Tücken der Technik

Nachdem ich ein paar Tage mit unregelmäßig, aber immer häufiger ausfallendem Internet gehadert und über den Provider geflucht hatte, kam mir der Gedanke, doch erstmal meinen eigenen Kram durchzuchecken, bevor ich dort erst die Welle schlage: Wie sich durch simples Anfassen feststellen ließ, war das an der Fritzbox am USB-Port angeflanschte 4G-Modem glühend heiß, kein gutes Zeichen. Ein testweise Verbinden direkt mit dem PC brachte die Erkenntnis, daß die eingesteckte Sim-Card sporadisch nicht mehr erkannt wurde. Kein Wunder also, daß das Internet nicht erreichbar war.

Glücklicherweise bin ich bei Technik-Gadgets ja ein Redundanz-Freak, und somit fand sich rein zufällig noch ein identisches Huawei-Modem nagelneu in einer meiner Kisten. Sim- und SD-Karten umgesteckt, das neue Ding an die Fritzbox gestöpselt und siehe da: Geht wieder, wie am ersten Tag. Dolle Wurst. Scheinbar sind diese Dinger nicht wirklich für den Dauereinsatz gedacht und geben irgendwann einfach den Geist auf.

Den ganzen Tag lang hatte es gestern hier vor sich hin gedröppelt. Nach dem Unwetter in der Nacht tagsüber nicht mehr wirklich ergiebig, aber dauernd irgendwie nieselig. Als Entschädigung, gab es dafür einen spektakulären Sonnenuntergang. HDR direkt in der Kamera ist doch echt toll 🙂

einer der Gründe, warum ich diesen Liegeplatz am Außensteg wollte.
10 Minuten später …

Keine Woche ohne neue Ausfälle: Irgendwann Mitte letzter oder schon vorletzter Woche war für zwei Tage lang der Landstrom weg gewesen, weil zwei Elektriker damit beschäftigt waren, den Steg neu zu verkabeln. Zumindest haben sie zwei feiste neue Erdleitungen angetackert und an die Stromkästen angeschlossen. Seither fliegt mein FI an Bord raus, wenn ich den Wasserkocher länger benutze oder sonstwie größere Mengen Strom verbrate, oder auch mal einfach nur so. Und spätestens jedes dritte Mal wenn das passiert, nimmt es den FI am Stromkasten auf dem Steg auch gleich mit. Das ist einigermaßen nervig.

Mein Nachbar hat aus lauter Verzweiflung inzwischen seine halbe Bord-Elektrik neu verkabeln lassen, nachdem wir festgestellt hatten, daß der Steg-FI direkt auslöste, sobald _sein_ Landanschlußkabel auch nur eingestöpselt war und es anfing zu regnen. So richtig viel hat das indes nicht geholfen, und da er „nur“ sein Boot hier liegen hat und selbst 500Km entfernt lebt, hat er nun ein Problem, wenn sein Boot drei Tage lang ohne Landstrom auskommen muß und hat Angst, daß  seine Batterien einen frühen Selbstentladungstod erleiden.

Mittlerweile hat er eine Fernüberwachung installieren lassen, die ihn per SMS oder App informiert, sobald der Strom ausfällt, und ruft mich an, um mir mitzuteilen, wenn „unser“ FI ausgelöst hat, falls ich das nicht selber bemerkt und behoben habe. Das kann auf Dauer sicher auch keine Lösung sein. Ich selbst betreibe hier an Bord eigentlich nur meinen Zweitmonitor, ein paar Ladegeräte, die Eiswürfelkiste und den Wasserkocher mit 230V, alles andere läuft über 12V. Und bis auf den Wasserkocher könnte ich auch alles über den Inverter betreiben, ohne daß es eng wird.

Der bestellte Heizstab für den Boiler ist bis heute sowieso noch nicht eingetrudelt, mein Batterie-Ladegerät war jetzt wochenlang abgeschaltet, und meine Akkus dank Wind und Sonne trotzdem spätestens  um 12h wieder bei 99.5% Volladung angelangt, so daß mir die 230V eigentlich herzlich egal sein könnten. Kaffeewasser kann ich auch mit Gas erhitzen und an kalte Duschen kann man sich irgendwie auch gewöhnen, habe ich derweil festgestellt. Zumindest jetzt im Sommer …

Trotzdem: Es nervt. Hat ja vor dieser „Reparatur“ der Erdkabel funktioniert, also wieso jetzt nicht mehr?

Nachtrag: Pünktlich am Weihnachtsmorgen kam eine WhatsApp von John: Mein Heizelement sei eingetrudelt, und er damit auf dem Weg zum Club. Eine halbe Stunde später hatte ich das Ding in der Hand, nur um dann festzustellen, daß er das für Ein- und Ausbau nötige Werkzeug nicht mitgebracht hatte wie eigentlich besprochen. Der Heizstab hat ein recht großes Gewinde und einen 55mm-Sechskant, um ihn verschrauben zu können. Mein größter Schraubenschlüssel ist dooferweise nur 32mm, und wie ich aus der Erfahrung vom ursprünglichen Einbau des Boilers noch wußte, ging die Chance, das Ding mit einer Zange oder einem verstellbaren Schlüssel bewegen zu können, gegen Null. Dank des Edelstahlmantels um den Boiler und der dicken Isolierung ist schlicht kein Platz für derlei Werkzeug.

Also habe ich mich auf den Weg gemacht, um Heiligabendmorgen eine passende 55mm-Nuss aufzutreiben. Glücklicherweise findet Weihnachten in den meisten nicht-deutschen Landen ja erst am 25. statt, und der 24. ist hier ein einigermaßen normaler Arbeitstag, also habe ich diverse Elektro- und Sanitärläden abgeklappert, bis ich im sechsten Anlauf schließlich bei AquaTap fündig wurde.

Billig-Werkzeug für Boilerbauer, modifiziert…

Das scheint sowas wie ein Einmal-Werkzeug für Leute zu sein, die gerade mal einen Heizstab wechseln müssen, jedenfalls aus billigem verzinktem Blech und nicht übermäßig stabil. Egal, es hat seinen Zweck erfüllt und war zugegeben tatsächlich billig. Und da ich in das Ding auch noch eine Kerbe flexen mußte, weil der Anschluß für das Erdkabel am Vetus-Element idiotischerweise an einer der 6 Seiten des Sechskants angeschraubt ist und man nicht mehr drankommt, sobald das ganze Ding im Boilergehäuse versenkt ist, war ich froh, das bei einem Tool für 6,-€ tun zu können, und nicht für rund 30,-€ (ebay-Preis in D für ein noname-Werkzeug) eine „richtige“  Nuß kaufen und gleich zerstören zu müssen.

Elektrolyse-Schmodder? Nach nichtmal 22 Monaten Betrieb??

Wie mir beim Wechseln des Elements auffiel, hatte die Firma Vetus, oder wer immer den Boiler zusammengebaut hat, großzügig auf Teflonband um das Elementgewinde verzichtet. Da saß nur ein simpler Siliconring, und wenn ich mir den Boiler so betrachte, stelle ich mir schon die Frage, ob das tatsächlich so gemeint war. Kann mir jedenfalls nicht wirklich vorstellen, daß so ein Teil grundsätzlich nach 2 Jahren Betriebszeit undicht wird und dermaßen rostet …

ibähh .. Gut, daß da normalerweise eine Plastikkappe vorsitzt und man das gar nicht sehen kann. Komisch ist es aber schon.

Auch der Schmadder, der sich nach dem Ausbau am Heizstab zeigte, deutet in meinen Augen nicht wirklich darauf hin, daß das Ding einfach nur durchgebrannt war, weil der Boiler in meinen 4 Wochen Abwesenheit leerdiffundiert ist oder das Rückschlagventil in der Zulaufleitung derweil aufgegeben hat. Seltsame Sache das …

Anyway, ich habe das neue Element ordnungsgemäß mit Teflontape eingesetzt, anständig festgezogen, und nachdem ich den Boiler entlüftet und den Stromkreis im Schaltkasten wieder scharf geschaltet hatte, passierte augenscheinlich: Nichts. Jedenfalls nichts, was auf irgendwelche Unregelmäßigkeiten hindeutete. Insgeheim hatte ich vorher fast damit gerechnet, daß mein FI beim Einschalten des Boilers genauso tillen würde wie beim Einschalten des Wasserkochers, aber … nix. Testweises zusätzliches Einschalten des Wasserkochers führte zum selben Resultat, also mit ein bischen Glück, habe ich gerade beide oben geschilderten Probleme auf einen Schlag gelöst, und Nachbar Brad hat seine tolle Ferndiagnose-Stromüberwachung völlig umsonst eingebaut, weil mein kaputter Heizstab das eigentliche Problem war :oops:

Wie dem auch sei, beim Test eineinhalb Stunden später kam brühheißes Wasser aus dem Hahn. Mission erfüllt. Das neue Heizelement hat, im Gegensatz zu den 1500W des originalen, nun nur noch 500W. Damit kann ich mein Warmwasser nötigenfalls auch einfach über den Inverter aus der Batterie erwärmen, solange die Sonne scheint. Diese 1500W des Original-Teils wollte ich eigentlich eh nie haben, weil der Inverter damit schon am Limit war und alles andere an 230V-Elektrik ausgeschaltet sein mußte, während Wasser warm zu machen war. Also auch, wenn  es nun ein wenig länger dauern mag, bis das Wasser im Boiler seine 75°C Nenntemperatur erreicht hat; dies deucht mir definitiv die bessere Alternative zu sein als das Original.

Wo ich heute morgen ohnehin in Richards Bay war um das Werkzeug zu kaufen, habe ich die Gelegenheit genutzt, auch noch ein wenig Weihnachtsgebäck zu erstehen. Beim PnP gab es tatsächlich noch ein paar originale deutsche Christstollen zu ergattern, also habe ich einen davon eingetütet, und werde jetzt ganz feierlich, Heiligabend um 17h, den Arbeitstag mit Kaffee und Christstollen beschließen. Draußen sind immer noch 26°C, und ich hatte definitiv schon kühlere Weihnachten.

Und danach werde ich ausgiebig duschen! Das erste Mal seit fast 6 Wochen wieder mit warmem, nein heißem Wasser :mrgreen:

Frohe Weihnachten allerseits!

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