Erste Woche an Bord

Richards Bay, 05.07.2015

Fünf Tage sind vergangen, seit ich von der Imvubu Lodge umgezogen bin in die Thelxinoe. Zwischenzeitlich habe ich die Ein- und Ausrüstung um diverse Gegenstände des täglichen Lebens ergänzt, einige nette Clubmitglieder des Zululand Yacht Clubs kennengelernt und mich einigermaßen an Bord eingelebt. Abgesehen davon, daß die Toilette natürlich nicht benutzbar ist weil das Boot nach wie vor an Land steht,  und ich den Kühlschrank nach der ersten Testnacht wieder abgestellt habe, weil er permanent 10A aus meinen Batterien saugt, ohne wenigstens für adäquate Temperatur zu sorgen, habe ich hier inzwischen fast genau soviel Komfort wie im Chalet der Lodge.  So wollte ich das haben :-)

Die Wassertanks habe ich unterdessen an der vermuteten Stelle in den beiden Kielen gefunden und einer ersten Inspektion unterzogen, soweit das durch den minimalistischen Zugang möglich war,  mich dann aber entschlossen, für den Moment lieber erstmal den an Bord befindlichen 20l-Wasserkanister zu reinigen und an die Fußpumpe in der Pantry anzuschließen.  Für den Geschirrabwasch ausreichend, mein Trinkwasser für Kaffee, Cappucino & Tee und zum Zähneputzen kaufe ich lieber in 5l-Flaschen im Supermarkt, statt Diarrhöe zu riskieren. Irgendwann wird noch ein Watermaker eingebaut, dann werden auch die beiden eingebauten 300L-Tanks wieder reaktiviert.

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Pantry

Der eingebauten Gas-Anlage (an der Herd/Ofen und Kühlschrank hängen) traue ich auch noch nicht über den Weg, die soll sich erstmal jemand ansehen, der sich mit sowas auskennt. Da, wie nicht anders zu erwarten gewesen war, natürlich an Tag 3 meines Bordlebens die einzige vorhandene Kartusche des von Clubkamerad Kirsten zur Verfügung gestellten Camping-Kochers verbraucht und in ganz Richards Bay kein Nachschub mehr aufzutreiben ist, ich dafür aber dank freundlicher Unterstützung von Hafenmeister Jannie nunmehr immerhin Strom aus dem Landanschluß habe, sah ich mich genötigt, die Bordausstattung um einen elektrischen Wasserkocher und einen Toaster zu erweitern, um wenigstens den Kaffeenotstand zu verhindern und das hier käufliche Weißbrot vom pappigen in einen eßbaren Zustand zu versetzen.

Den Mittwoch verbringe ich zum guten Teil damit, die vortags angelieferten Batterien einzubauen und zu verkabeln. Entgegen aller Befürchtungen ist die an Bord befindliche Elektro-Anlage ganz offensichtlich von jemandem konzipiert und eingebaut worden, der wußte was er tat. Ich hatte da, ehrlich gesagt, so meine Zweifel gehabt und bin echt positiv überrascht. Wenn die sauber auf Hutschienen verdrahteten und mit Automaten abgesicherten Kabel nun nicht nur nummeriert, sondern aussagekräftig beschriftet worden wären, wär’s fast perfekt. Aber vielleicht kann ich ja irgendwo noch ein Manual ergattern, in dem die Zuordnung aufgedröselt wird. Ansonsten wird halt mal ein Tag für die Kabelverfolgung mit dem Multimeter verwurstet werden müssen, wenn ich das nächste Mal wiederkomme.

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Sogar der eingebaute rudimentäre Batteriemonitor funktioniert, nachdem ich den zugehörigen Shunt neu verdrahtet habe und zeigt mir an, daß die beiden Solarpanels auf dem Geräteträger wohl das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben (oder schlicht nix taugen). Auch nach einer Intensiv-Reinigung geben sie bei wolkenlosem Himmel nie mehr als 2.5A her, woran auch der Tausch des vorhandenen Reglers gegen meinen mitgebrachten Victron 30A MPPT-Reglers nichts ändert und was mir bei einer Panel-Fläche von 2.40m x 0.6m doch etwas arg wenig vorkommt. Aber nun ja; neue Panels sollten eh bestellt werden und für die paar Tage jetzt wird’s auch so gehen.

Der Windgenerator sah ja auf den zugesandten Bildern schon arg zerrupft aus, weswegen ich zwar einen Satz neue Blätter und eine neue Nabe samt Nase mit eingeflogen hatte; trotz der optisch gelungenen Wiederbelebung verweigert er aber unterhalb von 25kts Windgeschwindigkeit jede Mitarbeit. Nachdem ich ihn Donnerstag abgebaut und zerlegt habe, weiß ich auch warum: Die eingebauten Lager fühlen sich beim Drehen so an wie das Zahlenschloß eines Tresors. Kein Wunder, daß das Ding bei wenig Wind nichts tut.

Windgenerator mit neuen Blättern
Windgenerator mit neuen Blättern

Freitag ist der erste Tag in diesem Urlaub, an dem ich mal einen südafrikanischen Sonnenaufgang zu Gesicht bekomme, statt erst wie sonst gegen 10h aus meiner recht bequemen Koje zu steigen:

Für den Vormittag hat der Clubvorstand ein außerordentliches „Ballot-Meeting“ angesetzt, bei dem eine 4-köpfige Vorstandsdelegation in meiner Anwesenheit darüber zu befinden hat, ob ich der Aufnahme in den Zululand Yacht Club für würdig erachtet werde. Großartige Zweifel hatte ich daran zwar auch schon vorher nicht, zumal ich mich extra die ganze Woche lang zusammengerissen und anständig benommen hatte :-), und 5 Minuten nach Beginn des Meetings werde ich erwartungsgemäß als neues Clubmitglied willkommen geheißen und freue mich über einen Club-Stander, der mir von ex-Commodore Kirsten und Schriftführerin Olga überreicht wird.

Der Stander des Zululand Yacht Club
Der Stander des Zululand Yacht Club

Ich bin im ganzen Leben noch nicht Mitglied in einem Bootsclub, geschweige denn in einem Yachtclub gewesen, weil mir die damit üblicherweise oft einhergehende Vereinsmeierei grundsätzlich auf den Senkel geht, und wenn die Mitgliedschaft nicht Voraussetzung für den geplanten längerfristigen Verbleib der Thelxinoe hier auf dem Clubgelände gewesen wäre, wäre ich mutmaßlich auch nicht auf die Idee gekommen, einem Club beizutreten, der Tausende Km von meinem Zuhause entfernt residiert, aber schon die erste Woche hier habe ich mich gut aufgehoben gefühlt und somit werde ich den Clubstander des Zululand Yacht Clubs gern unter der Saling fahren, sobald ich denn mal irgendwann tatsächlich in See steche.

Das i-Tüpfelchen der Woche: Da mein neues temporäres Zuhause auf einem Yachtclub-Gelände liegt bleibt es nicht aus, daß hin und wieder mal ein Clubmitglied segeln geht, und so komme ich einigermaßen unverhofft zu meinem ersten Segeltörn auf einem Dean-Katamaran, wenn auch nicht meinem eigenen:

Jeurp, ex-Weltumsegler mit aktuellem Wohnsitz in einem Waterfronthome direkt auf der anderen Seite des Hafens lädt mich spontan ein, Abends eine Stunde mit seinem Dean 33 Goody mitzusegeln, was ich natürlich begeistert annehme. Gegen 17h holt er mich mit dem Dinghy am Steg ab, wir motoren mit der Goody die 2Km bis zur Hafeneinfahrt und segeln bei kaum Wind die folgende Stunde wieder zurück. Goil, das war einfach. Nix, was ich nicht auch selbst könnte :-)

Mit der Goody auf dem Rückweg zum Yachtclub
Mit der Goody auf dem Rückweg zum Yachtclub

Home, sweet home

Richards Bay, 30.06.2015

Zugegeben, der Untertitel des Blogs ist momentan noch reines Wunschdenken. Vor 2018 wird das mit dem „living on two hulls“ im permanenten Sinne mutmaßlich nix werden. Trotzdem richte ich mich bis Montag zumindest schonmal soweit ein, daß ich auf dem Boot die nächsten paar Tage einigermaßen komfortabel wohnen kann. Bettzeug für ein Bett, ein Teller, eine Tasse, zwei Gläser (davon eins natürlich ein Weinglas :-), eine Pfanne und ein Camping-Kocher der gleichen Bauart, wie ich sie schon in den letzten 5 Jahren auf den Ganymeds fast ausschließlich verwendet habe, reichen für einen Start in das neue Campingleben an Bord zunächst mal völlig aus.

Der Salon, von der StB-Kabine aus gesehen
Der Salon, von der StB-Kabine aus gesehen

Die bestellten Batterien werden, fast pünktlich mit nur einem Tag Verspätung, am Dienstag kurz vor 17h angeliefert und von mir ins Boot gewuppt, so daß ich nach einer provisorischen Anschlußaktion von wenigstens einer davon im Schein einer Taschenlampe zumindest schonmal Licht habe.

(wie schon erwähnt: Auf der Südhalbkugel ist gerade Winter und um 17:30 ist es hier stockfinster)

P1030419Die allein lichtspendenden vier 8W-Neonröhren im Salon verleihen diesem zugegebenermaßen die Wohnlichkeit einer möblierten Doppelgarage, die ohnehin geplante Umstellung auf LED-Beleuchtung rutscht in der Priorität auf meiner virtuellen to-do-Liste spontan mächtig weit nach oben.

First contact

Ein Vorwort: Da ich es vor meiner Abreise zur Erstbesichtigung nach Südafrika blöderweise verpennt hatte, mir das Passwort dieses Blogs aufzuschreiben, war ich leider auch nicht imstande, die Beiträge taggleich hochzuladen und mußte das im Nachhinein erledigen.

Ein Nachtrag zum Vorwort: Da ich es nach meiner Rückkehr blöderweise übersehen hatte, daß man sehr wohl auch im Nachhinein editieren und auch das Erstellungsdatum wunschgemäß redigieren kann, erkläre ich den vorherigen Satz hiermit für ungültig, weil es ohne ihn gar keiner gemerkt hätte :-)

Richards Bay, 29.06.2015

Tja, da bin ich nun also: Gute drei Jahrzehnte nach meinem letzten Aufenthalt in Südafrika, komme ich am 25.6. gegen Mittag nach insgesamt fast 25h Reisedauer mit Bahn, Flugzeug und Mietwagen in Richards Bay in der Provinz Kwazulu-Natal am Indischen Ozean an, um einen ersten „echten“ Blick auf die künftige Thelxinoe zu werfen, die momentan noch mit dem am Heck prangenden Namen Orcinus II an Land im Zululand Yacht Club steht und die ich bislang lediglich von fast 200 Fotos her kannte. Wie schon die letzten 4 Boote, hatte ich auch Thelxinoe unbesehen gekauft und stehe nun mit dem selben, leicht mulmigen aber letztlich doch positiven Gefühl froher Erwartung  vor meinem künftigen neuen Boot wie die letzten Male auch.

Der erste Eindruck bestätigt die Fotos: Für seine 23 Jahre sieht das Boot doch noch recht brauchbar aus. Klar, es ist ein gebrauchtes Boot, an dem die zwei Jahrzehnte Nutzung natürlich nicht spurlos vorüber gegangen sind, aber das wußte ich ja schon vorher.

Da das Boot seit gut zwei Jahren unberührt an Land steht, nachdem der letzte Käufer seine Pläne eines kompletten Refit wohl aufgrund fehlenden technischen Verständnisses und mithin auch allmählich versiegender finanzieller Resourcen aufgegeben hatte, sind natürlich die Batterien tot, die Wassertanks bzw. deren Inhalt in einem fragwürdigen Zustand und absolut keinerlei Ausrüstung oder Einrichtungsgegenstände an Bord, und so verbringe ich die ersten vier Nächte wie geplant in einem Chalet der Imvubu Lodge einen Kilometer Luftlinie vom Yachtclub entfernt, statt direkt an Bord einzuziehen.

Die Chalets sind einfach aber zweckmäßig eingerichtet und liegen in einem Waldstück direkt am Indischen Ozean. Die Tierwelt in der Anlage ist überschaubar: Frank, das Hauskrokodil läßt sich nicht blicken, und außer einigen Mosquitos, einem vorbei spazierenden Mungo und jeder Menge gefiederter Viecher schauen lediglich hin und wieder ein paar Affen vorbei und turnen ungerührt 3m vor meiner Nase auf meinem Mietwagen rum, während ich auf meiner Terasse Cappucino schlürfe.

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Die ersten drei Tage bringe ich damit zu, eine Grundausrüstung an Bettzeug, Geschirr, Pött&Pan und Lebensmittel einzukaufen, vier neue deepcycle-Batterien zu bestellen, mich ein wenig in der näheren Umgebung umzusehen  und ansonsten einfach den ersten Urlaub seit über einem Jahr zu genießen. Und das, obwohl Winterurlaub nun eigentlich so gar nicht mein Ding ist, im tiefsten südafrikanischen Winter bei Tagestemperaturen von angenehmen 25°C, während in Deutschland die Temperaturen zwei Tage nach meiner Abreise auf fast knapp 40°C klettern.

Neues Boot, neues Glück?

Nun also ein Blog. In meinem bisherigen Leben als Bootsbesitzer habe ich mich ja darauf beschränkt, hin und wieder mal ein wenig an meiner Homepage rumzubasteln, wenn es denn was neues zu erzählen gab.

Da Thelxinoe geplantermaßen mein vorerst letztes Boot sein soll, und im geplanten Fahrgebiet der Zugang zum „normalen“ Internet wohl doch eher eingeschränkt sein wird, habe ich mich entschlossen, stattdessen sowas wie ein Tagebuch zu führen.  Wer Spaß am Lesen von Seglerblogs hat sei hiermit eingeladen, von Zeit zu Zeit mal einen Blick hineinzuwerfen. Have fun!

Von der Müritz an die Ostsee 2011

Das aktuelle Expeditionsfahrzeug: Ganymed 5

Ein Überführungstörn als „Vatertagstour extended“ (Teil III)

Das Boot: Bayliner 3258 Avanti Flybridge „Ganymed“ (V)

Skipper: Martin

Crew: Andreas (Erster Offizier), Peter (Smut und TO)

Die Mission: Da das im Vorjahr erworbene Expeditionsvehikel aufgrund des Umstands, daß die Weser im Spätherbst 2010 im Bereich südlich des Mittellandkanals deutlich zu wenig Wasser geführt hatte, um nach dem Sommer-Törn wieder gefahrlos nach Hause zu gelangen, im Packeis der Müritz überwintert hatte, galt es nunmehr, das Boot bis Mitte Juni für die kurz darauf geplante Teilnahme am Sommertreffen des Boote-Forums an die Ostsee zu überführen.  Zu diesem Behufe wurde die bereits bestens bewährte Mannschaft der Ganymed IV aus ihren bevorzugten Spelunken zurückgeholt, ein Planwagen mit Proviant und Ausrüstung beladen und am Himmelfahrtstage 2011 ging es erneut, diesmal über Land, in östliche Gefilde, wo die diesjährige Expedition beginnen sollte…

Tag 1 (Donnerstag, 02.06.2011  Bodenwerder – Eldenburg/Müritz)

Wieder war es Sven, der die Expeditionsteilnehmer zu ihrem Abfahrtsort brachte, und anschließend die entladenen Landtransportfahrzeuge sicher wieder nach Hause überführte.

Nachdem Proviant und Ausrüstung an Bord verstaut und Sven verabschiedet worden war, wurde die Ganymed vom Ausrüstungskai an einen anderen Liegeplatz verholt, Öl-, Benzin- und Wasserstände kontrolliert, eine gründliche Einweisung in die, gegenüber dem letzten Boot geringfügig geänderte, Technik in der Kombüse durchgeführt, der Smut nahm seine Arbeit auf und verköstigte die Mannschaft mit einem reichhaltigen Nachtmahl. Im Anschluß daran wurde ein Briefing über die geplante Streckenführung angesetzt, eine großzügige Portion Rum an jedes Mitglied der Besatzung ausgegeben und kurz nach Einbruch der Dunkelheit wurde zum Zapfenstreich geblasen. Immerhin stand der Crew und dem Schiff eine 11-Tages-Tour bevor und es galt, diese zumindest ausgeruht und bei besten Kräften anzugehen.

Tag 2 (Freitag, 03.06.2011  Eldenburg/Müritz – Plau am See)

Um die, seit Ende der letzten Expedition doch etwas eingerostete, Mannschaft wieder auf Vordermann zu bringen, hatte der Skipper einen frühen Appell angesetzt und die Abfahrtzeit auf eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang festgelegt. Das hätte auch fast geklappt, wäre nicht wieder mal die leidige Technik im Wege gewesen. Nach dem Start der Maschinen stellte sich nämlich heraus, daß die Backbord-Maschine, wie schon mal im Vorjahr erlebt, nur unwillig und unrund hochdrehte und äußerst garstige Geräusche von sich gab. Eine kurzfristig angesetzte Überprüfung ergab allerdings keine wirklichen mechanischen Probleme, so daß die Fahrt mit einer halben Stunde Verspätung fast pünktlich beginnen konnte. Die Lösung des „unrunder Motorlauf“ – Problems wurde auf einen späteren Zeitpunkt vertagt, da ohnehin geplant war, die ersten paar Hundert Kilometer abwechselnd nur jeweils eine Maschine laufen zu lassen.

Wir verließen somit die Marina Eldenburg, die fast ein dreiviertel Jahr lang der Stützpunkthafen der Ganymed gewesen war, und nahmen Kurs auf den westlich gelegenen Kölpinsee. Hier nun zeigte sich schnell, daß die Maschinen nicht nur nicht rund liefen, sondern ärgerlicher Weise auch nicht in der Lage waren, das Boot in Gleitfahrt zu bringen oder auf mehr als 20 Km/h zu beschleunigen. Nach diversen Versuchen, doch noch in Gleitfahrt zu kommen, wurden diese eingestellt und der Skipper entschloss sich (inzwischen leicht beunruhigt), die Lösung des Problems bis zum Erreichen des ersten Seehafens oder zumindest der Elbe zurück zu stellen, nachdem einige telefonische Anfragen bei diversen Motorenbetrieben in der näheren Umgebung keinen kurzfristig zu realisierenden Termin erbracht hatten.

Die Drehbrücke in Malchow und einr, wohl im Sturm fortgespülte, Blechbaracke mit Hilfsmotor.

Nachdem der Kölpinsee und auch der angrenzende Fleesensee somit ziemlich gemächlich durchquert waren, verpaßten wir die stündliche Öffnung der Malchower Drehbrücke um ein paar Minuten und verplemperten anschließend eine weitere halbe Stunde Wartezeit vor der Brücke liegend, die vom Smut genutzt wurde, um ein leichtes Mittagsmahl zuzubereiten.

Den von Amts wegen eingesetzten Wegelagerer auf der Brücke geflissentlich ignorierend, passierten wir kurz nach 13h die Enge und machten uns auf, Malchower- und Petersdorfer See zu überqueren, um im Lenzer Hafen die Treibstoffvorräte zu ergänzen, was zum Ende der vorigen Saison irgendwie unterblieben war. Um 460l Benzin schwerer und knapp 800,-€ erleichtert passierten wir den Lenzer Krug und bogen nach NW ab in den Plauer See, wo Skipper und 1O das klare Wasser für einen Tauchgang nutzten, um das Unterwasserschiff auf Bewuchs und Beschädigungen zu überprüfen. Da dieses keine neuen Erkenntnisse in Bezug auf die unzureichende Leistungsentfaltung des Bootes ergab, wurde auf weitere Diagnoseversuche verzichtet und die Fahrt in Richtung Plau am See fortgesetzt. Hier nutzten wir die Liegemöglichkeiten des Wasserwanderrastplatzes, versorgten uns mit Wasser und Strom und ersetzten das schon im Vorjahr beschädigte Toplicht durch ein neues. Die Nacht verlief, abgesehen davon, daß die Teilnehmer einer für den nächsten Tag angesetzten Opti-Regatta und deren Betreuer sich an eigens dafür im Hafenbereich aufgestellten Bier- und Imbiss-Buden bis spät abends ziemlich lebhaft darauf vorbereiteten, einigermaßen ungestört und wenigstens hatten uns letztere das Zubereiten des Abendessens erspart.

Tag 3 (Samstag, 04.06.2011  Plau am See – Garwitz/Elde-Müritz-Wasserstraße)

Der Tag begann mit einem angemessenen Frühstück; im Anschluß machten wir uns auf den Weg, die Hubbrücke in Plau und die darauf folgende Schleuse zu passieren, um in die Elde-Müritz-Wasserstraße zu gelangen, die uns im Verlauf der nächsten Tage bis nach Dömitz an der Elbe bringen sollte. Die Schleusung verlief, wie auch alle noch folgenden, routiniert und störungsfrei. Die Crew zeigte, daß sie nichts von den 2009 erlernten Fertigkeiten vergessen hatte und so zogen wir gemächlich mit 6-8 Km/h unter Benutzung nur einer Maschine durch den Kanal, wobei uns für den Rest des Tages ein Kuhnle-Charter-Bügeleisen mit einer offensichtlich absolut unerfahrenen Mannschaft gesetzteren Alters im Nacken saß, die uns dann ungewollt mit lockeren Sprüchen erfreute, bis wir gegen Abend den Wasserwanderrastplatz Garwitz erreichten.

Beispiel gefällig?

Bügeleisen-Fahrerin: [zu einer Gruppe Kajak-Fahrer, die, offenkundig auf die Öffnung der Schleuse wartend, gemächlich auf diese zupaddelte]

„Wollen Sie auch durch die Schleuse?“

Kajak-Fahrer: [sichtlich irritiert ob der Frage] „Äh, ja. Klar“

Bügeleisen-Fahrerin: [nach kurzem Überlegen]

„Wo sind denn Ihre Fender???“

[Stimme aus dem Off: „pruust…“]

Aber: Sie waren alle sehr nett, haben uns in der ersten Schleuse vorgelassen, obwohl sie zuerst am Wartesteg lagen, nahmen tatsächlich Tips zum Schleusen und zur Leinenführung von uns an, und haben sich jedes Mal tierisch gefreut, daß wir an jeder weiteren Schleuse auf sie gewartet haben, obwohl wir sicherheitshalber immer einige hundert Meter Abstand zwischen uns und sie gebracht hatten, nachdem wir aus den Schleusen kamen. :-)

(das hatte selbstverständlich fast gar nichts damit zu tun, daß wir imnmer schon in der nächsten Schleuse festgemacht sein wollten, um sie ungestört beim einfahren und „Poller-fangen“ beobachten zu können, was zugegebenermaßen nach der vierten oder fünften Schleuse deutlich weniger spektakulär wurde, da sich eine gewisse Routine einzustellen begann >:-)

Nach einem bis dato für die Ganymed-Crew ungeübten, aber trotzdem fast perfekt gelungenen Anlegemanöver (Heck zum Steg und Bug zwischen Dalben) wurde der Cobb-Grill auf den Steg gestellt, die nähere Umgebung samt Nachbarstegen kurzfristig eingenebelt und nur Minuten später erklang des Smut’s Glocke zum Nachtmahl. Nach dem Verzehr diverser Steaks samt Beilagen begab sich die Mannschaft zur Ruhe, wobei zumindest dem Skipper nunmehr schmerzlich bewußt wurde, daß er es seit zwei Tagen versäumt hatte, die erforderliche Ration UV-Blocker anzuwenden. Nach dreimal 10 Stunden auf der Flybridge bei strahlendem Sonnenschein nahmen die betroffenen Körperteile mittlerweile eine deutlich leuchtendere Färbung an, als üblich.

Tag 4 (Sonntag, 05.06.2011  Garwitz/Elde-Müritz-Wasserstraße – Dömitz/Elbe)

Wir verließen Garwitz nach einem späten Frühstück und wendeten den Bug wieder Richtung Westen. Die Bügeleisen-Crew hatte am Vorabend bereits angekündigt, sich über die Stör-Wasserstraße Richtung Schwerin absetzen  zu wollen, womit zwar unsere Unterhaltungsquelle wegfiel, dafür aber auch die verlängerte Wartezeit an den Schleusen. Wir fuhren fast den ganzen Tag allein vor uns hin, nur hin und wieder mal überholten wir ein paar Kanuten oder Kajak-Fahrer. Da wir in Grabow fast eine Stunde auf die Öffnung der Hubbrücke warten mußten, kamen wir erst gegen Abend in Dömitz an und waren knapp zu spät, um noch in die Elbe zu schleusen. Wir nächtigten im Sportboothafen im Oberwasser, dessen Steganlage zwar nicht übermäßig Vertrauen erweckend aussieht, sich aber als stabil genug erwies.

Tag 5 (Montag, 06.06.2011  Dömitz/Elbe)

Da der Backbord-Motor immer noch nicht zufriedenstellend lief, versuchte der Skipper telefonisch, einen halbwegs fähigen Mechaniker aufzutreiben der, mangels passendem eigenen Werkzeug, zur Überprüfung der Zündungseinstellung etc. herangezogen werden sollte. Dies gelang auch fast auf Anhieb, der Mechaniker wurde erreicht und sagte sein Kommen für den frühen Nachmittag zu, da er zu gerade noch mit dem Abbergen und Einschleppen eines Havaristen auf der Elbe beschäftigt war. Es wurde daher beschlossen, in die Elbe zu schleusen, im Stadthafen von Dömitz festzumachen und dort auf das Eintreffen des Mechanikers zu warten. Die Crew legte einen Hafentag ein, erkundete die Umgebung und ergänzte die Vorräte, während der Skipper an Bord blieb und den Mechaniker erwartete.

Nachdem letzterer bis um 18h immer noch nicht aufgetaucht war und auch telefonisch schon den ganzen Nachmittag nicht mehr zu erreichen war, stellte sich der Verdacht ein, daß er wohl zusammen mit dem Abgeschleppten in der Elbe verschollen sein müsse. Des Wartens müde, beorderte der Skipper seine Crew in das Hafenrestaurant, wo der Tag versöhnlich mit einem ordentlichen Essen und ein paar Bieren ausklang. Daß das Abendessen wegen eines plötzlich hereinbrechenden Unwetters fluchtartig von der Terasse in den Innenraum verlegt werden mußte, tat der Stimmung indes keinen Abbruch mehr.

Dieserart gestärkt, machte sich eine gewisse fatalistische Grundeinstellung beim Skipper breit und er beschloss, die Unzulänglichkeiten der Technik nunmehr vorerst zu ignorieren und bis zur Ostsee einfach mit dem Steuerbord-Motor weiter zu fahren. Der Sonnenbrand war ebenfalls inzwischen weitgehend abgeklungen, die Haut wechselte ihre Farbe allmählich von knallrot nach mittelbraun und da es mittlerweile wieder möglich war, ohne zu schreien auf dem Rücken zu liegen, verlief die Nacht ereignislos, ruhig und sehr erholsam.

Tag 6 (Dienstag, 07.06.2011  Dömitz/Elbe – Güster/Elbe-Lübeck-Kanal)

Die Elb-Brücke bei Dömitz

Die Fluß-Etappe Elbe-abwärts verlief ebenso ruhig wie unspektakulär. In gemütlicher Verdrängerfahrt dahintrödelnd, passierten wir Hitzacker, Darchau und Boizenburg, um am Nachmittag nach kurzer Wartezeit in Lauenburg in den Elbe-Lübeck-Kanal zu schleusen. Das aufregendste Ereignis des Tages war noch der Augenblick, als der Skipper seine geliebte BF-Mütze in der Elbe versinken sah, die es ihm in einem unachtsamen Moment vom Schädel geweht hatte. Das Ding war schneller im Schraubenwasser versunken, als irgendjemand „MOB“ rufen konnte.

Ansonsten war auf der gesamten Strecke relativ wenig Verkehr zu verzeichnen und es wurde lediglich einmal etwas hektisch, als ein leerer Tanker uns ausgerechnet in dem Moment einholte, in dem uns ein Schwimmbagger entgegenkam, der gerade von einem doppelt-breiten Schubverband überholt wurde, was das eigentlich hinreichend breite Elbe-Fahrwasser schlagartig zu einem Nadelöhr mutieren ließ.

Aufgrund des Umstandes, daß die Ganymed lediglich aus ein paar Lagen Glasfaser-Matte und etwas Harz besteht und somit definitiv das schwächste Element dieser Begegnungs-Gruppe darstellte, hielt es der Skipper für eine gute Idee, das Fahrwasser zügig zu verlassen und den Vorgang mal lieber von außerhalb der Gefahrenzone zu beobachten… Nachdem wir ein paar Km weiter flußabwärts die Schleuse Lauenburg passiert hatten, legten wir noch einige Kilometer im Elbe-Lübeck-Kanal zurück und beendeten den Tag schließlich im Sportboothafen am Campingplatz Güster. 

Tag 7 (Mittwoch, 08.06.2011  Güster/Elbe-Lübeck-Kanal – Lübeck)

Bis hierhin hatten wir Wetter-technisch richtig Glück gehabt: Kaum Regen, meist Sonne oder zumindest soweit trockenes Wetter, um vom 2. Steuerstand auf der Flybridge zu fahren. Heute jedoch empfing uns schon der frühe Morgen mit Regen in Sturzbach-Qualität, der auch über den gesamten restlichen Tag nicht nennenswert weniger wurde. Der Skipper beschloss, daß es völlig ausreichte, wenn EIN Besatzungsmitglied bei den Schleusenmanövern naß würde, und verbrachte den Tag am Innensteuerstand. 

So verging der Tag überwiegend mit ruhigen Kanalabschnitten und routiniert durchgeführten Schleusenmanövern, unterbrochen lediglich in der Schleuse Büssau durch eine akrobatische Einlage des die Leinen bedienenden 1O, der aufgrund ungeeigneten Schuhwerks während des Schleusenmanövers über Bord ging (Terminus technicus: „aafjlitscht“) und sich nach einer elegant anmutenden halben Rolle rückwärts auf dem Rücken liegend neben der Schleusenkammer wiederfand.

Außer etwas verletztem Stolz und einer durchweichten Hose gab es keine Schäden zu beklagen, so daß wir unsere Fahrt Richtung Norden ohne weitere Verzögerung fortsetzen konnten.

Am Nachmittag erreichten wir das Ende des Elbe-Lübeck-Kanals und machten für die Nacht im Lübecker Hafen fest. Die junge Hafenmeisterin erwies sich als überaus freundlich und hilfreich, nahm die Brötchenbestellung für den nächsten Morgen entgegen und versprach, sich um die Alarmierung eines kompetenten Mechanikers zu kümmern, der am nächsten Tag das leidige Motorenproblem endlich zum Abschluss bringen sollte.

Aufgrund des immer noch ekligen Regenwetters verzichteten wir auf einen ausgedehnten Landgang und verholten uns stattdessen frühzeitig in die Kojen.

Tag 8 (Donnerstag, 09.06.2011  Lübeck – Travemünde – Großenbrode/Ostsee)

Die Brötchen waren pünktlich und wohlschmeckend, die Duschen heiß und sauber, der Regen hatte in der Nacht aufgehört und eigentlich fehlte zu unserem Glück jetzt nur noch der avisierte Mechaniker. Dummerweise ergab sich im Verlauf eines Telefongespräches mit selbigem, daß dieser zwar versierter Diesel-Schrauber war, mit V8-Benzinern jedoch keine nennenswerten Erfahrungen vorweisen konnte, worauf er sich für unzuständig erklärte. Einigermaßen frustriert, fing der Skipper an, selbst in den Eingeweiden der Maschine rumzubasteln, und nachdem alles wieder zusammengebaut war, der Motor immerhin deutlich ruhiger als zuvor (und auf allen Zylindern) lief, und die obskuren Geräusche auch nicht wieder auftraten, wurde entschieden, die Fahrt Richtung Ostsee  ohne weitere Verzögerungen fortzusetzen.

Im Verlauf der Trave wurden die entgegenkommenden Schiffe deutlich größer als bisher. Davon unbeirrt, setzten wir unseren Weg bis Travemünde fort, um an der dortigen Bunkerstation erneut voll zu tanken, bevor es auf die offene See gehen sollte. Weitere 350l Super fanden den Weg in unsere Tanks, wir klarierten das Boot auf, verstauten alle absturz-gefährdeten Ausrüstungsteile seesicher und hielten Kurs auf die Ostsee.

Das Wetter war uns wohlgesonnen, Wind und Wellen hielten sich in angenehmen Maßen und so trödelten wir unserem Tagesziel entgegen. Ein zwischenzeitlicher Beschleunigungstest ergab, daß das Boot zwar immer noch nicht vernünftig in Gleitfahrt zu bekommen war, immerhin liefen aber beide Motoren nun einigermaßen rund und ohne ungewöhnliche Geräuschentwicklung. Wir erreichten Großenbrode am Nachmittag, machten am Außensteg der Marina fest und verbrachten einen gemütlichen Abend und eine ruhige Nacht, irritiert lediglich durch ein paar Ratten, die sich ungeniert auf dem Steg vor uns tummelten..

Tag 9 (Freitag, 10.06.2011  Großenbrode – Damp)

Spät am Vormittag warfen wir die Leinen los und nahmen Kurs auf den Fehmarnsund. Bei angenehmem Wetter zogen wir gemächlich unsere Bahn durch den Sund, vorbei an Heiligenhafen und Stollergrund, über die Kieler Außenförde hinweg Richtung Damp, wo wir am Nachmittag einliefen und uns einen Liegeplatz suchten.

Tag 10 (Samstag, 11.06.2011  Damp)

Zufrieden, das angesetzte Törnpensum locker geschafft zu haben, vertrödelten wir die folgenden beiden Tage bei angenehmen Temperaturen im Damper Hafen und Umgebung, bis Montag Mittag Sven wieder auf der Bildfläche erschien, um uns abzuholen.

Die Ganymed wurde für die nächsten Wochen an einen Steg im Innenhafen verholt und einige Tage später mit neuer Crew für die Tour nach Gelting Mole genutzt, wo dieses Jahr das alljährliche Treffen des Boote-Forums stattfinden sollte. Bilder oder einen Törnbericht von dieser Tour gibt’s hier zwar nicht, dafür aber einige aufbereitete Videos von der Bordkamera der Ganymed.

Die weitere Planung für 2011 sieht eigentlich noch Anfang August einen Trip in die dänische Südsee vor und irgendwann im Spätherbst die Rückfahrt nach Bodenwerder, sofern denn genug Wasser in der Oberweser  vorhanden ist. Schaun ‚mer mal, wie sich die Dinge entwickeln…

 Letzte Bearbeitung: 21.07.2011 ME