Neuer Tag, neues Loch

Während Simon heute das Deck weiterschliff (ja tatsächlich, der hat sich gestern freiwillig gemeldet, er käme heute, am Samstag, auch zur Arbeit, falls ich das wollte) habe ich angefangen, mich mit der vorletzten der insgesamt sieben Decksluken zu befassen. Wie neulich schon erwähnt, sitzen die letzten beiden zu erneuernden Luken über den Vorderkabinen und da Morgan entgegen meinem Wunsch Luken bestellt hatte, die ungefähr eineinhalb mal so groß sind wie die original verbauten, muß ich mich nun damit rumschlagen, einen halbwegs planen Einbauort zu finden.So wirklich groß ist die Auswahl nicht, da auf der einen Seite diese kleine Haltegriff-Reling im Weg sitzt, und auf der anderen die Deckserhöhung. Wie auch immer das Ding plaziert wird, es sieht auf jeden Fall bescheuert aus. Ich könnte den Kerl echt erwürgen! Das wäre alles nicht nötig, wenn er einfach das bestellt hätte, was ich haben wollte…

Der einzige Platz, wo der Flansch überhaupt halbwegs hinpaßt.

Nachdem ich die alte Luke ausgebaut und den alten Flansch rausgeflext hatte, konnte ich erstmals den neuen Flansch aufs Deck legen und stellte mit wachsender Begeisterung fest, daß das Deck in dem einzigen in Frage kommenden Bereich eine derartige Wölbung hat, daß der Flansch unweigerlich mit einer Ecke fast 2cm in der Luft hängt, wenn die andere Seite flach aufliegt.

Auf diesem Boot gibt es nicht nur keine rechten Winkel, sondern auch so gut wie keine planen Flächen

Da der Flansch sinnvollerweise an der Oberseite plan sein muß, wenn diese Luke jemals dicht werden soll, heißt das im Klartext: Ich muß diagonal an zwei Ecken jeweils ungefähr einen cm unterfüttern oder alternativ auf den anderen beiden Ecken was abtragen.

Nachdem ich mit letzterem angefangen und die GFK-Deckschickt soweit abgefräst hatte, daß ich schon den Holzkern durchschimmern sah, waren es immer noch 1.5cm, die es auszugleichen galt. Ein paar wenige Milimeter konnte ich noch gewinnen, indem ich den Flansch selbst an der Unterseite ebenfalls mit Flex und Fächerscheibe noch ein wenig an die Deckswölbung anpaßte, aber das war naturgemäß marginal, da sie die ganzen Flansche aus unerfindlichen Gründen nicht massiv, sondern um einen Hartschaumkern laminiert hatten und der Spielraum somit arg begrenzt war. Um diesen Flansch überhaupt an Deck fest zu kriegen, hatten Morgans Jungs bei den beiden hinteren Luken ein extrem „dickes“ Harz verwendet, das vermutlich nicht umsonst „Solid Bond“ heißt und von der Konsistenz und der Farbe her problemlos als Kokos- bzw. Wälzlagerfett durchgehen würde, wäre es nicht so klebrig. Hatte ich mir ebenfalls besorgt, und habe im Verlauf der Aktion nun fast einen Drittelliter von der Pampe verballert. Immerhin: Der Flansch sitzt spielfrei drauf und ist oben plan, ich habe hoffentlich alle Stellen unten drunter erwischt und wenn das mal irgendwann durchgehärtet ist, geht es weiter.

Tja. Stand der Dinge. Kann nicht behaupten, daß mich das wirklich überzeugt.

Falls sich irgendwer die Frage stellt, warum ich die Luke nicht einfach um 90° verdreht eingebaut habe, so wie im Bad, damit es nicht gar so bräsig aussieht: In dem Fall hätte ich hier durch die Deckswölbung von vorn nach hinten schon fast 5cm ausgleichen müssen. Das war mir denn doch ein bischen zu heftig, um es einfach „zuzuspachteln“. Die Alternative wäre noch gewesen, den Flansch zur Hälfte im Deck zu versenken, so wie bei den Dachluken auf dem Kat nebenan. Das sieht auch da allerdings dermaßen beknackt aus, daß ich keinen zweiten Gedanken dran verschwendet habe.

Als nächstes gilt es, vermittels des neulich erstandenen Hohlkehlenspezialwerkzeugs ringsum eine schicke konkave Außenkante zu modellieren, bevor das ganze Konstrukt dann mit zwei Lagen Glasfasermatte stabilisiert wird. Da mir die Aktion mit den hinteren Luken noch in lebhafter Erinnerung ist, als Morgans Jungs nach neun Tagen feststellten, daß die Luke gar nicht in den Ausschnitt paßte und daraufhin dem mühsam angespachtelten, laminierten und geschliffenen Flansch nochmal mit der Schruppscheibe zu Leibe rückten, war ich schlau genug, das mit der neuen Luke mal zu testen, bevor ich irgendwas festklebe. Wie sich rausstellte, paßte die Luke noch nicht mal in den unbehandelten Flansch, geschweige denn später mit noch zwei zusätzlichen Lagen Glasfasermatte auf jeder Seite! Keine Ahnung, warum sie die Dinger nicht wenigstens groß genug gemacht haben, wo sie sie nun schonmal speziell für diese Luken angefertigt haben. Um ein ähnliches Fiasko zu vermeiden,  setzte ich die Flex also schon vor dem verkleben an und vergrößerte den Ausschnitt entsprechend.

Das mit der „staubdichten Abklebung“ hat diesmal übrigens nur sehr eingeschränkt funktioniert. Der ganze Kahn sieht innen aus, als sei ein Mehlsack explodiert, nachdem sich meine mühsam lückenlos unter der auszuschneidenden Öffnung verklebte Folie doch noch irgendwann unbemerkt an einer Stelle gelöst hatte, bei jedem Windstoß rumflappte und den ganzen draufgefallenen Schleifstaub fröhlich in den Innenraum pumpte. Habe ich natürlich erst irgendwann später bemerkt, als ich wieder drinnen war. Das wird morgen wohl ein etwas längerer Staubsauger- und Putztucheinsatz werden. Mist aber auch 🙁

Als ich dann irgendwann im Lauf des Nachmittags mal wieder meine Kanister mit Wasser füllte, wollte ich eigentlich auch den Steuerbord-Tank füllen, um ihn nochmal durchzuspülen, die letzten Reste der drin rumschwimmenden Verschlammung rauszusaugen und dann irgendwann nächste Woche wieder in Betrieb zu nehmen, sobald ich den Boiler und den Rest der Druckwasseranlage angeschlossen hätte. Bei der Gelegenheit stellte ich dann fest, daß dieser Tank das gleiche Problem hat wieder im anderen Rumpf: Einen Riß auf halber Höhe in der hinteren Wand. Genau so undicht, nur etwas schlechter zu sehen. Nuja. „Food-grade epoxy“ habe ich seit gestern ohnehin hier rumstehen, und ob ich nun einen oder zwei Tanks repariere, ist letztlich auch egal. Wie schon gesagt: To-do-Listen auf Booten werden eigentlich nie wirklich kürzer …