Lockdown, Tag 295

Der Januar ist schon wieder halb rum, und gefühlt ist bis dato genau garnix passiert. Gut, bis letzte Woche waren noch Ferien, und dank des wieder verschärften Lockdowns hält sich die Anzahl der Arbeiter auf dem Gelände ohnehin in Grenzen, aber im Grunde genommen plätschert das Leben hier einfach so vor sich hin, ohne große Wellen zu schlagen. Einhergehend mit der Verschärfung der Restriktionen wegen der inzwischen mutierten Viren, sind nun auch die 20 Landgrenzen zu den Nachbarstaaten außer für Notfälle wieder dicht, Flüge gehen eh schon eine Weile nicht mehr, und die Infektionskurve zeigt trotz alledem immer noch steil nach oben.

Geimpft werden sollen derzeit nur medizinisches Personal, Regierungsmitglieder (!) sowie Polizisten und Lehrer. Alle anderen müssen warten, da „die reichen erste-Welt-Staaten uns den Impfstoff weggekauft haben“, wie sich neulich von offizieller Seite mokiert wurde. Abgesehen davon, haben sie ohnehin nur 20Mio Dosen bestellt oder jedenfalls für das erste Halbjahr zugesagt bekommen. Bei 2 erforderlichen Dosen pro Impfung reicht das gerade mal für ein Sechstel der Bevölkerung, und wird kaum ausreichen, um sowas wie Herdenimmunität zu erzielen …

So wie es aussieht, hat sich meine „Home-province“ KwazuluNatal mittlerweile zum Corona-Hotspot des Landes entwickelt, nachdem in der ersten Welle noch die Kapregion am heftigsten betroffen gewesen war. Sei’s drum. Ich verlasse meinen Kahn ohnehin ausschließlich noch zum Einkaufen, und da mit der Maßnahmenliste auch die Schlangen vor den Lebensmittelgeschäften wieder länger geworden sind und alles etwas länger dauert, ist das so ungefähr die einzige Stunde pro Woche, die ich außerhalb meines eigenen Quarantänebereichs verbringe und mich den Gefahren der Welt aussetze.

Der Sommer hat inzwischen mit Wucht eingesetzt. Die letzten paar Wochen bewegten sich die Temperaturen meist um die 35°C und aufwärts, jweils gefolgt von ein bis zwei Tagen mit Starkwind und nur um die 25°C, wenn mal wieder ein Tief durchzieht. Am Boot geht es temperaturbedingt eher schleppend voran, aber nachdem Jaques mir eine passende Halterung aus 6mm Alu gebogen hatte, habe ich seit gestern nun tatsächlich eine montierte Mastwinsch, um das Dinghy allein aufs Vordeck zu hieven, und die seit Ewigkeiten hier rumliegenden Einleinen-Reffsysteme sind endlich auch montiert. Muß mir noch eine passende Umlenkung durch den Dodger ins Cockpit dafür ausdenken, aber wenigstens sind sie nun endlich schon mal dran.

Nur das Dinghy widersetzt sich hartnäckig meinen Flickversuchen. Jedesmal wenn ich eine Stelle gepatcht habe, taucht irgendwo ein neues winziges Loch auf. Möglicherweise sind die inzwischen 16 Jahre alten PVC-Schläuche nach drei kontinuierlichen Jahren in der Sonne nun doch allmählich am Ende ihrer Lebenserwartung angelangt. Mist. Will kein anderes Dinghy …

Diese Woche habe ich Flippy kennengelernt. Flippy ist der Typ, der die Lundi Star, Peters Boot, nach dessen Tod für einen Spottpreis vom Makler gekauft hatte, und seit ein paar Tagen drei Boxen weiter ebenfalls an Steg C liegt. Wir haben uns eine Weile unterhalten, ich habe ihm ein paar von Peters Notizen zum Boot und zur Ausrüstung aus dem Deutschen übersetzt, und als er heute morgen mit etwas ratlosem Blick und sowas wie einer aufgerollten halben Luftmatratze bei mir vorm Boot stand und um Aufklärung bat, was das wohl sein könnte, kam von ihm unverhofft die Frage, ob ich denn das Krokodil gesehen hätte. Nee, wat für’n Krokodil denn?

Naja, er hätte es hinter seinem Boot langschwimmen sehen, als er irgendwann heute Nacht gegen halb eins zum Pinkeln auf der Badeplattform stand. 8-O Zwar nur so’ne halbe Portion mit vielleicht 1.30m Länge, aber vielleicht war das ja das Viech, das die letzten Nächte unbemerkt meine ganzen über Nacht am Grund geparkten Köderfische geklaut hat, vorgestern schon einen 35cm Karrentin, und als größtes gestern einen knapp 40cm langen Mullet, jeweils samt 60cm Stahlvorfach,  HD-Wirbel und Drillingen. Dann werde ich mal lieber noch etwas warten, bevor ich ins Wasser steige, um meine UW-Lampen und den Propeller von den daran inzwischen wuchernden Muscheln zu befreien 8-)

Karrentin. Hätte man in der Größe natürlich auch einfach selber essen können …

Die „halbe Luftmatratze“ entpuppte sich übrigens als aufblasbarer 2.5m-Längsfender für das Dinghy, der einfach an die Reling geknotet wird, wenn man das Beiboot seitlich antüdeln will. Eigentlich gar keine so blöde Idee.

Essenstechnisch war das Jahr bisher wenig ergiebig. Nachdem ich nun 14 Tage lang buchstäblich nur von (Mineral-)Wasser und (Toast-)Brot gelebt habe, war mir heute allerdings angesichts der etwas moderateren Temperatur mal nach etwas Anständigem, und so gab es Chicken-Chakalaka mit Pap zum Lunch. Nett.

Afrikanische Küche mit Huhn, viel Gemüse und Maisbrei.

Btw: Man tut hier übrigens gut daran, Maize-Meal nicht in übertrieben großen Packungen zu kaufen. Wie sich erwies, wird das Zeug selbst bei Lagerung in luftdichten Gläsern innerhalb von wenigen  Monaten von irgendwelchen Krabbeltieren befallen. Ich konnte zwar nicht erkennen, ob das die ominösen Rüsselwürmer waren, vor denen man u.a. in der Südsee geplagt wird und die sich in Mehl, Reis Cornflakes und werweißwo noch einnisten und die man da eigentlich immer gleich mitkauft, dafür waren sie schlicht zu klein, aber irgend sowas in der Art war es wohl.  Zumindest hat sich der Inhalt des geschlossenen Glases bewegt. Nichts gegen ein paar Zusatzproteine, aber ich habe dann doch lieber eine neue Packung Maize-Meal gekauft 8-)

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.