Sieg der Vernunft

Oder auch „Head over Heart“

Ihr habt nicht ernsthaft angenommen, daß ich das Thema „Hund an Bord“ wirklich an einem Nachmittag abgehakt hatte, oder doch? Nein, hab ich nicht. Die Sache hat mich vier Tage lang ziemlich intensiv beschäftigt, auch wenn eigentlich schon am ersten Abend alle Vernunftgründe dagegen sprachen. Der offensichtlichste, wenn auch unwichtigste, ist oben abgebildet und steht ungefähr 30m von meinem Boot entfernt.

Jeder der mich etwas näher kennt weiß, daß mich das nicht ernsthaft davon abgehalten hätte, mir einen Hund zuzulegen. Zum einen konnte mir hier bisher eh niemand erklären, warum das Verbot überhaupt erlassen wurde, zum anderen stromern Kirstens zwei Terrier hier auch des öfteren rum, ohne daß irgendwer Randale schlägt, also insofern fällt das Schild klar in die Kategorie „Man muß auch mal ignorieren können“.

Aber nachdem ich die Züchterin kontaktiert hatte, um mich zu versichern, daß der Kurze überhaupt noch da ist, mir einen passenden Flug rausgesucht (man kann tatsächlich in etwas über 2:15 Stunden von Durban nach Kapstadt fliegen. Kostet hin und zurück nichtmal 90€) und schon fast ein Relingnetz bestellt hatte, um ein Überbordgehen des künftigen Mitbewohners zu verhindern, habe ich mich nochmal vors Internet gesetzt, mir erneut und diesmal gezielt die Reiseinfos zu den Staaten auf meiner geplanten Route vorgenommen und mußte ernüchtert zur Kenntnis nehmen, daß fast im gesamten Südpazifik und indischen Ozean so gut wie jeder Inselstaat und auch Neuseeland und Australien das Mitbringen von Haustieren incl. Hunden entweder komplett verbietet, oder völlig absurd anmutende Quarantänevorschriften hat.

Gut, um NZ und AUS hätte ich notfalls einen großen Bogen machen können, aber würde ich mir meine Traumziele wirklich entspannt ansehen und geniessen können in dem Bewußtsein, daß mein Hund solange in einer Kiste beim Zoll eingesperrt wird? Eher nicht.

Also wird es an Bord von Thelxinoe wohl keinen Hund geben, so schwer mir diese Entscheidung auch gefallen ist. Thema durch. Nun aber wirklich 🙂

Samstag morgen stand Simon vor der Tür, nur um mir mitzuteilen, daß er nicht käme. Aha. Naja, war mir auch recht. Ich habe mich dann endlich mal aufgerafft, und das Ankerwinsch-Modul eingebaut und endverkabelt und mittlerweile ist auch die Kette aus dem Auto geholt, eingefädelt und an Bord gewinscht. Das spontane symbolische Anschäkeln des Ankers scheiterte dann daran, daß  ich meinen Ankerwirbel nicht wiederfinden konnte. Naja, ist ja noch etwas Zeit. Momentan bewegt sich Thelxinoe ohnehin nicht nennenswert vom Fleck…

Bei der Gelegenheit sprang mir dann auch der Reserveanker wieder ins Auge, den Simon neulich schon mal grundgereinigt und (von Hand) poliert hatte, nachdem sich nach dem Reinigen rausgestellt hatte, daß das Ding wohl tatsächlich aus Edelstahl ist. Das war allerdings schon  vor unserer „Elektro-Politur-Schulung“ gewesen, insofern sah das Teil zwar deutlich besser aus als vorher, aber noch nicht wirklich so, wie man sich einen Edelstahlanker vorstellt.

Nach der ersten Reinigung

Daß sich Barnacles (Seepocken) dermaßen in einem Edelstahlanker festbeißen und derartige Spuren hinterlassen, war mir bislang auch neu. Ich hatte die zwar auch schon mal auf dem Propeller früherer Boote gehabt,  aber soo hartnäckig hatte ich sie nun doch nicht in Erinnerung.

Also habe ich mir Flex, Fächerscheiben und Politurklotz geschnappt, und Sonntag morgen mal zwei Stunden auf eine Fluke verwendet, bevor ich Mittags mit Peter zum Thai in TuziGazi essen gegangen bin und den Nachmittag bei Cappucinos mit ihm an Bord verquatscht habe:

Die erste Fluke nach dem Schleifen und Polieren.

Allein Simons ungläubiger Gesichtsausdruck heute morgen, als er den Anker auf dem Cockpittisch liegen sah, hat mich für diesen Zeitaufwand und die im Cockpit veranstaltete Sauerei mehr als entschädigt 🙂

Anschließend habe ich ihm Anker, Flex und Politurkram in die Hand gedrückt, gesagt „so muß der Rest auch aussehen“ und ihn damit für den Rest des Tages hinters Boot geschickt. Offenbar hatte ich bei besagter Schulungseinheit aber wohl doch besser aufgepaßt oder meine Motivation war schlicht größer, jedenfalls war sein Ergebnis heute nach 7 Stunden schleifen und polieren noch weit vom vorherigen Bild entfernt und nicht sonderlich überzeugend. Das üben wir morgen nochmal…

Ich war dann derweil heute morgen mal bei Hayden, um mich nach dem Stand der Dinge zu erkundigen. Sein HiWi war gerade damit beschäftigt, den Tisch mit der Laminier-Grundlage zu reinigen, auf dem das GFK-Teil dann entstehen soll.

Arbeitstisch zum laminieren

Das weiße, das hier auf dem Tisch liegt, ist ein „Template“ aus fester Pappe, eine Schablone für das zu bauende  GFK-Teil, das dann anschließend in den Edelstahlrahmen der Badeplattform eingesetzt wird.

Vorlage, Harz, Härter, Matten: Soweit ist immerhin schon mal alles vorbereitet…
Die Form (schwarz) und das damit hergestellte Laminat (weiß) für die Antislip-Auflage der Plattform
Diamond-Shape Riffelmuster als Oberfläche gegen afglitschen. Da muß dann auch kein Sand mehr drauf 🙂

Immerhin: Sichtbarer Fortschritt innerhalb eines Arbeitstages. Ist doch mal was…

Heute nachmittag fing Hein dann an, die Schweißnähte der Badeplattform zu schleifen und teilweise schon zu polieren. Auch das sieht inzwischen zum Teil schon recht anständig aus:

Wenn die in dem Tempo weitermachen stehen die Chancen nicht schlecht, daß ich meine ausgelobte Palette Castle Lager tatsächlich loswerde :mrgreen: