor lenken zu lassen, wohl eher nicht funktionieren wird, weil der Auspuff jetzt mitten im Weg sitzt. :wall:

Das, was da so dekorativ von unten ins Bild ragt und haarscharf unter dem Antriebsrad für den Riemenantrieb der Seewasserpumpe endet, ist der Lenkhebel des Z-Antriebs, der früher über eine 4:1 Untersetzung per Kette und Tampen mit dem außen liegenden Lenkgestänge verbunden war. Auch das würde jetzt nicht mehr funktionieren, weil dieser Volvo-Motor entweder höher, oder nach hinten raus im oberen Bereich zumindest deutlich voluminöser ist, als der vorher eingebaute VW. 

Nun ja. Den Hebel kann man bestimmt ein wenig kürzen, damit er wenigstens am Riementrieb vorbeigeht, und auf der linken Seite des Motorraums ist zwar außer der Plastikwand des Dieseltanks derzeit nichts, woran man den Linearmotor befestigen könnte, aber wenigstens ist auf der Seite Platz genug und ich habe ja ein paar Schweißer an der Hand, die eine passende Konsole braten können…

Zu Essen gibt es dieses Wochenende zur Abwechslung mal was tatsächlich afrikanisches: Da ich ohnehin Richtung Mall mußte, um bei Midbay meine Kohle für den nicht mehr lieferbaren Spiegel wieder abzuholen, bin ich dann auch gleich noch beim Checker’s eingekehrt, um ein bischen Fleisch oder Fisch einzukaufen. Eigentlich hatte ich zwischen Lamm und Dorade geschwankt, aber beim Blick ins Kühlregal fielen mir die hier auf:

2,30€ für ein Pfund Antilope? Gekauft!

Das sind Impala-Koteletts. (Oder aus welchem Teil des Impalas sie die Dinger nun auch immer ausgesägt haben mögen). Antilope habe ich hier, außer als Biltong, eigentlich noch nie bewußt gegessen, und  für den Preis eines halben Hahns kann man damit nun nicht soo viel falsch machen, schätze ich. Mal sehen, ob in meinem Südafrika-Kochbuch auch Antilopen-Rezepte stehen. Ich werde berichten 🙂

Und dann war da noch:

Der rasende Gummibaum hinterm Boot. Südseite.

 Der hat so ein bischen was von der „Peitschenden Weide“ auf dem Hogwarts-Gelände und war mir letztes Jahr um die selbe Zeit schonmal wegen seiner rasanten Entwicklung aufgefallen.

Vorgestern saß er noch voller Blätter, die zum größten Teil Anfang der Woche spontan rot geworden waren. Ich habe nicht gesehen, ob er er sich geschüttelt hat, aber gestern morgen lagen sie komplett am Boden, und als ich heute morgen das nächste Mal wieder hinsah, waren die Knospen auf der Nordseite schon vollständig aufgegangen und neue Blätter ausgerollt. Faszinierend …

Ich hab übrigens keine Ahnung, ob das wirklich ein Gummibaum ist. Die Blätter sehen zumindest so ähnlich aus.