Randaaale!

Es wird ungemütlich, hier in Richards Bay. Diesmal nicht unbedingt witterungsbedingt, obwohl das Frühjahr deutliche Schwächen zeigt und es mit 21 Grad um einiges kälter ist, als noch vor einer Woche. Nein, Richards Bay hat es in die Nachrichten geschafft, weil derzeit eine Menge Unruhe auf den Straßen herrscht.

Angefangen hatte das Ende Juli mit dem Mord an einem Taxifahrer durch einen kleinen Drogendealer. Der wurde zwar verhaftet, aber erst, nachdem die Kollegen des Taxifahrers ihn erwischt und „bearbeitet“ hatten, woraufhin dann einige Taxifahrer gleich wegen Körperverletzung mit eingebuchtet wurden. Das widerum fanden deren Kollegen nun überhaupt nicht lustig, denn ganz offenbar ist das Verhältnis Taxifahrer – Polizei auch im Alltag alles andere als entspannt, während die Polizei die kleinen Drogendealer, oftmals illegale Immigranten aus Tansania, Zimbabwe, Sambia oder Mozambique, wohl oft einfach laufen, oder sich von denen schmieren läßt. Ich habe mich oft gefragt, was das eigentlich für Gestalten sind, die man hier auf den Straßen mit Einkaufswagen voll Metall-Rohren, Flaschen,  Elektrogeräten und sonstigem eher ungewöhnlichen Einkaufswagen-Inhalt rumschieben sieht. Wie mir John vorhin erklärte, sind das zum guten Teil Klein- und Kleinstkriminelle, die sammeln oder auch mal klauen, gediebte Geräte dann der Materialien wegen irgendwo in den „Badlands“ (Gras- und Buschland um den Ort herum) ausschlachten und diese an Schrotthändler verhökern, um damit ihren Drogenkonsum zu finanzieren oder einfach nur zu überleben. Das weiß natürlich auch die Polizei, läßt sie aber überwiegend gewähren.

Also beschlossen etliche der Taxifahrer, die Sache selbst in die Hand zu nehmen, luden ihre Autos mit bewaffneten Freiwilligen voll und besuchten die Dealer an deren üblichen Standorten und in den Badlands. Es gab etliche Prügel-Aktionen, abgebrannte Wiesen, Felder und Gebüsche und mittlerweile haben sich auch noch diverse Bus- und Truckdriver den Taxifahrern angeschlossen, weil denen angeblich von den (billiger arbeitenden) Immigranten die Jobs weggenommen werden.

Bis Freitag war diese ganze Sache soweit eskaliert, daß der CBD (Central Business District) in Richards Bay Schauplatz von durch brennende Autoreifen und sonstigem aufgeschichteten Müll blockierten Straßen wurde. Gestern brannte der erste Lieferwagen, nachdem der Mob ihn geplündert und den Fahrer

schwer verletzt hatte, und heute morgen hatten die „Demonstranten“ mit quergestellten LKW sogar die ein paar Kilometer von hier verlaufende N2 blockiert und damit die Hauptverkehrsader in Kwazulu-Natal lahmgelegt.

Mittlerweile scheint sich die Situation etwas beruhigt zu haben, aber ich war heute morgen trotzdem erstmal zum PnP in Meerensee und habe meine Vorräte ergänzt. Notfalls kann ich mich jetzt auch drei Wochen lang im Boot einigeln, ohne erneut einkaufen zu müssen.

Da die Sammeltaxi- und Busfahrer anderweitig beschäftigt waren, kam natürlich auch Simon heute morgen nicht zur Arbeit, ebenso wie fast alle anderen der schwarzen Hilfskräfte im Club. Auch mein Versuch, Andries, Hein, Hayden, Jaques oder wenigstens Morgan irgendwo auf dem Gelände zu finden, war wenig zielführend gewesen, obwohl die alle sicher nicht mit Bus oder Taxi fahren.

Das Wetter war auch nicht sonderlich einladend, um draußen irgend etwas zu machen, also habe ich meine Tür wieder zugeschoben, den Heizlüfter angestellt und  mich meinem Lade-Modul gewidmet.

Geplant  bei der ganzen Sache ist, alle Ladeleitungen auf zwei Sammelschienen zusammen zu führen, die Regler für die beiden Windgeneratoren und die Solarpanels zu konzentrieren und kompakt an einem Platz neben dem Batteriefach zusammenzu-fassen. Von diesem Modul aus geht dann nur noch  ein einzelnes Kabelpaar über einen separaten Sicherungs-Automaten und das Überspannungs-Notabschalt-Relais zum LiFeYPo4-Block.

Oben die beiden Solarregler, unten die Regler/Gleichrichter für die Windgeneratoren.

Inzwischen habe ich auch rausgefunden, daß das Unterbrechen der Ladeleitung vom Windgen-Regler nicht ausreicht, um Ruhe ins Boot zu bringen, da dann stattdessen der Regler durch den immer noch fröhlich im Wind drehenden Rotor mit Spannung versorgt wird und im Viertelsekunden-Takt die Bremse auslöst, indem er die drei Wechselspannungsleitungen vom Rotor kurzschließt und gleich wieder losläßt, wenn die Spannung daraufhin zusammenbricht.

Da das über interne Relais passiert, ist deren Tackerei noch deutlich nerviger als die Vibrationen vom Rotor selbst, also muß eine andere Lösung her. Simpelste Variante wären zwei Schalter je Regler, die diese Bremse durch Kurzschluß der Eingangsleitungen simulieren. Einmal kurzgeschlossen, laufen die Rotoren auch bei Starkwind nicht mehr an. Aber zum Einen wäre das dann wieder eine manuelle Lösung mit entweder umständlicher Bedienung oder alternativ ziemlich vielen, ziemlich langen Kabeln, und zum anderen wäre sie viel zu einfach. :lol: Mal sehen, was mir dazu einfällt…

Wo ich nun schon mal beim PnP war, habe ich gleich noch ein schnelles Mittagessen mitgebracht: Heute gab es Chicken-Schnitzel. Kurz in die Microwelle gelegt, zwischen zwei Scheiben Toast gesteckt, bischen Ketchup und Curry drauf und fertsch.

Die werden hier tatsächlich als „Chicken-Schnitzel“ verkauft 🙂

Heute Nachmittag lief mir dann immerhin „John, the electrician“ über den Weg. Bei dem hatte ich gestern ein paar Meter Batterie-Kabel bestellt (wenn man weiß wo, kriegt man also, entgegen allen hier vorherrschenden Standards,  auch in Südafrika rotes statt graues 35mm²-Kabel zu kaufen, und bei John sogar noch um 1/3 billiger als im Shop :wink:) und wir haben uns eine Weile über die oben angesprochene Situation in der Stadt unterhalten. Nach einer Weile stieß dann der Eigner der Terrapin zu uns und ließ beiläufig fallen, daß „unser“ neuer Mastkran-Termin nun wohl für Freitag angesetzt ist. Nun ja.

Wenigstens ist für den Tag so gut wie kein Wind angesagt …