Mehr Vortrieb, mehr Photonen

Montag morgen sah es eigentlich die ganze Zeit so aus, als würde es jeden Moment anfangen zu regnen. Und weil das so war, hatte sich Simon wohl gedacht „dann bleib ich doch lieber gleich zuhause“ und blieb kommentarlos weg.

Geregnet hat es zwar den ganzen Tag über dann doch nicht, aber ich war halt allein. Insofern war mal Zeit und Gelegenheit für jede Menge Klein- und Kleinst-Baustellen, die sich hier immer noch tummeln und mir teilweise schon über ein Jahr lang auf den Zwirn gegangen waren. Einen guten Teil davon habe ich erledigt, es sind aber immer noch genügend übrig, damit mir nicht langweilig wird.

Selbst das leidige Thema „Antrieb“ werde ich wohl morgen nun endlich abschließen können: Öl ist drauf, Propeller ist montiert, und nachdem Simon dann Dienstag morgen wieder auf der Matte stand, habe ich ihn das Unterwasserteil nochmal überschleifen lassen, um es nun mit Trilux33 Antifouling rollen zu können.

Mit meinen „externen“ Spezis tut sich herzlich wenig: Stephen kaspert immer noch mit meinem Dodger rum (oder auch nicht, wer weiß das schon), Hayden hat meine Gasbox allen Beteuerungen zum Trotz immer noch nicht fertig, Jaques kommt mit den Stagen nicht aus dem Quark und Andries fuhr gestern abend zwar fröhlich hupend und winkend am Boot vorbei Richtung Ausfahrt, hat sich aber ansonsten seit drei Wochen nicht mehr blicken lassen.

Meine Seilzug-Lenkung, für die er ja schon letzten Monat ein passendes Crimpwerkzeug besorgen wollte, um den Zug die paar Zentimeter zu verkürzen, um die er sich wohl vermessen hatte, habe ich inzwischen selbst passig gemacht. Jaques hatte ein paar passende Kupfer-Crimps für mein Lenkseil,  die sich mit meiner Batteriekabelklemmen-Crimpzange wunderbar verpressen ließen und jetzt aussehen, als wär das so gewollt gewesen. Die Lenkung funktioniert,  das Steuerrad ist wieder montiert, die Ruderblätter stehen wieder soweit parallel, wie ich das allein nach Augenmaß hingekriegt habe und sind an den  Pinnen festgeknallt, damit wäre ich nun theoretisch manövrierfähig.

Und nachdem ich nach leichter Verwirrung den Drahtseilspanner, den Andries wohl auf die Außenseite der ganzen Mimik verlagert hatte weil man da besser drankommt, dann doch wieder zur Mitte verlegt habe,  ist auch der Ruderausschlag nach beiden Seiten fast gleich groß, ohne daß die Kette in der Mitte bei Halbeinschlag nach Backbord schon auf die Umlenkrolle läuft und blockiert :mrgreen:

Lenkgestänge-/Seil-Anbindung

Morgen noch den Kabelstrang vom Motor zum Instrumentenpanel verlegen und anschließen, und dann gilt das mit der Manövrierbarkeit  sogar praktisch, sofern der Motor dann auch tatsächlich noch läuft.

Positives: Montag Abend fand ich eine email von Dallen Roos (Ullman Sails Durban) im Posteingang: Meine neuen Segel sind fertig! Zwar hatten sie den Stackpack vergessen, den ich ebenfalls erneuert haben will, weil der alte halb auseinanderfällt und aussieht, als hätte irgendjemand mal Batteriesäure drübergekippt , aber immerhin. Alles in Allem waren die hier gekauften Segel doch um einiges günstiger, als ursprünglich erwartet. Für das Groß und Kutterstag-Rollsegel zusammen gerade mal 1.500,-€, nachdem ich Dallen davon überzeugt hatte, mir die Dinger taxfree zu liefern, wie schon damals auch die Genua. Schließlich bin ich hier ja nur auf der Durchreise :mrgreen:

Und meine weiße Danboline Bilgenfarbe hat es (nach nunmehr18 Wochen Bestelldauer) angeblich gestern bis nach Kapstadt geschafft,  wie mir Lelani gestern morgen freudestrahlend verkündete, als ich im Shop ein paar Blätter Schleifpapier kaufen wollte. Das läßt hoffen, daß sie vielleicht doch noch eintrudelt, bevor ich hier endgültig weg bin…

Tücken der andauernd zwischen „nasskalt“ und „brüllheiß“ wechselnden Witterungsbedingungen: Die ganzen letzten Tage schniefe und röchle ich hier schon so vor mich hin; Zeit für eine Rekonvaleszenten-Suppe. Da meine Menzi-Konserven mittlerweile aufgebraucht sind, wurde das eine Suppe aus  einfach zu merkenden Einzelkomponenten:

  •  1.5 Liter Wasser
  • 1 Tüte/Päckchen „Chicken Stock Pot“ oder halt Instant-Brühe
  • 1/2 zerpflücktes Huhn (ich bevorzuge fertig gebratene vom PnP. Die kann ich am selben Tag halt ohne weiteren Aufwand direkt als krossen „Brathahn“ genießen, und was übrigbleibt, landet in der Suppe.)
  • 2 Handvoll Muschelnudeln
  • 4 Esslöffel Hartweizen-Graupen
  • was grad so an Gemüse noch da ist und weg muß
  • ein Ei

Plus natürlich Gewürz nach Gusto, das Ganze gut verquirlt  und eine dreiviertel Stunde lang köcheln lassen. Schmeckt, muntert mich bei dem vorherschenden Schmuddelwetter etwas auf und reicht mir in obiger Menge für 2-3 Tage.

Wo wir schon gerade bei medizinischen Hilfsmitteln sind: Es geht ja nun wieder verstärkt auf Weihnachten zu, meine vor gut einem Jahr erstandene Flasche Sundowner-Gin ist mittlerweile bis auf ein Viertel leer, und eigentlich hatte ich drauf spekuliert, noch ein zweites dieser schicken Ballon-Gläser von Bombay Sapphire erstehen zu können, die sie letztes Jahr hier als Geschenk-Set verkauft haben. War heuer aber nirgends zu finden, also habe ich eine Familienpackung  Buschmühlentonikum samt beigestellten Applikatoren zur Ergänzung der Bordapotheke gekauft.  Soll man ja ohnehin raumtemperiert und unverdünnt verabreichen, also wer weiß, wofür’s gut ist, daß John meinen Icecubemaker zum Ambilight umfunktioniert hat. :mrgreen:

Dann wären da noch meine überaus lästigen Mitbewohner: Winzige schwarze Ameisen von 3-4mm Länge, sauschnell permanent unterwegs überall im Boot, und mittlerweile wirklich nervig. Wo immer man im oder auf dem Boot irgendwas essbares offen abstellt, tauchen sie in Minutenschnelle auf. Ich kam mir teilweise schon vor wie Donald in einem dieser uralten Disney-Cartoons, wo er beim Picknick von denen überfallen wird.

Gestern  nachmittag will ich den Wasserkocher füllen, um Kaffee zu machen, und sehe aus den Augenwinkeln, daß sich ungefähr 30 Ameisen oben auf meinem Wasserhahn versammelt haben, warum auch immer. Hatte spontan die Vision einer heranzoomenden Makro-Aufnahme, in der  die alle nach oben starrend mit weit aufgerissenen Mandibeln in einem Pulk sitzen und drauf warten, daß meine Finger in ihre Nähe kommen, um ihre ca. 250 Artgenossen zu rächen, die ich bislang terminiert habe :help:

Neulich hatte ich schon mal versucht, sie durch großzügiges Verteilen von Backpulver entlang ihrer Hauptverkehrstrassen loszuwerden, das scheint sie aber nur sehr wenig beeindruckt zu haben. Doom aus der Dose als Instant-Killer ist natürlich bei Feindkontakt in offenem Gelände das Mittel der Wahl, das will ich aber nicht dauernd in meiner Pantry verpusten. Nicht, daß ich deswegen auch noch irgendwann aus den Latschen kippe und die Formiculae-Invasoren dann gewonnen haben.

Also falls irgendjemand aus der geneigten Mitleserschaft eine Idee hat, wie man die Viecher ohne großflächigen Chemiewaffeneinsatz und möglichst ohne größere Nebenwirkungen wieder los wird: Immer her damit…

Ansonsten stand der Tag heute unter dem Motto: „Wenn schon nix von dem relevanten Kram fertig wird, will ich wenigstens ein bischen was von dem Fun-Stuff anbasteln„. In diesem Falle: Unterwasser-Leuchten. Sind ja heutzutage fast schon unentbehrlich, wenn man mit einem Boot auf den Ozean will und dann womöglich auch noch Fotos von oben macht. Anyway, die vier Dinger lagen hier schon seit fast drei Jahren rum, und wenn ich wirklich diesen Monat ins Wasser kommen sollte, wär’s wohl sinnvoll, die noch vorher angebaut zu haben.

Im Gegensatz zur vorherrschenden Meinung (zumindest nach den eingestellten Bildern und Wortmeldungen zu diesem Thema im Boote-Forum, wie repräsentativ das nun auch immer sein mag), finde ich weiße UW-Lampen immer noch besser als blaue. Hat mir auf der Ganymed damals ganz gut gefallen,und sollte auf Thelxinoe so ähnlich werden.

Die Dinger haben je 39LEDs drin und lt. Hersteller 5.2W, was sie mit 416 Lumen bzw. dem Äquivalent zu 60W bei einem Abstrahlwinkel von 120° angeben. Mal sehen, was davon im/unter Wasser übrigbleibt und ob man damit Nachtangeln kann.

Nun hat so ein Segelboot, auch ein Katamaran, im Gegensatz zu Motorbooten ja gemeinhin nicht so ganz viele vertikale Flächen unter Wasser am Heck. In meinem Fall sind das ziemlich genau zwei handtellergroße Flächen neben dem Z-Antrieb, von denen ich aber bis heute noch nicht weiß, ob sie überhaupt unter Wasser liegen.

Antriebsbeleuchtung

Morgans Leute haben die Nacelle damals zwar ebenfalls ein paar Zentimeter hoch mit CopperCoat gestrichen, wie irgendwann mal in einem Beitrag abgebildet, liegt die bei der baugleichen De Nada aber satte 10cm über der Wasserlinie. Wir werden sehen, wo das bei meinem Kahn dann hinscheint. Auf jeden Fall kann ich nun auch im Dustern auf einen Blick sehen, ob mein Z-Antrieb noch da ist, oder vielleicht meine  gepfuschten Sicherungsbolzen rausgefallen sind 🙂

Die anderen beiden Laternen habe ich nach außen ans Rumpfende gesetzt. Die leuchten nun allerdings nicht waagerecht nach hinten, sondern hauptsächlich eher schräg nach unten. Bin gespannt, ob das im Wasser irgendwas hilft…

Im Gegensatz zu den Dingern, die sie hier so allgemein verbauen, beschränkten sich die Löcher im Rumpf bei diesen Spieldingern allerdings auf je zwei mit 3mm für die Schrauben und je eins mit 4.5mm für das Kabel. Die ordentlich mit Sikaflex, bzw. Bostik, wieder zugekleistert: Damit kann ich leben. Bei den Scheinwerfern, die John damals nebenan in die True North eingebaut hat, hatte er zwei  220mm (!) durchmessende Löcher in den Rumpf gesägt. Unter der Wasserlinie, wohl gemerkt. 8-O

Auch, wenn die im Gegensatz zu meinen sicher mehr Licht abgeben: Das würd‘ ich ja im Leben nicht haben wollen!