Tage zum dahinschmelzen …

Nur gut, daß ich mich nicht dauernd nur übers Wetter beschweren muß. 🙂 Zwei Tage lang von Regen nicht die geringste Spur, dafür aber dann Temperaturen um die 42°C. Und es sieht nicht so aus, als sei es das schon gewesen, auch wenn es gestern Nacht wenigstens ein wenig vor sich hingenieselt und auf 24 Grad abgekühlt hatte: Zumindest zeigte heute morgen um halb Acht der Blick auf die Wetterstation mit 28,5° und 78% Luftfeuchtigkeit schon wieder vielversprechende Werte. Ich glaub, ich muß mal meine Klimaanlage ausmotten, wenn das so weitergeht. Meine USB-Propellatoren bringen jedenfalls keine ernsthafte Linderung mehr. Eigentlich wäre jetzt die Gelegenheit, mal meine Eiswürfelkiste in den Dauerbetrieb zu versetzen, wenn sie denn funktionieren würde. :roll:

Auf jeden Fall haben die Temperaturen hier vorgestern für ein Naturspektakel gesorgt: Den Auszug der geflügelten Ameisen. Mittwoch hatte ich schon ein paar einzelne, rumschwirrende Insekten gesehen, die ich aufgrund  ihrer Größe und ihres Aussehens zuerst für Libellen gehalten hatte, aber das war ein Trugschluß, wie sich einen Tag später zeigte:

Hier in Richards Bay zwar nicht annähernd so dramatisch anmutend, wie damals in Johannesburg vor 35 Jahren, als es aussah, als würde unser Garten explodieren mit Millionen aus dem Boden quellender und aufsteigender Flügeltiere, die im wahrsten Sinne des Wortes „den Himmel verdunkelten“, waren es hier wohl eher nur ein paar Zehntausend, was aber trotzdem die gesamte lokale Insektenvertilgende Fauna von Vögeln bis Fledermäusen  für einen Tag und eine Nacht in einen Freßrausch stürzte.

Im Gegensatz zu meinen winzigen onboard-Plagegeistern, sind die Fliegeviecher mit 20mm Körperlänge und fast 80mm Spannweite deutlich imposanter und waren aufgrund ihrer schieren Anzahl für mich trotz der Temperaturen Grund genug, den Donnerstag Abend bei geschlossenen Luken drinnen zu verbringen. Dauert erfahrungsgemäß ja nur einen Tag, bis wieder Ruhe einkehrt und einem nicht mehr alle Naselang irgendwas in den Sundowner abstürzt oder im Gesicht landet.

Nebenwirkung dieses Exodus‘: Überall liegen abgefallene Flügel rum und die  erfolgreichen überlebenden Exemplare tapern träge auf dem Boden rum, mutmaßlich auf der Suche nach einem neuen Erdloch. Sonderlich gut zu Fuß sind sie dabei nicht. Nachdem ich vorgestern das  Loch im Boden der Nacelle verschlossen hatte, fand ich am nächsten Morgen ein gutes Dutzend Ameisen darin, die den ganzen Tag über sinnlos im Kreis marschierten, es aber nicht an den Wänden hoch schafften und schließlich Simons Staubsauger zum Opfer fielen. Ende eines Jungfernflugs …

Meine anderen Invasoren haben heute erstmal einen empfindlichen Rückschlag bei ihrem Besiedelungsversuch erlitten: Nachdem ich sie bis in mein Kompassgehäuse zurückverfolgt hatte, wurden sie durch massiven Chemiewaffeneinsatz zumindest dort exterminiert. Drei Stunden später sah ich allerdings Kolonnen von ihnen aus einem winzigen Loch an Backbord im selben Schott kommen und durch meine Pantry marschieren. Wie mir schon neulich aufgefallen war, als ich den Kompass ausgebaut hatte, ist zwischen der GFK-Schale und dem Hauptschott mindestens 3-4mm Platz, warum auch immer. Offenbar wurden beim Bau zunächst die Schotten reingestellt, und dann die Oberschale draufgestülpt. Wenn das womöglich vollflächig so ist, haben meine sechsfüßigen Belagerer mehr Platz zum Siedeln an unerreichbaren Stellen des Bootes, als sie je benötigen könnten. Mist aber auch :motz:Ich brauche dringend einen Ameisenbären…

Den Temperaturen geschuldet, ging es die letzten Paar Tage natürlich wieder mal nur langsam voran. Ich erspare uns jetzt die Aufzählung, wer die Woche über alles mal wieder nicht aufgetaucht ist, einfacher ist es wohl, über die tatsächlichen Fortschritte zu berichten.

Zum einen ist, wie oben bereits erwähnt, mein letztes verbliebenes Loch im Boden der Nacelle nunmehr Geschichte. Ich hatte erst überlegt, einfach einen 20mm Borddurchlaß einzubauen, aber eigentlich macht das keinen Sinn, solange ich nicht weiß, ob der überhaupt unter Wasser endet. Also habe ich stattdessen ein Stück massives 10mm GFK (übergeblieben vom alten Wassertankdeckel) zurechtgesägt, in der Mitte eine der Kielform entsprechende Wölbung reingefräst, das teure Coppercoat in dem Bereich wieder weggeflext und das Ding dann mit Solidbond #20 unterlaminiert.

Das ist jetzt nur geklebt und sieht zugegeben noch etwas unfertig aus. Nach dem Schleifen habe ich bloß keine Bilder mehr davon gemacht.

Diese Fläche ist jetzt plan und passend vorbereitet für einen der kleinen Intake-Strainer, die ich noch hatte und gleich mit entsprechenden Bohrungen versehen. Sollte ich jemals einen Rumpfdurchlass an der Stelle brauchen, ist das eine Sache von 20mm-Bohrer von oben, vier kleinen Schräubchen von unten und ein paar Sekunden Schwimmen ohne die Notwendigkeit, mit irgendwelchen Elektrogeräten von unten dran zu müssen.

Dicht ist es erwartungsgemäß. Nach dem leichten Landregen gestern Abend standen heute morgen knapp zwei Liter Wasser in der Nacelle, weil ich die unten abgebildeten Eckstücke erst gestern nachmittag einlaminiert hatte und deswegen den Deckel über Nacht nicht draufhatte.

Rohbau

Schätze, ich werde die Bilge wohl nochmal unterteilen und eine Automatik-Pumpe einbauen, nachdem der Bereich nochmal grundgeschliffen und  neu gepinselt wurde. (Gleich wenn meine weiße Bilgenfarbe ganz bestimmt nächsten Dienstag kommt.:wall: ) Allerdings bin ich das Überschwemmungs-Problem gestern auch noch von einer anderen Seite angegangen:

Das ist die Hinterseite des Ablaufs, in den der Cockpitboden entwässert. Wie man sieht, konnten bei größerem Wasseranfall jede Menge davon auf beiden Seiten direkt an den 2″ Entwässerungsrohren vorbei in die Bilge fließen. Nun nicht mehr. Nochmal schleifen und pinseln, feddich.
Noch ein Stück Tankdeckel der Wiederverwertung zugeführt 🙂

Zum Anderen ist der hintere Teil des Cockpitbodens, bislang tiefer als der Bereich vor dem Eingang, jetzt mit Delrinstreifen um 20mm höhergelegt. Fühlt sich auf jeden Fall angenehmer und fast „gerade“ an.

Und die bislang „fliegende Verdrahtung“ der Unterwasserleuchten wurde in eine etwas dauerhaftere Lösung gewandelt und ist  derweil immerhin schon bis zum vorderen Ende der Nacelle verlegt. Nun nur noch zwei 40er Löcher ins Instrumentenpanel und Cockpit gebohrt, und schon kann ich sowohl den Motorkabelbaum, als auch die sonstigen neuen Leitungen da hochverlegen und anschließen.

Macht auf jeden Fall schon einen ganz schön lichten Eindruck, wenn man so dahinter steht. :D Schaun mer mal, wie das im Wasser aussieht.

Essen war diese Woche dank der Temperaturen  Nebensache. Gestern Abend war mir allerdings nach einer Woche Yoghurt und Obst doch eher nach etwas Handfesterem, und es gab zur Abwechslung mal Currywurst mit Toast. Und da man auch sowas hier nur in mindestens 500g-Packungen kaufen kann, habe ich sie alle auf einmal gebraten und die zweite Hälfte gab es dann heute Mittag kalt aufs Brot. Auch nett.

„Biste richtig down Brauchste wat zu kaun ‚Ne Currywurst“

Ich hätte sie ja liebend gern gegrillt, und hatte extra Nachmittags meine neue 5Kg Gasflasche füllen lassen, aber mein Braai, den Andries vor Wochen irgendjemandem ausgehändigt hatte, der damit handelt und das Ding wieder in einen gebrauchsfähigen Zustand zurückrüsten soll, ist allen Beteuerungen zum Trotz  , ihn „auf jeden Fall bis Freitag Abend zurückzubringen„, natürlich immer noch nicht wieder da. Die gehen mir hier alle inzwischen doch tierisch auf den Sack …

So, Samstag Abend, 19h31: Seit einer Minute ist auch der Strom wieder da, der den größten Teil des Nachmittags über abgeschaltet war. War wohl mal wieder Loadshedding angesagt, in MeerEnSee. Habe ich schon erwähnt, daß ich heute Mittag angesichts der 42°C im Cockpit meine Klimaanlage (eigentlich) wieder in Betrieb genommen hatte? :motz:Wenigstens hatte es sich durch das Gewitter ab 17h hier drinnen sowieso schon auf nur noch 34° abgekühlt. Gaanz toll …