Wider besseres Wissen

Manche Dinge sind im Nachhinein so offenkundig , daß man hinterher nur da sitzt und sich ägert: „Blödmann, hättest es wirklich besser wissen sollen“. (Nein, ich habe nicht schon wieder mein Samsung geupdatet). Ich bin ja durchaus ein Verfechter von „Jeder verdient eine zweite Chance“, aber hin und wieder fällt man dabei eben auf die Fresse und ein Arschloch bleibt auch im zweiten Anlauf einfach ein  Arschloch…

Mein Wochenende begann Samstag gegen sechs. Durchaus ausgeschlafen, da ich mir den Tag vorher (endlich) ein neues Kopfkissen gegönnt hatte, aber trotzdem mit Kopfschmerzen. Meine Painkiller habe ich vor ein Paar Tagen abgesetzt, die Wunde im Gesicht ist vernarbt, das Jucken und die Schmerzen in der rechten Gesichtshälfte sind inzwischen auf ein halbwegs erträgliches Maß zurückgegangen, also muß es jetzt auch ohne gehen. Nervig ist das immer noch.

Nach dem obligatorischen Samstags-Brötchen zum Frühstück habe ich mich  eine Stunde der Zeitung gewidmet, Kontoauszüge gecheckt und emails geholt. Sieh an, eine Mail von Morgan! Wenn sie auch beim Arbeiten nicht die schnellsten sind, seine wöchentlichen Abrechnungen kamen schon immer pünktlich…

Zum Verständnis, warum der mir eine Mail schickt: In meinem „vergoldeten“ Badezimmer fehlten ja seit jeher immer noch drei Schranktüren und die Eck-Abdeckung vor dem Fäkalientank, die sie zwar angeblich irgendwann laminiert und lackiert hatten, die aber nie bei mir angekommen war. Allerdings habe ich sie vorher auch nie berechnet gekriegt.

Eigentlich hatte ich mich damit abgefunden, die Dinger aus weißem 8mm Polycarbonat einfach selbst zurechtzusägen. Letzte Woche hatte ich bei Maizey’s vier ähnlich große Platten aus Polycarbonat in 10mm  für die neuen Wassertankabdeckungen gekauft, diese hier hätten wohl näherungsweise das Gleiche, nämlich um die 40,-€ ,  gekostet und mich, abgesehen von der irgendwie umzubiegenden Ecke unten links, vielleicht drei oder vier Stunden mit Säge, Fräse und Bohrmaschine beschäftigt.

Nach einem längeren Gespräch mit Brad neulich Abends und zwischendurch auch mit Morgan wegen einer anderen Sache, dann aber mit denen vereinbart, daß sie die Dinger einfach endlich fertigmachen. Ich hätte es wirklich besser wissen sollen! Trotzdem fiel mir heute morgen fast die Kinnlade runter, als ich das hier gelesen habe:

Falls das jemand nicht so recht erkennen kann: Das sind 43 Arbeitsstunden und da unten rechts steht die Summe von 7.641,19Rand. Umgerechnet in richtiges Geld etwa 475,-€

Dabei sind die Dinger noch nichtmal fertig lackiert und von handgeschmiedeten Echtgold-Beschlägen und -Scharnieren habe ich auch garnichts gelesen. Wie gesagt: Es geht hier um drei Schranktüren in der Größe von 30x30cm aus simplem, geraden 8mm GFK-Laminat, innen und außen schlicht weiß lackiert und eine Eck-Abdeckung aus demselben Material. Ich glaube, ich bin hier irgendwie falsch …

Vielleicht sollte ich Morgan den Tip geben, doch mit seinen Jungs nach Frankreich auf Montage zu gehen und bei der Restaurierung von Notre Dame mitzuhelfen, da könnten sie sich vermutlich eine goldene Nase verdienen, ohne daß sich irgendwer an völlig überzogenen Preisen stört…

Ob der wohl jemals auf die Idee kommt, mal die geforderten Preise für seine Leistungen in Relation zum fertigen Produkt zu setzen? Vermutlich nicht. Dieses handlaminierte Badmöbel war vorher schon der mit weitem Abstand teuerste Schrank, den ich in den letzten 58 Jahren gekauft habe, aber so allmählich wird das nun echt absurd…

Damit war ich für den restlichen Samstagvormittag eigentlich schon bedient. Andererseits war es noch nichtmal acht Uhr und draußen schönstes Herbstwetter mit strahlendem Himmel bei 25°C, also machte ich mir noch einen Kaffee, schnappte mir mein Werkzeug, verholte mich ins Cockpit und baute die beiden alten 40er Winschen von ihren Podesten, um dann nach entsprechender Anpassung der Podeste den Einbau der neulich mitgebrachten 46er Lewmar-Winschen an dieser Stelle vorzubereiten.

Die Podeste waren nämlich nicht nur zu hoch, sondern aufgrund der etwas komischen konischen Konstruktion auch oben zu klein für die neuen Winschen. Die alten waren  im direkten Vergleich doch recht zierliche Dinger. Die neuen sind dagegen mächtig massiv.

Glücklicherweise war der Teil, den ich abzutragen gedachte, wohl irgendwann mal zusätzlich auflaminiert worden (Vielleicht, weil der Voreigner aus Kostengründen kleinere als von der Werft vorgesehene Winschen einbauen wollte?) und ließ sich relativ widerstandsarm zumindest grob mit dem Stechbeitel abstemmen, ohne die eigentliche Basis über Gebühr in Mitleidenschaft zu ziehen. Nachdem das erledigt war, sahen die Basen zumindest von den Abmessungen schon fast aus, als wären sie ursprünglich genau für diese Winschen gemacht.

Als hätte da nie irgendwas anderes draufgestanden…

Der anschließende Versuch, die Oberfläche mit der Schleifmaus und 60er Papier in eine brauchbare Form zu bringen, endete allerdings nach nichtmal zwei Minuten mit einem Knall und einer Stichflamme im Inneren der Schleifmaus, einer Reihe von derben Flüchen meinerseits und der Fahrt zur Mall, um eine neue zu erstehen. Mittlerweile die Dritte ihrer Art seit August, diesmal nun aber  nicht mehr von Black&Decker, sondern von Ryobi. Mal sehen, ob die länger hält als die letzten beiden. (Vielleicht hilft es dabei ja auch, sie nicht dauernd in irgendwelche vollen Wassertanks zu werfen :roll:)

Nachdem ich zurück war, habe ich dann trotzdem zunächst auf die bei grobmotorischen GFK-Arbeiten bewährte Flex mit einer 80er Fächerscheibe gewechselt, und kurz darauf hatte ich zumindest schon mal gerade und halbwegs glatte Oberflächen.

Dieser obskure dunkle Fleck ist übrigens ausgehärtetes Harz, das Stephen da irgendwann mal umgekippt hatte. Ließ sich auch nur mit dem Stechbeitel entfernen…

Wo ich nun schon mal dabei war, habe ich dann den Rest dieses ganzen Kastens mit der neuen Schleifmaus und dem Multimaster für die Problemzonen auch noch abgeschliffen, nachdem ich das verkippte Harz weggemeißelt hatte.

Immerhin, bis halb drei hatte ich mehr geschafft, als von diesem Tag zu erwarten gewesen war und bekam Hunger, also warf ich das seit Freitag im Kühlschrank liegende Mett in die Pfanne und dann gab es zur Feier des Tages Spaghetti rustikal auf den Knien im Cockpit.

Wenn es morgen nicht regnet, werde ich den Kasten anmalen, und dann können die Winschen drauf. Wieder ein Haken mehr auf der Liste 🙂

Wie auf den beiden Bildern oben schon zu erkennen, war in der Zwischenzeit auch Rob bzw. einer seiner Spezis hier, um meine neuen Gasflaschen abzuwerfen:

Auch, wenn ich die mutmaßlich nicht all zu oft tragen werden muß, wenn das mit meinem Gasverbrauch auch unterwegs so anhält: Die Dinger sind selbst voll wirklich verblüffend leicht! Und außerdem rosten sie nicht, was bei den Stahlflaschen auf See ja doch früher oder später zum Problem wird. Dies sind 10.8Kg-Kompositflaschen aus GFK mit Kunststoffhülle. Blöderweise sind sie natürlich im Umfang drei Zentimeter größer als die nebenstehende Stahlflasche, für die Kirsten vor ein paar Jahren mal den Halter gebraten hatte, und passen nicht rein. Irgendwas ist ja immer. Aber das Ding war ja sowieso nur eine Übergangslösung und die Flaschen sollen später mit der unteren Hälfte in der Badeplattform verschwinden. (Sofern Stephen denn jemals mit dem Dodger fertig wird und mit der Badeplattform anfängt…)

Das auf dem Titelbild ist, wie unschwer zu erkennen, ebenfalls ein Dean-Katamaran, der gestern geslippt wurde. Eigentlich die gleiche Größe wie Thelxinoe, sieht aber trotzdem irgendwie kleiner aus und die Proportionen scheinen anders. Möglicherweise ist das ein Dean 330. Die hatten denselben Rumpf, aber ein etwas anderes Deckslayout.