Lockdown, Tag 191

Gestern war Tag der deutschen Einheit. Nicht, daß das hierzulande irgend jemanden großartig interessiert hätte, hier war das ein ganz normaler Samstag. Er fing sonnig an, und pünktlich dreißig Minuten nachdem ich meine Maschine voll Wäsche aufgehängt hatte, bewölkte es sich, und kurz darauf fing es an zu regnen. Bestimmt hört das auch irgendwann wieder auf, also habe ich sie einfach hängen gelassen. Aufgefallen ist mir der Feiertag eigentlich nur durch zwei Dinge: Zum Einen kam die Wochenendausgabe der Zeitung schon am Freitag, und ebenfalls gestern bekam ich Post von Dr. Martin Schäfer.

Den kennt Ihr nicht? Ich bis dato auch nicht, bevor ich hierher kam, aber der ist Botschafter der Bundesrepublik in Südafrika, und residiert in Pretoria. Und das, was da in meinem Posteingang gelandet war, nennt sich „Landsleutebrief“, kommt alle paar Monate per email und gelegentlich findet man sogar ein paar brauchbare Informationen darin, weswegen ich den vor Monaten mal abonniert hatte.

Die gestrige Ausgabe befaßte sich, naturgemäß, in erster Linie mit der Einheit und mit  Corona, den Folgen für die eh am Boden liegende südafrikanische Wirtschaft, noch drastisch verschärft durch den hiesigen Lockdown, und natürlich ließ es sich Dr. Schäfer nicht nehmen, auf die Analogie zwischen dem Ende der Apartheid hier, und der Wiedervereinigung dort vor jeweils 30 Jahren zu verweisen.

Selbstverständlich durfte auch ein wenig Selbstbeweihräucherung nicht fehlen, was Deutschland alles zur Unterstützung der südafrikanischen Bevölkerung getan hat, und damit kam der Teil, der mich ein wenig irritierte:

Nach einer Auflistung, was die Bundesrepublik in Verbindung mit deutschen Firmen und deren südafrikanischen Dependencen alles an Feldlazaretten, Schutzausrüstung und Testkits, Nahrungsmittelhilfe in den Cape Flats für Zehntausende Menschen, Kindergärten und Gemüsegärten in den Townships  finanziert habe, stand eine Zahl von 15Mio Euro unterm Strich. Hm …

Klingt beim ersten Hinsehen erstmal nach einer großzügigen Summe, aber angesichts der Tatsache, daß der Entwicklungshilfe-Etat der Bundesrepublik bei ungefähr 9Mrd Euro liegt und hier nicht nur die Bundesrepublik, sondern auch Großunternehmen wie Volkswagen, BMW und Siemens beteiligt waren, die ein direktes Interesse daran haben sollten, daß es den Leuten an ihrem Produktionsstandort gut geht, ist diese Zahl ein Witz. 15 Mio Euro ist sicher kaum die Hälfte von dem, als VW im Monat für Werbung ausgibt.

Also so richtig beeindruckend fand ich diese von Europas führender Industrienation ausgespuckte Summe daher nicht wirklich. Keine Ahnung, warum er sie überhaupt erwähnt  hat.

Aber egal, ist ja schön, daß überhaupt was passiert.

Angesichts der Wetterlage, meiner immer noch nicht so recht wiedergefundenen Bastel-Motivation und überhaupt, habe ich derzeit nicht wirklich Lust, jetzt in den letzten Tagen noch etwas neues anzufangen. Also habe ich die neuen Polycarbonat-Scheiben zwar bestellt, werde sie aber erst nach meiner Rückkehr einbauen, habe Bill in Knysna noch ein weiteres Mal angespitzt, auf daß er nun endlich mit ein paar brauchbaren Zahlen zu meinem Wassermacher rüberkommt, um den Kram vielleicht vor meiner Abreise bestellen zu können, auf daß es bei meiner Ankunft dann hier liegt, und verbringe meine Tage ansonsten mit Aufräumarbeiten, Kleinkram, und Netflix. Fühlt sich fast an wie Urlaub.

Das einzige tatsächlich neue Projekt, das diese Woche angefangen und auch weitgehend fertig wurde, sind Behelfs-Davits am Geräteträger. Am Träger sind oben zwei „Augen“ angeschweißt, bei denen mir nie so recht klar war, wofür die da sitzen.  Die einzige sinnvolle Begründung die mir dafür einfiel war, daß da früher schon mal je eine Umlenkrolle angeschlagen war, um das Beiboot aus dem Wasser lupfen zu können.  In dem Bereich, in dem das früher eventuell mal funktioniert haben mag, sitzt jetzt allerdings die Windfahnensteuerung, also mußte eine Verlängerung her.

Und da ich noch zwei Meter 50mm poliertes Edelstahlrohr von der Dodger-Aktion übrig hatte, habe ich das Jaques in die Hand gedrückt, ihm gesagt was er damit machen soll, und Donnerstag kamen sie mit dem Roh-Entwurf an, den ich dann Samstag montiert und mal mit ein paar provisorischen Leinen ausgerüstet habe, um die finalen neuen Anschlagpunkte festzulegen, die dann noch anzuschweißen sind.

Noch zwei weitere Rollen pro Seite, und dann kann ich das Dinghy simpel über Nacht aus dem Wasser heben, bedarfsweise sogar über die Genua-Winschen. Beim Segeln wird das vermutlich nicht wirklich toll funktionieren, ohne mit der Windfahne in Konflikt zu geraten, aber um das Beiboot „mal eben“ anzulupfen um Bewuchs und Diebstahlrisiko zu minimieren, wird es den Zweck wohl  erfüllen. Unterwegs auf langen Strecken, wird es ohnehin auf dem Vordeck gelagert.

Da ich die früher üblichen sonntäglichen Außer-Haus-Mahlzeiten eingestellt habe, wurde diese Woche sogar zweimal der Kochlöffel geschwungen: Dienstag gab es ein mild Durban Curry mit kleingewürfeltem, in Tempura paniertem und dann im Topf frittiertem Hühnerbrustfilet und Basmatireis,

und am Samstag zur Feier des Tages ein experimentelles Chili  mit Mett vom  Angus-Beef in Verbindung mit indischer Rogan Josh – Sauce und dazu italienische Porcini, Pilz-gefüllte Maultaschen. Paßte ganz gut zusammen 🙂

Fail der Woche:
Eigentlich wollte ich statt des Basmati-Reis ursprünglich Roti zu dem Curry machen, hatte mir auch welche mitgebracht. Was ich leider nicht gesehen hatte war der Umstand, daß die einzelnen Roti in der Packung durch hauchdünne transparente Plastikfolien von einander getrennt waren und ich beim Entnehmen des ersten prompt eine solche Folie auf der Unterseite mit erwischt hatte. Somit artete das Backen in der Pfanne zu einer ziemlich verqualmten Aktion aus, und die größere meiner beiden Pfannen hatte es hinter sich. Naja, war eh schon reichlich verzogen und eigentlich wollte ich sowieso immer viel lieber eine Guß-, als eine beschichtete Alu-Pfanne …

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