Lockdown, Tag 188

Hier ist man echt vor nix sicher: Am Samstag Nachmittag gab es, neben ein paar kleineren Beben in der Kap-Region, im Meer rund 1600Km südlich von Port Elizabeth ein Erdbeben der Stärke 6.2 in 10 Km Tiefe. Hier an Bord war davon nichts zu spüren, und da ich davon auch erst Sonntag morgen gelesen habe, ist ein eventuell aufgetretener Tsunami unbemerkt unter mir durchgelaufen. Kann dann aber so ganz hoch wohl auch nicht gewesen sein, falls es überhaupt einen gab.

Mittwoch nieselte es bei 22 Grad so leise vor sich hin,und eigentlich hatte ich nicht wirklich mit Besuch gerechnet, aber überraschend standen gegen 11h dann doch Jaques und sein Hiwi Sipho vor dem Boot und brachten nicht nur die Roh-Version meiner Behelfsdavits quasi „zur Anprobe“ mit, die sie aus dem übergebliebenen 50mm-Edelstahlrohr gebastelt hatten, das ich ihnen in der Vorwoche überreicht hatte, sondern hatten auch Werkzeug dabei, um nun endlich am Mast weiter zu arbeiten. Nach mehrfachem Rauf und Runter am Mast, hatten wir immerhin drei neue Fallen eingezogen und die Genua in den Furler eingefädelt, und auch  der Radarreflektor sitzt angenietet endlich da, wo  er hingehört.

Schade eigentlich, daß meine mitgebrachten CAT5-Stecker sich leider gar nicht mit dem im Mast eingezogenen CAT7-Kabel für die Kamera verbinden lassen wollten, weil sie sich als zu klein für die starren Adern erwiesen und CAT7 wohl tatsächlich andere Stecker hat, sonst wäre auch das heute fertig geworden. Irgendwas ist doch echt immer. Nun ja, immerhin sind die Stecker für WLan-Antenne und Radom fertig konfektioniert und angeschlossen, ist ja ein Anfang…

Tja. Segel sind dran, der Mastkram ist bis auf die Single-Line-Reefs und die Kamera fertig, alles wesentliche funktioniert und auch, wenn weder von Bill aus Knysna, dem Importeur für meine noch fehlenden Wassermacher-Teile, jemals eine Rückmeldung über die Lieferbarkeit und tatsächlichen Preise, geschweige denn die Teile selbst gekommen waren und auch der Generator zwar eingebaut, aber immer noch nicht fertig angeschlossen ist: Theoretisch wär‘ ich denn eigentlich soweit …

Egal jetzt, nun fliege ich erstmal für ein paar Wochen nach Hause. Diese ganze Sache hier hat sich jetzt über zwei Jahre hingezogen, da kommt es auf ein paar Wochen länger nun auch nicht mehr an.

In der Zwischenzeit habe ich übrigens auch Maizey’s mal wieder einen Besuch abgestattet, die mir damals die angeblichen Polycarbonatscheiben für meine Fenster geliefert hatten. Nach Vorlage der Fotos von den Rissen war die übereinstimmende Überzeugung der Verkaufsmannschaft:  Das, was ich hier jetzt sitzen habe, ist gar kein Polycarbonat, sondern vermutlich Plexiglas oder sowas. Nun sind die Fotos an einen Manager eine Etage höher gegangen, und ich warte ab, mit was sie wohl ankommen werden, um das Problem aus der Welt zu schaffen.

Für die unterdessen anderweitig als Alternative aufgetriebenen Makrolon AR2-Scheiben habe ich heute ebenfalls einen Preis zugemailt bekommen: 11.500R für vier Stücke in 100x40cm anstatt der jetzt vorhandenen zweimal 200x40cm.8-O

Nicht, daß ich irgendwie knauserig wäre, aber das ist ungefähr 50% teurer als der damalige Gesamtpreis für alle 12 Scheiben zusammen, und umgerechnet 575€ für etwas über anderthalb Quadratmeter 9mm dickes Plastik deucht mir denn doch ein ganz klein wenig übertrieben. Zumal mir niemand in dem Laden zusichern konnte oder wollte, daß die „Kratzfest-Beschichtung“ der Scheiben das Biegen und Anpassen an die leicht gewölbte Form der Front überhaupt überleben wird, ohne zu reissen.

Risse in den 4 Jahre alten Scheiben

Donnerstag: Gerade rief mich Piet, besagter Maizey-Manager zurück, um der Sache auf den Grund zu gehen. Auch nach seiner Einschätzung ist das, was hier meine Bootsfront wasserdicht machen soll, kein Polycarbonat. Auf seine Bitte hin, habe ich eine Ecke von der Scheibe abgesägt und werde ihm die zuschicken, damit sie ein paar Tests machen können. Mal sehen, was davon nun wohl werden mag.

Detail am Rande: Auch auf diesem abgesägten Stück war der aufgebrachte Primer komplett abgelöst. So allmählich beschleicht mich der Verdacht, daß Morgans Leute damals, abgesehen davon, daß sie die Schrauben zu fest angezogen haben, was diese Risse durch die Punktbelastung überhaupt erst verursacht, den Rest des mir vom Shop fälschlich gelieferten Primers verwendet haben, der hier noch rumstand. Genau so, sah das nämlich auch bei den Scheiben aus, die Andi und ich damals damit behandelt hatten …

Muster für’s Labor

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