Advent, Advent …

Für Samstag hatte ich mir zwar Simon herbestellt, weil der eigentlich noch ein paar Stellen in meiner Kabine fertigpinseln sollte, während ich mich weiter mit dem Lukeneinbau zu beschäftigen gedachte, aber mein Versuch, den Freitags komplett aufgebrauchten Eimer Sigmadur im Shop durch einen neuen zu ersetzen, endete vor verschlossenen Türen. Sauerei! Die machen einfach Samstag zu, nur weil bald Weihnachten ist.  Völlig ungewöhnlich!

Tage, bei denen morgens um Acht schon 30°C angezeigt werden, verheißen normalerweise für die Arbeitsmoral und -produktivität an Bord nichts Gutes…

Wie sich rausstellte, waren wir beide dann allerdings wohl, abgesehen von meinen übermotivierten neuen Nachbarn, die Freitag rausgekrant worden waren und den Samstag bei 39°C und in praller Sonne damit verbrachten, altes Antifouling abzuschleifen und neues aufzutragen, auch tatsächlich die Einzigen, die überhaupt irgend etwas getan haben. Ansonsten war das Gelände wie ausgestorben.

Mangels Material, haben wir also lediglich die eine der beiden neuen Matratzen von links nach rechts expediert (die für einen allein wirklich arg unhandlich sind, wie ich neulich feststellen mußte), haben meine alte Matratze erstmal irgendwie in die Achterkabine geprummelt, ich habe ihn den Freitag auflaminierten Rahmen anschleifen lassen, und dann habe ich ihm ein paar Hundert Rand „Weihnachtsgeld“ überreicht, ihm Merry Christmas gewünscht, und ihn bis zum 30. in die Ferien geschickt. Bis dahin dürfte ich hier wohl einigermaßen allein im Gange sein …

Wenigstens hat sich meine Bett-Höhe wieder normalisiert, und luxuriöser Weise kann ich mir jetzt sogar aussuchen, in welcher Kabine ich pennen will. 🙂

Nachtrag Sonntag: Die Matratzen waren jedenfalls trotz des marginalen Preises anscheinend eine ganz gute Wahl, auch wenn sie im ersten Moment arg hart sind (im Vergleich zu dem Schwamm vorher allemal). Ich habe hervorragend fast acht Stunden geschlafen und bin erstmals seit langer Zeit wieder ohne Rückenschmerzen aufgestanden. Ziel erreicht.

Bis um elf war die Temperatur draußen auf fast 40 Grad geklettert, meine Klimaanlage schaffte es mit Mühe, innen 36°C zu halten, also habe ich mich ins Cockpit verzogen, und Eistee schlürfender Weise zunächst mal an einer temporären Lösung für das abgebrochene Dinghy-Ruder bzw. die Halterung rumakadiert. Zwei testweise mit Cyanacrylat zusammengeklebte kleine Bruchstücke der Urethan-Halterung hielten erstaunlich gut, das ganze Ding damit zu kleben, ist aber natürlich keine Lösung, da dieses Plastikding wie ein Soft-Scharnier konzipiert ist und die Sekundenkleber-Naht alles andere als elastisch.

Also habe ich meinen Fundus an Kleinkram durchforstet, ein passendes Edelstahl-Scharnier gefunden, eine Reihe 2mm-Löcher in die zurechtgestutzte Halterung geprickelt und dann das Scharnier da eingeklebt und quer mit ein paar 3mm-Schrauben verstärkt. Sicher keine Dauerlösung, für den Moment sollte das aber funktionieren.

Auch wenn ich kein Plastebootsbauer bin: Das Original ist eine total beknackte Lösung. Kann man doch abwarten, bis das hart wird und bricht. Ich weiß echt nicht, wer sich so einen Müll ausdenkt, zumal dieses WB10 mit Vollausstattung und Besegelung neu sicher mal um die 3.500,-USD gekostet hat. Bei meinem WB8 bestand die Ruderaufnahme immerhin noch aus zwei Stahlpins und macht einen wesentlich durableren Eindruck.

Irgendwann gegen 13h wurde es minimal kühler, und ich zog aufs Dach um, um nun doch endlich noch die Außenkante des Lukenrahmens großzügig mit Solidbond zu füllern, um da demnächst noch ein bischen Glasgewebe draufzukleben. Der Test vorher mit der probeweise eingelegten Luke ergab, daß ich das mit der ebenen Flanschfläche wohl trotz meiner Runterschleiferei vergeigt habe. Die Luke kippelt um fast 3mm. :wall: Mist, elender. Genau um das zu verhindern, hatte ich eigentlich den Rahmen da auflaminiert. Naja, 3 sind schon besser als die 25 von vorher, ist halt noch ein Arbeitsgang mehr.

Epoxy-Arbeiten bei fast 40 Grad machen übrigens nur sehr begrenzt Spaß. Zu allem Überfluß hatte ich am Vorabend das Solidbond-Zeug auf dem Dach stehen lassen, wo es dann den ganzen Vormittag in der Sonne verbrachte, und schon bevor ich es angemixt habe, hatte es sicher um die 50 Grad und war ziemlich „dünn“. Und da es um eine beträchtliche Menge ging, hieß es: Schnell sein! Bei solchen Außentemperaturen sinkt die Topfzeit in den einstelligen Minutenbereich, und beim Verstreichen der Kante mit den Fingern, hätte ich mir selbige fast verbrannt, so heiß war das Kram inzwischen geworden. Egal, die Kante ist jetzt dran, optisch zwar ein wenig grenzwertig und wird wohl ein bischen mehr schleifen brauchen als sonst, aber der Hauptzweck ist erreicht.

Damit war mein samstägliches Arbeitspensum dann allerdings auch erfüllt. Bin zur Beachbar geterbelt, habe mir eine eiskalte Cola gegönnt und eine Viertelstunde mit Neville verquatscht, und auf dem Rückweg bin ich spontan erstmal unter die kalte Dusche gehüpft. Das hilft hier tagsüber zwar nur sehr begrenzt, war aber zumindest für ein paar Minuten ganz erfrischend.

Zurück am Boot, kam ich gerade rechtzeitig, um eine Wanderung meiner Insekten-Invasoren zu beobachten. Die letzten Tage hatten sie sich relativ ruhig verhalten und nur hin und wieder ließ sich mal eine blicken, nachdem ich neulich ein paar „Ant-traps“ aufgestellt hatte. Dieses hier sah allerdings nach einer massiven Quartier-Verlegung aus, die ich durch den generösen Einsatz von Doom im Ansatz vereitelt habe. Elendes Gezücht! Wer weiß, wieviele von denen schon in irgendwelchen Ecken des Bootes wohnen, in die ich nicht so einfach sehen kann…

Ameisen überall :-/ Dreißig Zentimeter hiervon entfernt, steht eine der Ameisenfallen im Schrank, vielleicht wollten sie deswegen da weg.

Zwischendurch war ich kurz beim PnP, weil mir die Zigaretten auszugehen drohten; fand, entgegen der Aussage im letzten Blog, doch wieder  ein halbes Regalfach mit wohl frisch reingekommenen Christstollen vor (zu spät), und kam mit einem Monatsvorrat an Tee, ein paar Ciabattas für Sonntag, einem Paket Boerewors und ein bischen Salat für den Montags-Braai wieder zurück zum Boot.

Ja, Tee! Und das mir, als bekennendem Kaffee-Junkie 🙂 Bei 40° trinke ich hier durchaus um die 3L am Tag, bislang meist eine 50%-Mischung aus Fruchtsaft und Sodastream-Wasser, aber da das mit den Fruchtsäften ganz schön viel Platz wegnimmt und somit für unterwegs wohl eh keine Lösung ist, bin ich dazu übergegangen, mir morgens einen anderthalb Liter – Pott Tee zu kochen, den nach dem Abkühlen in die Kühlbox zu stellen und den Tag über als Eistee wegzuhucken. Der Kaffee-Konsum, normal so um die 6-8 Pötte am Tag, beschränkt sich derzeit echt auf’s Frühstück und bestenfalls noch einen Feierabendmokka.

Gegen 18:15 war schlagartig Schluß mit warm. Für den Rest des Abends blähten böige 35kts ums Boot und die Temperatur sank dankenswerter Weise auf knapp 25 Grad. Mal sehen, ob ich Sonntag tatsächlich laminieren kann, oder ob es bis dahin auch noch anfängt zu regnen. Die Luke liegt jetzt jedenfalls erstmal im Rahmen, einigermaßen regendicht sollte das wohl sein.

Sonntag

Hätte ja auch klappen können… Es sind zwar angenehme 25°C und noch trocken, windet aber immer noch wie blöd.  Der kurzzeitige Versuch, trotzdem noch ein wenig an der Kante rumzuschleifen endete allerdings damit, daß mir innerhalb von drei Minuten drei Schleifpads von der Maus abflogen und über Bord gingen. Auch diese Schleifmaus hat offensichtlich das Ende ihres Obsoleszens-Zeitraums erreicht: Die Velcroplatte, auf die die Pads aufgeklettet werden, ist eindeutig am Ende und die Maus somit unbrauchbar. Simon ist Schuld: Der schleift immer mit zuviel Druck auf der Stelle rum und die Platten verglühen, so daß´die kleinen Plastik-Haken wegschmelzen. :motz::mrgreen:

da klettet nix mehr

Da es die Platten nicht als Ersatzteil gibt und die ganze Maus eh nur 20,-€ kostet, werde ich Montag einen Besuch bei Game abstatten und Exemplar #5 erwerben. Bis dahin wird dann halt nicht mehr geschliffen oder laminiert, ist ja schließlich auch Wochenende. 🙂

Titelbild: Auch wenn ich fast ausschließlich mit der TZ81 fotografiere, weil sie halt handlich und als „immer dabei“-Kamera ideal ist, war nach der Ausräumaktion neulich heute ein guter Zeitpunkt, um auch die restlichen Kameras und Gimbals mal wieder komplett aufzuladen und zu entstauben. Wenn ich mir das so betrachte, bin ich fototechnisch vermutlich nicht nennenswert schlechter ausgestattet, als die meisten der segelnden Videoblogger, die versuchen, damit Kohle zu machen. Vielleicht fange ich doch noch an und vlogge auch, um meinen Youtube-Kanal mal etwas mit Leben zu füllen  🙂

Nachtrag: Nachdem ich vom Lunch mit Peter wieder zurück war und der Wind ein wenig nachgelassen hatte, fiel mir wieder ein, daß ich ja noch so eine rotierende Schleifpad-Bürste für meine Bohrmaschine besitze, die für diesen Zweck fast prädestiniert erschien. Also wurde dann zumindest doch noch ein wenig auf der Kante rum gefiedelt und morgen kann dann  wieder mit Harz gepanscht werden.

Fröhlichen Restadvent, allerseits.

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