Halbzeit?

Es ist Juli. Gemeinhin der windigste Monat in Richards Bay, wie man mir berichtete. Aus eigener Anschauung kann ich immerhin bestätigen, daß es gestern Nacht bös böig war und mir um ein Haar mein Sonnensegel zerfleddert hätte, das wegen der Schweißarbeiten am Geräteträger solange provisorisch anderweitig gespannt gewesen war, und das dann gegen 23h45 übel das Flattern bekam, als es plötzlich ein wenig aufbriste.

Wenigstens regnete es derweil nur ganz dezent, so daß ich  zum größten Teil noch fast trocken war, nachdem ich das Ding wieder vernünftig aufgespannt hatte. Und das, wo ich mich extra früh in die Koje verholt hatte, weil ich mir zum Einen bei der Verkabelung der Ankerwindenbatterie vorgestern wohl irgendwie den Kopf verdrehen lassen und seither „Nacken“ habe, und zum Anderen zu allem Überfluß gestern Abend meine 20GB Datenvolumen diesmal unerwarteterweise schon nach vierzehn Tagen verbraten waren, statt wie sonst fast den ganzen Monat hinzulangen. Das iPad hatte sich vorgestern und mein J7 gestern (schon wieder) ein neues Update gezogen, das wird’s wohl gewesen sein …

Wobei diese ganze „Mitternachts-Einlage“ natürlich völlig überflüssig  gewesen wäre, hätte ich meine Wette vom letzten Blogeintrag verloren, was aber erwartungsgemäß unterblieb. Kein Dodger in Sicht und meine diesbezügliche WhatsApp an Stephen blieb bislang auch unbeantwortet …

Dafür war mir gestern Mittag Jaques über den Weg gelaufen, als ich auf dem Weg ins Office war. Das mit dem „mürbe machen“ scheint zwar funktioniert zu haben, allerdings nicht ganz so, wie geplant, denn die gestrige Antwort lautete etwas kurzangebunden „weiß nicht. Sobald ich Zeit habe“. Ich setze die Nerverei jetzt lieber erst mal für ein paar Tage aus 🙂

Rob, der Gasmensch, bekam jedenfalls gestern  seine monatliche freundliche Erinnerungsmail, wo denn mein Gaszertifikat bleibt, das er eigentlich schon im März vorbei bringen wollte, weil er es ja angeblich nicht als PDF verschicken kann.

Die Schweißergarde hat gestern immerhin den Geräteträger soweit fertig gebraten und anschließend damit begonnen, sich der Badeplattform zuzuwenden. Im Gegensatz zum ursprünglichen Plan, der vorsah, den derzeit angeschraubten Winkelstahlrahmen nur zu verlängern, werden wir die für meinen Geschmack ohnehin irgendwie „hingebraten“ aussehenden Auflagerahmen für das Holz auf der Plattform jetzt komplett durch Edelstahlrohre ersetzen. Wenn ich nun schon Geld für sowas sinnloses wie eine längere Badeplattform ausgebe, kann die ja wenigstens auch anständig aussehen…

Simon, der die letzten Tage mit Edelstahlpolieren beschäftigt gewesen war, hatte sich heute nicht blicken lassen; die beiden Schweißer waren nach drei Stunden wieder entfleucht, also habe ich mich auf den Weg zur Mall gemacht. Seltsamerweise ist es bei Vodacom nämlich so, daß man besagte 20 GB theoretisch entweder für 1010,-R  online kaufen kann, oder aber für 700,-R im Vodacom-Shop. Warum das so ist, konnte mir allerdings niemand plausibel erklären. Das mit dem online kaufen scheitert ohnehin  schon daran, daß man via Masterpass zumindest bei Vodavom gar keine Zahlungen über mehr als 1000,-R abwickeln kann. Ich kam mir doch irgendwie leicht veralbert vor.

Ich konnte, wie schon oben erwähnt, sowieso den Kopf kaum bewegen, also habe ich die Gelegenheit genutzt und bin gleich noch zum Friseur gegangen, wo ich schon mal in der Mall war.

Und da sich innerhalb von zwei Tagen beide meiner letztes Jahr hier erworbenen Sandalen in ihre Bestandteile aufzulösen begannen, sah ich mich zudem genötigt, auch noch in neues Schuhwerk zu investieren.

Wann immer man irgend einem der Segler hier begegnet, haben die meisten von ihnen Flipflops untergeschnallt. Konnte ich noch nie ausstehen und außerdem neige ich dazu, mir in vorne offenen Schlappen dauernd an irgendwelchen vorstehenden Teilen die Zehen zu lädieren, also dann doch lieber Sandalen.

Die Dinger tragen sich eigentlich ganz angenehm und sind, neben ein paar Turnschuhen für feierliche Anlässe oder wenn kalte Füße drohen, so ziemlich das Einzige, was ich hier überhaupt an den Füßen trage. Die werden hier zwar von einem „Outdoor“-Laden als Trecking-Sandalen verkauft, scheinen allerdings nur begrenzt wasserresistent zu sein. Oder vielleicht sollte ich sie einfach abends mit reinnehmen, statt sie bei jedem Wetter auf der Badeplattform übernachten zu lassen.

Um nochmal auf die Ankerwinde und die dazugehörige Verdrahterei zurück zu kommen: Abgesehen von dem Umstand, daß sie es im Shop bis heute nicht geschafft haben, meine restlichen paar Kabelschuhe für 35mm²-Kabel ranzuschaffen und ich von daher nicht weiterkomme, fiel mir das von Deutschland aus mitgebrachte Lofrans Galaxy 703 Ankerwindenfernbediendingsbums jetzt schon zum dritten Mal unangenehm auf. Angefangen hatte es ja schon damit, daß sich das Bedienteil gar nicht einschalten ließ, weil der LiPo-Akku lose im Gehäuse rumflog.

Das mag nun möglicherweise rüder Behandlung beim Transport geschuldet gewesen sein, oder auch Pfusch beim Zusammenbau, weil der Akku nur mit doppelseitigem Klebeband „fixiert“ war, aber das nächste was mich ansprang war der Umstand, daß man den 8-poligen Stecker an der Basiseinheit überhaupt nicht einrasten konnte, weil im Gehäuse schlicht keine Öffnungen für die Rastnasen vorhanden waren und der Stecker sich dadurch nur 3mm weit einstöpseln ließ.

Was natürlich zu Wackelkontakt und spätestens bei der ersten härteren Welle zum Rausfallen des (an der Unterseite des Gehäuses angebrachten) Steckers führt. Nachdem ich auch das Ding zerlegt und passende Öffnungen ins Gehäuse gedremelt hatte, war dieses Problem ebenfalls erledigt.

Beim folgenden Testlauf stutzte ich dann, nachdem ich die Menüführung der Fernbedienung auf deutsch umgestellt hatte:

Wenn man den „Pfeil nach unten“-Button drückt, wird zwar ein neckisches animiertes Bild angezeigt, das einen sich abwärts bewegenden Anker anzeigt und wenn man den Sensor mal über einen Magneten führt, werden auch entsprechend mehr “ Meter Kette draußen“ angezeigt, der angezeigte Info-Text meldet aber derweil „aufholen“, während in der englischen Einstellung richtigerweise „chain down“ angezeigt wird.

Beim drücken des „Pfeil nach oben“-Buttons steht da dann dementsprechend  „ablassen“. Das ist schon irgendwie einigermaßen irritierend. Einziger Trost bei der Sache ist, daß mir das ohne Lesebrille vermutlich gar nicht aufgefallen wäre, weil die Schrift auf dem Winz-Display so klein ist,  und ich außer der Meter-Zahl eh nichts erkennen könnte.

Krönender Höhepunkt ist dann noch, daß an der Basis-Einheit keinerlei Befestigungsmöglichkeiten existieren, um sie irgendwie fest anzuschrauben. Keine Aufhängung, keine Schraubenlaschen, nix. Soll man das Teil mit 7 herausgeführten Kabeln einfach so rumfliegen lassen?  Wohl eher nicht. Also werde ich noch eine minimal größere Platte aus 3mm Polycarbonat o.ä. zurecht schnitzen, die auf die Rückseite kleben und diese dann an die Wand schrauben.

Also ganz ehrlich, das Fernbedienset wird für lachhafte 230-260,-€ verkauft und enthält Elektronik, die man mit zwei NodeMCU, einem 3.7V LiPo-Akku, einem Mini-Display und etwas Kleinkram für zusammen knapp 30,-€ mindestens genau so gut  hinkriegt und dann auch gleich noch NMEA-tauglich machen kann, wenn man seinen Kettenzähler lieber gut lesbar auf einem Garmin GMI angezeigt haben möchte.

Für die verbleibende Differenz kann man locker noch zwei tatsächlich wasserdichte Gehäuse kaufen und wenn das  alles eingebaut ist, vor der nächsten Konoba ankern und mit ungefähr 6 Personen gut essen gehen. 

Auch wenn das Ding aus Italien und nicht etwa aus China kommt: Für 230,-€ Kaufpreis würde ich definitiv ein wenig mehr Überlegung beim Design und/oder Sorgfalt bei Zusammenbau, Programmierung  und Qualitätskontrolle erwarten. i-Tüpfelchen war, daß die Hand-Einheit zwar eine Möglichkeit bietet, eine Handgelenksschlaufe anzubringen, damit man das Ding beim Ankern nicht versehentlich versenkt, das Bändsel für -,50€ haben sie allerdings eingespart. Naja, ich hab noch eins von meiner alten Kamera …

Falls also jemand eine Empfehlung für das Lofrans Galaxy 703 Fernbedienset für Lofrans Ankerwinden haben möchte: Von mir gibt es definitv keine! Ich hoffe mal, die Winde selbst ist besser verarbeitet als das Zeug hier!

Weil es eigentlich viel zu kalt war und  ich mich gestern wegen „steifem Hals“ kaum rühren konnte, habe ich den Braai-Abend ausfallen lassen und stattdessen lieber in der eigenen Pantry rumgerötchert. Es gab also Rinder-Medallions mit Rosenkohl und gebratenen Austernpilzen und dazu meine vorletzten beiden Semmelknödel. Ich hoffe doch, im nächsten Paket sind wieder ein paar enthalten 😉

Austernpilze habe ich gestern zum ersten Mal probiert und festgestellt, daß ich doch lieber bei profanen Champignons oder Pfifferlingen bleibe. Jetzt weiß ich jedenfalls, warum Pilze in Österreich „Schwammerl“ heißen >:-)