Der Tag heute fing immerhin schon mal bedeutend versöhnlicher an, als der gestrige ablief. Als ich so gegen 6h wach wurde, habe ich natürlich als erstes mal nachgesehen, ob auf dem Teppich der Achterkabine schon die beiden leeren 5L-Wasserflaschen schwammen, die auf dem Fußboden gestanden hatten, aber nein:Allen Erwartungen zum Trotz standen in der Bilge rund 16h nach dem Leerpumpen lediglich knapp 8cm Wasser. Guter Anfang!

Ich führe das jetzt mal darauf zurück, daß ich gestern Abend dann doch nochmal eine Wasserpumpe durch den Spalt gezwängt habe und die Mutter auf dem Abflußstutzen noch ein paar wenige mm weitergedreht bekam. Vielleicht hat es sich ja doch noch ein wenig gesetzt… Also habe ich darauf verzichtet, heute den Tank umzupumpen, und werde das bis morgen nochmal beobachten, bevor ich alles wieder auseinander reiße.

Noch vor dem Frühstück machte ich mich erneut auf den Weg ins Office, um in Erfahrung zu bringen, ob DHL möglicherweise versucht hatte, irgend was für mich abzugeben. Mein „Weihnachtspaket“, das seit  dem 17.12. unverändert als „wartet auf die Verzollung“   im Tracking-Info angezeigt wurde, konnte angeblich nämlich am Donnerstag nicht zugestellt werden, wie im Info am Samstag plötzlich auftauchte. Im Office wußte niemand was davon, der obligatorische „wir konnten Ihr Paket nicht zustellen“-Zettel war auch nicht abgegeben worden.

Also habe ich Simon, nachdem er aufgetaucht war, zum rückstandsfreien Entfernen aller noch an Deck befindlichen Klebestreifenrückstände eingeteilt und bin direkt um 8h zum Postamt nach Meerensee gefahren, habe meine Tracking-Nummer da vorgelegt und schwupps, drei Minuten später hatte ich mein Paket, nachdem mir die Lady am Schalter angesichts meines ausgedruckten DHL-Onlinetrackinginfos erst noch unterjubeln wollte „mit DHL haben wir überhaupt nichts zu tun, wir sind Post“. Ist ja richtig, trotzdem geben die DHL-Fahrer ihre Pakete im Postamt ab, wenn sie sie nicht zustellen können oder wollen. Dieser DHL-Laden ist zumindest hierzulande ein absoluter Sauhaufen.

Nach dem Frühstück ging es dann ans Auspacken: Wago-Klemmen, Abzweigdosen, Steckdosenleisten, Dosenwurst, eine Dose Grünkohl (!),  CO-Warnmelder, Saftgoldbären,  ein Quadratmeter 3mm Polycarbonat-Spiegel zersägt als Bausatz für meinen neuen Badezimmer-Schrank, ein Boots-Stempel für Thelxinoe, weil den wohl nicht nur die hiesigen Behörden beim Ein-/Ausklarieren gerne auf die Formulare gedrückt sehen möchten, meine Decus-Maus, die ich leider zuhause vergessen hatte …

lauter Zeug, das man hier nicht oder nicht brauchbar findet. Meine neulich erworbene China-Standheizung war allerdings nicht dabei, stattdessen war aber der 230V-Heizkragen mit drin, den mir Sara vorletztes Weihnachten gegen „Nacken“ geschenkt hatte.

Nein, das ist kein Rettungsring mit Netzanschluß

 Ein gerade unverzichtbarer Ausrüstungsgegenstand für jeden Fahrtensegler, insbesondere hier am indischen Ozean :mrgreen:

Und, im Gegensatz zu den letzten Paketen, haben Post und DHL dieses Mal so gut wie nichts kaputtgemacht! Boah… Naja,  fast. Die antike 150GB-Festplatte, auf die Sara die neuen  Blurays  geripped hatte, die in den letzten Monaten zuhause eingetrudelt waren, wird von meinem Rechner nicht mehr erkannt und tackert nur noch leise vor sich hin. Klingt mir irgendwie nach einem Headcrash. Und das, wo ich mich soo auf Deadpool 2 und Solo gefreut hatte. Schnief…

In der Zwischenzeit tauchte Stephen auf, nur um mir mitzuteilen, daß er sein Auto in die Werkstatt bringen müsse um die völlig ausgeschlagenen Trag- und Führungsgelenke ersetzen zu lassen, bevor sie unterwegs erst rausfallen, er würde dann morgen wiederkommen und den Dodger abbauen. Na gut, ich hatte gerade gute Laune und hab ihm das durchgehen lassen.

Simon war derweil den gesamten Tag damit beschäftigt, in mühevoller Fummelarbeit diese ganzen Klebestreifen wieder vom Deck, und vor allem von den Beschlägen zu pulen. Im nachhinein betrachtet, war es ziemlich  dämlich, die da wochenlang in praller Sonne und Regen drauf zu lassen. Selbst die „hellgelben“, die normalerweise problemlos zu entfernen sind weil sie sowieso nicht vernünftig kleben, erwiesen sich als überaus renitent bei der Entfernung. Da wird er wohl morgen nochmal einen Tag lang mit Aceton und Lappen dran rumfeudeln müssen.

Nachdem der Feierabend gemacht hatte, fuhr ich nochmal zur Mall. Zum einen, weil mir, als ich Simon bezahlen wollte, siedendheiß auffiel, daß ich nur noch 100R Bargeld in der Tasche hatte, und zum anderen, weil meine Zigaretten alle waren und ich für’s montägliche Braii einkaufen wollte. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund bin ich einen anderen Weg gefahren, als den üblichen, und mitten in der Stadt sprang mich das Schild „D & J Music“ an. Hatte ich schon mal irgendwann gesehen, aber wieder verdrängt.

Als ich hier herkam, hatte ich bekanntlich einen bis unters Dach gepackten Sharan dabei. Blöderweise hatte mein Roland G800 nicht mehr mit rein gepaßt und mußte somit zuhause bleiben. Alles was ich an Keyboards dabei hatte, waren eine beleuchtete Steelseries Computertastatur und ein Akai LPK25. Erstere ist zum Musikmachen eher ungeeignet und das Akai ist, naja, zwar nett zum rumgemmeln, aber deutlich zu klein für irgendwas sinnvolles für meinen Geschmack.

Nicht nur, weil es nur 25 Tasten hat, sondern in erster Linie tatsächlich „zu klein“. Ich hab Handschuhgröße 10 1/2, das Ding ist vermutlich höchstens für Leute mit Größe 8 tauglich.

Wie auch immer, jedenfalls bin ich angesichts des obigen Firmenschildes spontan auf den dazugehörigen Parkplatz gefahren und in den Laden gestratzt, und das erste, wirklich allererste was mir ins Auge sprang, war genau das M-Audio Oxygen 61, das ich um ein Haar neulich schon bei ebay gekauft hätte, wenn mir denn eine brauchbare Lösung für den Transport nach Südafrika eingefallen wäre.

Ganz klar: Ein Zeichen! :mrgreen: KAUF.MICH.JETZT! stand neonleuchtend virtuell drauf. Und es war hier noch nicht mal teurer als die Dinger bei ebay, von irgendwelchen Transportkosten und womöglich auch noch Zoll und EUSt mal ganz abgesehen. (Nicht zu vergessen der Streß mit DHL dann schon wieder 🙂 )

Sicher, auch das ist ein Kompromiss. Klar hätte ich lieber ein 88er Keyboard gehabt, das paßt hier aber beim besten Willen nun nirgends hin. Andere Segler sind mit einer Ukulele unterwegs, weil sie keinen Platz für eine normale Gitarre haben, insofern lebe ich ja im Luxus, aber trotzdem. Dieses M-Audio-Ding wiegt gerade mal etwas über 5Kg (ungefähr ein Sechstel vom wirklich sauschweren G800) und wenn ich es nicht benutze, paßt es problemlos in einen der Schränke in den Vorderkabinen.

Im Gegensatz zum G800 ist das natürlich keine „Arranger Workstation“ (die ich eh nie genutzt habe), sondern nur ein „dummes“ Midi-Masterkeyboard ohne eigene Sounderzeugung, mit 61 anschlagsdynamischen, aber nicht gewichteten Tasten und nur in Verbindung mit einer passenden DAW sinnvoll. Hab ich! 🙂

Dafür sind diese ganzen im Bild sichtbaren Regler und Pads frei über die DAW programmierbar und das Ding läuft, ohne eigene Stromversorgung, einfach über den USB-Anschluß vom Notebook, der gleichzeitig einen Midi-Anschluß emuliert.

Also sollte mir hier abends mal irgendwann langweilig werden, kann ich mich jetzt immerhin sinnvoll beschäftigen, solange noch genug Strom für’s Notebook da ist. 🙂

Den Braii-Abend habe ich dann doch ausfallen lassen. Nach einem wirklich sehr entspannten Sundowner mit dem letzten Rest meines nach Andis Abflug gekauften Bombay Sapphire habe ich mein Filet in fünf Medallions und einen Roastbeef-Klotz für morgen früh zersägt, das ganze gebraten und dann bei immer noch über 28°C  die Medallions mit einem der eben eingekauften Ciabattas, ein bischen Kartoffelsalat, Kalamata-Oliven und eingelegten Tomaten im Cockpit genossen, während das Radio dezent im Hintergrund die Café del Mar – Playlist abspielte. Seit die Sonne hier nicht mehr um fünf, sondern erst nach sieben Uhr untergeht, herrscht hier eine unglaubliche Stille bei Sonnenuntergang, weil keiner mehr da ist und rumlärmt. Das macht die ganze Sache nochmal deutlich angenehmer, wenn es wie heute, auch noch windstill ist.

Der heutige Tag hat mich für das gestrige Desaster jedenfalls angemessen entschädigt 🙂