Pontius, Pilatus und die Schnarchnasen

Seit fast eineinhalb Wochen schleifen die zwei HiWis jetzt an den beiden Lukenausschnitten in den Achterkabinen rum, und allmählich platzt mir wirklich bald der Geduldsfaden. Mal abgesehen davon, daß die Achterkabinen dadurch für alle andere Arbeiten blockiert sind (wie z.B. Einbau der Batteriesatzes oder der Tanks, die allerdings trotz Bestellung und Bezahlung schon  im Februar bis heute ohnehin nicht eingetrudelt sind), geht das hier dermaßen schleppend voran, daß man eigentlich nur weggehen und den Tag über irgendwas anderes machen kann, wenn man sowieso schon mit hohem Blutdruck zu kämpfen hat.

Heute haben sie es sage und schreibe geschafft, eine (!) Lage Feinspachtel aufzutragen und anschließend den ganzen Tag mit 40er Schleifpapier darauf rum zu fiedeln; mit dem einzigen Ergebnis, daß das am Ende des Tages noch genau so Rodelbahnmäßig aussah, wie schon am Freitag abend. Ich glaube, sobald die mit diesen beiden Luken fertig sind, baue ich die restlichen dann doch lieber selbst ein, sonst ist es entweder Mitte Oktober, bis die damit fertig sind oder ich bin zwischenzeitlich beim zusehen an einem Infarkt dahingeschieden.

Die letzten paar Tage waren einigermaßen ruhig verlaufen. Von den Hiwis hatte sich Montag keiner blicken lassen, und so haben wir die Ruhe für diverse Möckelarbeiten genutzt.

Der Kühlschrank ist inzwischen die überstehenden 7cm  tiefergelegt und braucht jetzt eigentlich nur noch eine vernünftige Abdeckung, Andy hat die Decksbeschläge am Achterdeck abmontiert und angefangen das Deck über den Kabinen zu schleifen, die Schiebetür zum Cockpit wurde zerlegt und grundgereinigt und die mit dem Spak von 25 Jahren gefüllte Drainageröhre unten mal aufgemacht und durchgekärchert, so daß die Tür nach dem endgültigen Einbau morgen hoffentilich wieder nach außen statt in den Innenraum entwässert. Wir haben eine spontan aufgetretene Dysfunktion beider Kühlschränke nach kurzer Denkpause auf ein defektes Batterieladegerät zurückführen können und behoben und selbst meine mitgebrachte Eiswürfelmaschine ist inzwischen angeschlossen und funktioniert zur Zufriedenheit, was für die künftigen Sundowner zweifellos von Vorteil sein wird.

Ansonsten habe ich den heutigen Vormittag mit dem Versuch verbracht, mir ein neues ID-Book (sowas wie ein kombinierter Personalausweis inclusive Führerschein, Waffenschein usw.) ausstellen zu lassen, bin aber vorerst daran gescheitert, daß das zu diesem Zweck aufgesuchte hiesige Civic-Centre letztlich gar nicht zuständig ist, sondern ich stattdessen zum Department of Home Affairs muß, das ich aber aufgrund der etwas kruden Wegbeschreibung  eine halbe Stunde lang vergeblich gesucht habe, obwohl es maximal einen Kilometer entfernt sein soll. Naja, vielleicht morgen. Schließlich gibt’s ja Gurgelmäps…

Die halbherzig darauffolgend trotzdem begonnene Operation  „Wir eröffnen ein Bankkonto“  war (wie eigentlich irgendwie zu erwarten gewesen war) schon deshalb nicht von Erfolg gekrönt, weil ich gerade kein gültiges ID-Book besitze, sondern mein vorhandenes seit 25 Jahren abgelaufen ist und ich somit keinen gültigen Wohnsitz nachweisen konnte. Ich kam mir trotzdem irgendwie vor wie in „der Hauptmann von Köpenick

Beim Versuch, für den Ausdruck von  einigen LibreCAD-Zeichnungen (u.a. für den noch anzufertigenden Motor-Adapter) ein paar Seiten DIN-A3-Papier zu erstehen, bin ich in den letzten zwei  Tagen an mindestens sechs verschiedenen Stellen gewesen, zuletzt heute in einem Xerox-Laden, der zwar Drucker/Plotter und Kopierer bis A0 im Ausstellungsraum stehen hatte, aber Papier lediglich in DIN A4 verkauft, ebenso wie sämtliche anderen „Fachgeschäfte“, die mich von einem zum nächsten verwiesen hatten. Alle unheimlich nett und hilfreich, aber auch alle unheimlich planlos, sobald man irgend etwas von ihnen möchte, was nicht 100% Tagesgeschäft ist. Morgen werde ich dann mal die Firma Nashua suchen, die mir bei Xerox als sicherer Lieferant von A3-Papier empfohlen wurde….

Die nächste Station meiner heutigen Odyssee war die Firma Lumber City, ein Holzgroßhandel, der mir letzte Woche von der Firma Saligna Furniture als deren Lieferant von Saligna-wood (eine Eukalyptus-Holzart und lt. Morgan angeblich für den Bootsausbau viel besser geeignet als das neulich bereits gefundene Meranti) angepriesen worden war und mir eigentlich ein paar Leisten für meine Fensterverblendungen verkaufen sollte. Ich war dann nicht mehr sonderlich überrascht, als es hieß „wir haben gar kein Saligna, aber es gibt da drei bis vier Querstraßen weiter, über zwei Ampeln und dann zweimal links abbiegen einen Holzhandel der vermutlich …“

Immerhin: Ich habe es im weiteren Verlauf des Vormittags geschafft, ein paar Meter Moosgummidichtband, ein paar Zangen und wider Erwarten sogar zwei zu meiner Antriebswelle passende Sprengringzangen zu erstehen.

Nun ja. Morgen ist auch noch ein Tag.

Mit ganz viel Glück hat die hiesige Clubführung bis dahin dann auch mein „Liveaboard-Agreement“ unterschrieben und mir damit sowas wie eine Wohnbescheinigung ausgestellt. Ich schätze nämlich, ohne angegebenen Wohnsitz wird’s kein ID-Book geben, und wenn es nur einer auf einem Boot ist.

Highlight des Tages: Im Cluboffice hatte man mir gestern eine „wir konnten Ihr Paket nicht zustellen“-Notiz von DHL überreicht. Same procedure as every year. Immerhin diesmal gleich mit dem Vermerk, daß das Paket beim Postamt von Meerensee abgegeben und eingelagert wurde und es dort gegen Zahlung von 257 Rand (Zoll/EUSt) abgeholt werden könne.

Das immerhin hat diesmal auf Anhieb funktioniert. Kaum 15 Minuten nach Betreten des Postoffices war ich samt Paket wieder draußen.

Da waren dann zwar nicht die beiden, angesichts der über 30°C der letzten Tage erhofften Airconditioner drin, sondern lediglich der vor ein paar Wochen, als wir bei 12°C bibbernd im Salon saßen, bestellte 150W-Heizteppich, aber wenigstens müssten wir jetzt nicht mehr mit kalten Füßen rumsitzen, sollte es nochmal einen Wintereinbruch geben. 🙂