Up!

Letzte Woche war ich mit  meiner Geduld dann doch am Ende. Seit über einem Jahr bin ich jetzt hinter Jaques hergerannt, der es entgegen allen Absprachen bis heute nicht auf die Reihe gekriegt hat, die ganzen Kabel im und am Mast zu verdrahten. Nachdem er mich am Montag und Dienstag bei perfektem Mastkletter-Wetter erneut hängen lassen hat, habe ich Mittwoch meinen eigenen Bosun’s Chair hervorgekramt und zuerst Lou bis auf halbe Höhe gewincht, um endlich das Netzwerkkabel für die Mastkamera zu vercrimpen,

und nachdem die an dem störrischen CAT7-Kabel aufgegeben hatte, haben wir die Rollen getauscht und ich habe erstmals selbst den Mast erklommen, um mal alles zu checken und außerdem die beiden im Mai, beim Versuch das Dinghy an Bord zu kranen, im Block verklemmten Leinen irgendwie wieder gangbar zu machen. Es endete damit, daß ich den Block schließlich durch einen neuen ersetzt habe.

völlig vergnurpster Lewmar-Block

Weiß eigentlich gar nicht, warum ich diese Kletterei so lange rausgezögert habe. Im Grunde genommen waren wir beide überrascht, daß es viel einfacher war als gedacht. Allerdings hat mir die etwas verkrampfte Steherei auf den Maststufen den übelsten Muskelkater in den Waden seit Jahrzehnten beschert.

Seit vorletzer Woche sind wir nun übrigens tatsächlich Auto-los. Nachdem der Sharan in den Wochen zuvor immer mal wieder den Dienst verweigert hatte, erwies sich mein Relais-Reparaturversuch als erfolgreich, und seither sprang er auch prompt wieder so an, wie man das erwarten würde. Trotzdem, dieses Mobil war irgendwie sowas wie ein psychologischer Bremsklotz bei unserem Bemühen, hier endlich weg zu kommen. War halt sehr bequem, immer ein Auto zur Verfügung zu haben.

Lange war ich unschlüssig gewesen, was ich mit der Kiste anfangen soll, wenn wir hier mal irgendwann tatsächlich die Leinen loswerfen. Schenke ich ihn dem Club als Transportmittel für durchreisende Cruiser, gebe ich ihn Lou’s Bruder, verschrotte ich ihn oder versuche ich ihn einfach zu verkaufen? Letzten Endes haben sich dann wohl die immer noch latent schlummernden Autoverkäufergene durchgesetzt, und ich habe eine Anzeige beim hiesigen Kleinanzeigenportal geschaltet.

Ein paar Tage später war er tatsächlich verkauft. Der Käufer hat sich gefreut wie ein Schneekönig, weil er so billig war, und ich hab mich gefreut, weil ich immer noch mehr dafür wiedergekriegt habe, als er mich vor fast 5 Jahren gekostet hat. :-)

Wir hatten vorher noch Thelxinoe’s Dieseltanks und alle Kanister gefüllt, die Vorräte nochmal aufgestockt, und nun bin ich das erste Mal seit über 40 Jahren ohne eigenes Auto. Ganz neue Erfahrung :-)

Fail der Woche:

Das ist die Leitung vom Öleinfüllstutzen zur Ölwanne. Ich hatte mich nach unserem Ausflug durch den Hafen neulich gewundert, wieso auf einmal Öl in der Nacelle-Bilge rumschwappte. Nicht viel, aber doch zu viel für meinen Geschmack. So richtig zu sehen war nicht, wo genau das herkam, und Lou versteifte sich auf die Aussage, das sei bestimmt beim Nachfüllen übergeschwappt, also habe  ich die Bilge geschruppt und halbherzig für ein paar Tage gehofft, daß dem tatsächlich so sei. 

War es nicht. Nachdem wir eine weitere Testfahrt gemacht hatten, sah es wieder genau so aus, und nachdem ich mal an allen Schläuchen gejackelt hatte, hatte ich diesen hier halb in der Hand, weil irgend ein Grobmotoriker (ja, genau der, der Euch gerade einfällt) die untere Schelle so heftig angeknallt hatte, daß der Schlauch zerquetscht wurde. Ein zaghafter Versuch, das Problem mit einem Originalteil zu lösen scheiterte daran, daß letzteres erst aus Schweden bestellt werden müßte, also sitzt jetzt stattdessen ein normaler 15mm Kraftstoffschlauch dran. Wird den Zweck wohl auch erfüllen …

Und dann  war da noch …

…. der Autopilot, der mich fast in den Wahnsinn trieb. Ich bin ja eigentlich Garmin-Fan. Fast alle Geräte an Bord sind von Garmin, und im Großen und Ganzen bin ich mit den Dingern soweit zufrieden. Nur der „Reactor“-Autopilot zickt rum und verweigert standhaft die Mitarbeit. Tagelang hatte ich versucht, die obligatorische Dockside-Kalibrierung auszuführen, bei der dem Autopiloten beigebracht wird, wo bzw. in welcher Position nun das Ruder gerade steht. Allerdings war jedes Mal nach der Kalibrierung die angezeigte Ruderposition um eine dreiviertel Radumdrehung „aus der Spur“.

Ursprünglich hatte ich einen NMEA2000 Ruderlagesensor eingebaut, den mir Booteforums-Kollege Sigi gebaut hatte. Mit zwei Hallgebern für zwei Ruder (bzw. ein Ruder und den Z-Antrieb) wäre das eigentlich die ideale Konfiguration gewesen, allerdings mußte ich bei meinen  Versuchen zur Kenntnis nehmen, daß die Garmin-Geräte a) gar nicht Instanzen-fähig sind (jedenfalls nicht beim Ruderlagegeber), und sowohl das Multi-Instrument GMI20 als auch die Chartplotter nur einen sinnlosen Mix aus beiden Geberdaten anzeigen,  und b) das Autopilot-Steuergerät auf einem separat anzuschließenden Geber beharrt und mit NMEA2000-Gebern gar nichts anfangen kann. Wie blöd ist das denn?

Nachdem ich als nächstes mit einem KUS Ruderlagegeber rumexperimentiert hatte und mein Steuerrad jedesmal nach der Kalibrierung immer noch um eine dreiviertel Umdrehung aus der Kehr stand, während der Autopilot anzeigte daß die Ruder geradeaus stünden, ergab ein erneuter Blick in die Anleitung, daß da tatsächlich in einem Nebensatz steht, „funktioniert nur mit 3-Draht-Gebern nach dem Potentiometer-Prinzip, nicht mit Hallgebern„. Die KUS-Geber arbeiten zwar mit Potis, haben aber nur zwei Anschlüsse statt der geforderten drei. Mist! So kann man seine eigenen Produkte natürlich auch pushen. :-/

Also habe ich Donnerstag in den sauren Apfel gebissen, und im Shop einen originalen Garmin GRF10 Geber für schlapp den 9-fachen Preis des KUS-Gebers geordert. Angeblich ist er lieferbar ab Jo’burg und soll am Dienstag hier aufschlagen. Wehe, das funktioniert dann immer noch nicht brauchbar …

Ansonsten wären wir denn eigentlich soweit.  Die Vorräte sind aufgefüllt, die Tanks voll, vorletzte Woche habe ich einen neuen Satz Sicherheits-Ausrüstung wie Feuerlöscher und Signalmittel geordert, und sobald sich ein passendes Wetterfenster ergibt, wollen wir uns auf den Weg nach Südwesten machen. Es sei denn natürlich, die Omicron – Lage eskaliert noch weiter und der (immer noch nicht aufgehobene) Lockdown wird erneut verschärft. We will see …

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