Diverse Desaster in Küche und Waschküche

Es ist Dienstag, 4h45. Vor eineinhalb Stunden wurde ich mit dem unbestimmten Gefühl wach, daß irgend etwas nicht stimmte…

In der Tat, es klang recht windig und etwas rappelte im Cockpit rum wie doof. Näheres Nachsehen ergab, daß das meine T-Shirts waren, die  ich nach dem gestrigen Waschtag zum Trocknen draußen gelassen hatte, weil sie bis Sonnenuntergang immer noch ziemlich feucht gewesen waren, und die sich nun dank des aufgekomenen Windes um die Reling wickelten, bzw. die auf den Bügeln unterm Sonnendach aufgehängten, die wild in der Gegend umher peitschten.

Zumindest die, die da tatsächlich noch hingen, was schon auf den ersten Blick definitiv nicht die Mehrheit derer waren, die ich am Vortag dahin drapiert hatte …

Also machte ich mich morgens um viertel nach drei im Schlafanzug auf, meine vom Winde verwehte Wäsche im Stockfinsteren wieder einzusameln. Bis auf zwei über Bord gegangene Shirts, lag der Großteil der runter gewehten immerhin im Cockpit rum und war einfach zu finden, die anderen beiden lagen zumindest nicht all zu weit entfernt vom Boot, weil die Bügel noch drinstaken. Mal sehen, ob ich den Waschgang dann morgen gleich nochmal wiederholen darf. Wenigstens hatte es ja noch nicht geregnet, was es heute aber spätestens ab 7h tun wird, wenn man Windy.ty glauben will.

Den gestrigen Montag hatte ich, wie schon das Wochenende, allein hier verbracht. Simon hilft derzeit den Eignern der „Bully“ beim Antifouling abschleifen und neupinseln, damit die (eigentlich) heute wieder ins Wasser kommen. Ob das bei den angesagten 45kts tatsächlich was wird, sei mal dahingestellt. Da sich Andries und Co. auch nicht blicken lassen hatten, war ich ein bischen einkaufen, um unter anderem ein paar Polycarbonat-Rohre und ein paar winzige Bohrer zu erstehen und habe meine im letzten Blog angesprochenen Tanksensor-Modifikationen zur Dämpfung der Anzeige bei umherschwappendem Wassertankinhalt durchgeführt.

Letztlich besteht die Dämpfung nun darin, daß unter jeder Tankabdeckung ein 250mm PC-Rohr luftdicht eingeklebt ist, das knapp 10mm unter dem oberen Rand eine 0.8mm-Bohrung zur Be-/Entlüftung erhalten hat. Nachdem der Kleber ausgehärtet war, habe ich versuchsweise die Zylinder mit Wasser gefüllt um rauszufinden,  ob es a) wirklich dicht ist und b) wie lange das zum rauslaufen braucht: Deutlich über 10 Minuten, bis das Rohr tatsächlich komplett leer ist. Nun ist Luft zwar ein bischen dünner als Wasser und wird wohl schneller durch diese Winz-Bohrung passen, aber trotzdem: Das sollte auf jeden Fall Dämpfung genug sein. Eigentlich warte ich nun nur täglich drauf, daß Saras Paket mit den Dichtungen für die Abläufe hier eintrudelt, um dann diese Abdeckungen endlich und endgültig einzubauen.

Sonntag war da dann noch die Sache mit dem Brot: Am Samstag abend war mein Abendessen, ohnehin schon geplanterdings auf zwei Scheiben Brot beschränkt,  bis dahin  unbemerkt aufgetretenem Grünspan sowohl auf den Graubrot-, als auch den Toastvorräten zum Opfer gefallen, und Paninis waren auch keine mehr da. Das hieß dann wohl: Hungrig ins Bett, und außerdem kein Toast/keine Brötchen zum sonntäglichen Frühstück. Mist aber auch.

Ich erinnerte mich an die im August mitgebrachten Backmischungen, die ursprünglich mal für „unterwegs“ gedacht gewesen waren (gibt es hier in der Form nicht) und von denen immer noch einige im Schrank lagen und eigentlich seit Januar „abgelaufen“ waren, kramte meinen Backautomaten hervor und programmierte ihn so, daß er pünktlich zum Frühstück ein frisches, noch dampfendes Wellness-Brot gebacken haben sollte.

Soweit, so gut. Ok, es war dann pünktlich fertig , hatte aber eher die Form eines dicken Kekses, als die eines Brotes. Essbar war es trotzdem, wenn auch etwas zäh, insofern war das Frühstück gerettet. Neugierig geworden, wieso das wohl so war, und angesichts der Tatsache, daß hier noch ein halbes Dutzend Äpfel rumlag, die allmählich mal weg mußten, beschloß ich, meinen ersten Kuchen zu backen. Eine der noch vorhandenen Backmischungen war ein „süßes Hefeteigbrot“, bei dem schon auf der Packung angegeben war, daß man damit genau so gut auch Blechkuchen machen könnte.

Also wieder den Automaten angeworfen, Milch, ein Ei und die Backmischung reingefüllt und Teig rühren lassen. Der zumindest sah soweit anständig aus, ließ sich einigermaßen widerstandslos aus der Rührform nehmen und ausrollen. Lt. Packung sollte man den 30-45 Minuten „abgedeckt im Warmen stehen lassen, bis sich das Volumen ungefähr verdoppelt hat„. Hatte es auch nach einer knappen Stunde noch nicht, also habe ich ihn ausgerollt, auf ein Backblech verteilt und mit meinen zerstückelten Äpfeln dekoriert und diese mit einer dünn ausgerollten Lage Teig abgedeckt.

Bis hierhin sieht er immerhin noch so aus, als wäre das so geplant.

Da sich die Anleitung ausschwieg, wie lange man so einen Blechkuchen denn wohl sinnigerweise backt, habe ich meinen Timer auf 45 Minuten gestellt, und das Ganze im Ofen schmurgeln lassen.

Im Nachhinein, hätten 38 Minuten vermutlich auch gereicht und  zumindest an der Unterseite für eine gesündere Farbe gesorgt 🙂

Am Volumen hat sich in dieser 3/4-Stunde Backzeit, abgesehen von einem ausgebildeten einsamen „Gnubbel“,  jedenfalls herzlich wenig geändert, nur die Konsistenz des ganzen Gebildes hat sich derweil von „teigig“ nach „ziemlich knusprig, irgendwie“ verschoben. Um es mal wohlwollend auszudrücken: Wenn ich den Teig statt mit Äpfeln mit einer Schicht „Frutti di mare“-TK-Mix belegt hätte, wäre das auf jeden Fall eine sehr anständige Pizza geworden.

Apfelkuchen Modell „Erebor“

Geschmeckt hat das Teil immerhin so ähnlich wie erwartet: Wie ein Apfelkuchen halt. Allerdings habe ich (nachdem ich beim Zerteilen per Messer auf heftigen Widerstand gestoßen war) mich darauf beschränkt, kleinere Stücke abzuschneiden und im Kaffee einzustippen. Noch einen abgebrochenen Zahn brauche ich derzeit nun wirklich nicht…

Resümee der ganzen Geschichte: Hefekulturen sterben im hiesigen Klima offenbar einen schnellen Tod, und zumindest was Backmischungen angeht, ist eine halbjährige Überschreitung des Mindesthaltbarkeitsdatums keine sonderlich gute Idee. Vier von den Dingern habe ich noch im Schrank, vielleicht hilft es der Sache, wenn ich beim nächsten Mal einfach zusätzlich ein Päckchen Trockenhefe mit einrühre…