15.10.2018

Tag 1 nach dem Rauswurf meiner Arbeiterschar begann ruhig. Ich hatte prima geschlafen, stand erst kurz nach 8 Uhr auf und ging duschen. Auf dem Rückweg lief mir Brad über den Weg, dem  ich die Mail an Morgan gestern ebenfalls per cc geschickt hatte und der daher wußte, wie dlei Lage war. Wir haben uns eine ganze Weile unterhalten und ich hatte nicht den Eindruck, daß er gewußt hatte, was sein Boss mir in den letzten drei Jahren abgenommen hat.  Er wirkte jedenfalls ehrlich betroffen. Brad ist in meinen Augen der Gute von den beiden und für ihn tut mir die ganze Situation irgendwie ein bischen leid.

Gegen 10h war es dann soweit: Morgan und Brad standen am Boot, um ein finales Gespräch zu führen. Das lief von Morgans Seite ziemlich genau so ab, wie ich das nach den Mails der letzten paar Jahre erwartet hatte, nämlich irgendwer war Schuld. Das Wetter, die schwarzen Arbeiter, die Regierung, das Transportwesen, der Zoll und ich. Natürlich ich. Ich wollte ja auch dauernd irgend was anderes von ihm.

Nur um das mal klarzustellen: Ende 2015, als ich Morgan engagiert habe, haben wir hier im  Cockpit gesessen und eine Liste mit Positionen zusammengestellt, die ich erledigt haben wollte. Ich hatte ihm gesagt, daß ich Ende 2018 von Richards Bay aus lossegeln wollte, solange habe er Zeit, die Liste abzuarbeiten und ich hätte überhaupt kein Problem damit, wenn die Arbeiten an Thelxinoe mal ausgesetzt würden, wenn gerade ein Durchgangskunde drängelt. Nur fertigwerden müßten sie bis 2018. In der Liste waren die einzelnen Punkte nach Prioritäten in der Reihenfolge

  • funktionsfähig machen
  • seetüchtig machen
  • wohnlich machen

gekennzeichnet, wobei letzteres eigentlich nur so Kleinkram wie der Austausch des zertrümmerten Plastik-Waschbeckens im Bad gegen ein Edelstahlbecken gewesen wäre, das ich eigentlich bei IKEA oder ebay kaufen wollte. Wie das letztlich ausging, erwähnte ich wohl schonmal. 

Warum das alles dazu geführt hat, daß hier jede Menge Projekte angefangen wurden, aber kaum irgend etwas fertig geworden ist, ließ sich nicht mehr abschließend klären. In seinen Augen war ich vermutlich auch daran schuld.

Egal, wir sind jetzt auseinander. Nachdem ich ihm in der Mail gestern eh schon angekündigt hatte, daß ich die völlig überzogenen 11.500Rand für die obscure Getriebeglocke direkt von seiner letzten Rechnung abziehen würde, hat er mir großzügig eine Gutschrift darüber angeboten. Haha…

Nachdem ihm dann noch einfiel, daß er sein seit Monaten leihweise in meinem Boot angeschlossenes Batterieladegerät nun aber ganz dringend für ein anderes Projekt brauchte, habe ich das Ding kurzerhand abgeklemmt und ihm mitgegeben. Ist ja nicht so, daß ich nicht schon 2016 ein Victron Phoenix 12V/30A Ladegerät hergeschickt hätte, das er schon damals hätte einbauen sollen, um meine zu der Zeit  noch vorhandenen vier Deepcycle-Batterien ordnungsgemäß geladen zu halten.

Eine Stunde später stand Brad mit ein paar seiner Jungs erneut vor der Tür, um mir die noch nicht eingebauten Luken und die dazu gehörigen Innenrahmen und Deckslüfter auszuhändigen, die ich bereits vor Monaten bezahlt hatte. Ihm war diese ganze Situation sichtlich unangenehm, aber da kann ich nun leider auch nix dran ändern.

Da ich durch diese ganze Aktion irgendwie um mein Frühstück gekommen war, hatte ich inzwischen Schmacht und habe das erste Mal überhaupt Mittags auf dem Boot gekocht. Heute waren hier  den ganzen Tag über um die 25 Grad, da war selbst der Aufenthalt in der Pantry erträglich. Meine letzten beiden Scheiben Selbstbackbrot hatte ich gestern abend wegen Grünspanbefalls entsorgt (70-80% Luftfeuchtigkeit und „Seeluft“, da  direkt am Meer!), also habe ich meine Schränke nach Eßbarem durchforstet und fand eine etwas angerostete Dose Ratatouille, die im Mai abgelaufen war und definitiv weg mußte. Eine Tasse voll Vollkorn-Fusili gekocht, ein paar der im Kühlschrank liegenden Russians (hier sowas wie kleine Cabanossi) reingeschnippelt und voila: 

Ratatouille avec des fusili et cabanos 🙂

Es blieb genügend übrig, daß es normalerweise auch noch für ein halbes Mittagessen morgen genügt hätte. Allerdings hatte ich abends immer noch kein Brot und da ich auch nicht zum Einkaufen für den Monday-Braaii gekommen war ließ ich den heute ausfallen, und verfeinerte den Ratatouille-Rest zum Abendessen noch mit ein wenig Peri Peri und einem Stück kleingewürfeltem Edamer, der dann so dahinschmolz, was die ganze Sache nochmal deutlich schmackhafter machte.

Derzeit scheint ja gerade mal wieder die Sonne, meine Solarbank hat heute immerhin eine knappe KWh geschafft, aber das nächste Tiefdruckgebiet kommt ganz sicher, und dann brauche ich auch Strom.

Der Victron-Charger also. Eigentlich hätte Andi den neulich schon zusammen mit der CEEE-Landanschlußdose einbauen sollen, schließlich war er der 230V-Beauftragte an Bord. Aber nachdem er nun weg ist und ich durch die erfolgreiche Kabelbastelei mutig geworden war, habe ich mich der Sache selbst angenommen und sowohl den Lader, als auch den Anschluß im Sicherungskasten unfallfrei verdrahtet. (Nachdem ich erstmal drei Minuten rumgesucht hatte, wie der blöde Sicherungskastendeckel überhaupt abgeht und mir dabei fast die Fingernägel abgebrochen hatte, bevor ich die beiden Schrauben fand :oops:)

Ladetechnik von innen

Noch ein paar 16mm²-Kabel gecrimpt und an Batterie und Lader angeschlossen, und nun bin ich fürdie nächste Regenzeit zumindest energietechnisch gewappnet. (Jedenfalls, solange der Strom nicht wieder abgestellt wird).

Läuft bei mir …