Löcher

Simon hatte wohl Recht:  Der Winter scheint vorbei. Es wird täglich ein bischen wärmer hier. Heute waren im Cockpit immerhin schon mal wieder 32°C und die Nachttemperaturen halten sich derweil oberhalb der 15°C-Marke. Geregnet hat es eigentlich in den letzten Wochen nur einen Tag lang, da dafür dann aber auch richtig. Ganz angenehm somit.

Arbeitsmäßig schleppt es sich hier im gewohntem Trott dahin: Die Schweißer haben den Rahmen der Badeplattform inzwischen soweit zusammengeschweißt, geschliffen und poliert und waren heute fast den gesamten Tag damit beschäftigt, mit einer Standbohrmaschine jede Menge 6mm-Löcher in den Flachstahl zu bohren, um dann später das GFK-Teil auch irgendwie befestigen zu können. Zähes Zeug, das.

Bis 14h hatten sie ihren mitgebrachten Vorrat an 10 HSS-Bohrern aufgebraucht und zogen von dannen. Hayden hatte zwar Montag alles zum Laminieren der Plattform vorbereitet, seit drei Tagen hat sich  aber irgendwie nix mehr getan. Heute hieß es, er wolle erst abwarten, bis der Rahmen nun endgültig fertig und montiert sei. Da stell ich mir doch die Frage, wofür er überhaupt erst eine Schablone aus Pappe gebaut hat…

Nachdem Simon nun zwei Tage lang an dem Edelstahl-Anker rum geschliffen hatte, sieht das Ding inzwischen einigermaßen präsentabel aus. Eigentlich viel zu schade, um ihn im Ankerkasten zu verstecken, also werde ich ihn wohl erstmal anbauen, sobald ich einen passenden Wirbel dafür gefunden habe.

Nächste Baustelle ist dann der Umbau des Bugbeschlags für den Jambo-Anker, der eigentlich mein Hauptanker werden sollte, und der zumindest in den derzeitigen Beschlag nicht vernünftig passt, dafür aber wenigstens an den vorhandenen Schäkel.

Immerhin sind inzwischen auch die beiden Solarpanels auf den Ankerkastendeckeln installiert, und laden bestimmungsgemäß die Ankerwinden-Batterie. Und da sich meine Ankerkästen an der richtigen Stelle als hinreichend tief erwiesen haben, werde ich wohl bei Gelegenheit nochmal 30 oder 40 Meter Ankerkette kaufen, und damit die mitgebrachte Kette verlängern lassen.

Das sind jetzt 50m verzinkte 8mm-Kette. Kann sicher nicht schaden, da noch etwas Reserve zu haben. Platz ist ja noch …

Heute habe ich wieder einmal ein bischen an Deck mit Harz rumgepanscht: Über der Pantry saß bislang ein antiker Doradelüfter aus Kunststoff, der seine besten Tage definitiv hinter sich hatte. Labberig, verpäkt und zu allem Überfluß gar nicht verschließbar.Da saß zwar eine entsprechende Hutze drauf, der eigentliche Dorade-Kasten fehlte aber und es war einfach nur ein Loch in der Decke. Jedesmal, wenn es hier geregnet hatte, mußte ich das Ding entsprechend umdrehen, damit der Wind nicht den Regen reinpeitscht und die Pantry überschwemmt.

Doradelüfter ohne Doradekasten. Irgendwie sinnlos. Das graue Ding ist der neue Lüfter

Und unterwegs? Eine heftige Welle von der falschen Seite mit Wasser über Deck, und es hätte einen armdicken Wasserstrahl durch diese Öffnung in die Küche geschüppt. Das Ding sollte weg, und stattdessen einer der vier Deckslüfter installiert werden, die Morgan damals zusammen mit den Luken geordert hatte.

Also habe ich das vorhandene Teil gestern abgebaut und – Überraschung! Selbstverständlich war die Öffnung im Deck nicht um die 75mm, wie von unten zu sehen, sondern über 90mm, so daß das Innenteil meines schicken neuen Deckslüfters wohl leider direkt durchgefallen wäre. Wie das bei Booten so ist: Man fängt eine Baustelle an, und findet dabei zwei neue…

Also terbelte ich erneut zu Hayden, um ein weiteres Reststück plattes GFK abzugreifen, kramte den Zirkelbohrer hervor, den ich mal für den Einbau der Außenlautsprecher gekauft hatte, und versuchte, aus einen ansatzweise quadratischen Stück GFK-Platte einen Donut im Durchmesser der alten Dorade-Kappe zu machen.

Bei Holz mag das brauchbar funktionieren, bei GFK eher nicht, jedenfalls nicht frei Hand. Aber immerhin hatte ich so einen Kreis in die Oberfläche gefräst, an dem ich dann mit der Stichsäge entlang stichsägen konnte. Das Mittelloch hat mit 75mm den selben Durchmesser, wie auch der Drehzahlmesser des Volvo, für den ich auch noch eine neue Aufnahme basteln muß, und außerdem liegen hier ja noch drei weitere Deckslüfter rum, die dann wohl auch ein Loch durchs Deck brauchen, also war ich spontan beim BoltCenter, habe 20€ in eine 76mm Lochsäge investiert, und ein paar Minuten nach meiner Rückkehr hatte ich eine perfekte Bohrung für den Innenteil.

Das ganze noch ein wenig angeschliffen, großzügig mit Aceton abgewischt und dann mit angedicktem Harz aufs Deck geklebt.

Der Rand wird nach dem Aushärten noch einmal angeschliffen, dann kommt Farbe drauf, der Lüfter mit vier Schrauben und schon ist das 20-Minuten-Projekt beendet …

In derselben Metro-Kiste, aus der ich den Deckslüfter gefischt hatte, lagen übrigens auch meine LED-Navigationslampen, also werde ich mich morgen wohl mal daran machen, die alten, inzwischen ziemlich durch UV zerbröselten und blinden abzubauen und die neuen zu installieren. Rein theoretisch sind das lediglich 3 Schrauben und zwei Drähte pro Lampe …

Was war sonst noch? Tja, ich habe das Wetter genutzt und zwei Maschinen Wäsche gewaschen, womit mein Vorrat an sauberen Shirts und Slips wieder auf Sollstärke wäre, habe erfolgreich ein Sonnenblumenkern/Leinsamen/Sesam/Walnuß-Vollkornbrot gebacken (meine vorletzte abgelaufene Backmischung mit etwas Beiwerk und wieder mit Extra-Hefe. Wenn die letzte verbraten ist, werde ich wohl zusätzlich zu meinem vorhandenen Weizen- noch ein bischen Roggenmehl kaufen und probieren, ob das dann genauso gut funktioniert. Trockensauer habe ich hier zwar noch nirgends gesehen, aber angeblich kann man stattdessen ja auch Essig nehmen), und heute gab es den Rest meiner Straußensteakwürfel aus dem Wok, zusammen mit Yasminreis, Brokkoli+Blumenkohl, Möhren, Bohnen und einer Banane. Das ganze „irgendwie asiatisch“ abgeschmeckt. Keine Bilder davon 🙂