Vier Jahre!

Heute vor vier Jahren,am Tag meiner ersten Ankunft nach dem Kauf von Thelxinoe, habe ich hier den allerersten Blogeintrag   geschrieben, nachdem ich hergeflogen war, um das Boot ausgiebig persönlich zu besichtigen und dann den Kauf perfekt zu machen. Damals noch voller Optimismus, ein halbes Jahr später für einen etwas längeren Urlaub zurückzukommen, ein fertiges Boot vorzufinden, und dann meinen ersten Segeltörn damit zu absolvieren. Hurz!

Wenn mir zu dem Zeitpunkt irgendwer prophezeit hätte, daß ich geschlagene vier Jahre und zigtausend Euro später schon fast ein Jahr lang auf einem immer noch an Land rumstehenden und nicht segelklaren Boot wohnen würde, hätte ich ihn vermutlich für bekloppt erklärt. Solange kann so ein Refit schließlich auf keinen Fall dauern …

Aber wie ich letztes Jahr schon mal so treffend zitierte: „Kein Plan überlebt den Kontakt mit der Realität„. Nach der anfänglichen Euphorie letztes Jahr, bin ich inzwischen auch  deutlich zurückhaltender mit irgendwelchen Prognosen über die voraussichtliche weitere Entwicklung geworden. Es dauert halt, solange es dauert. Hauptsache, ich komme hier überhaupt noch irgendwann mal weg. Solange ich da nicht drüber weg sterbe oder mir zwischendurch die Kohle ausgeht, was soll’s…

Hauptproblem ist, daß man sich hier auf nichts und niemanden wirklich verlassen kann. Vier Tage lang bin ich diese Woche Jaques auf den Zeiger gegangen, wann er denn nun endlich den Mast unter dem Boot wegholen läßt um das Rigg zu vermessen und neue Wanten und Stagen zu bestellen und wenn ich ihn gestern erwischt hätte, wären es fünf gewesen. Vier Tage lang lautete die Antwort „morgen früh!“. Der Mast liegt natürlich heute immer noch unter dem Boot. Also ziehe ich Montag erneut los, und gehe ihm auf den Sack. Mal sehen, wie lange es dauert, bis er mürbe wird.

Andries hat jetzt ein sattes halbes Jahr lang (mit zahllosen Unterbrechungen natürlich) an Motor und Antrieb rumgefummelt. Gestern kam er das erste Mal mit sowas wie einer Rechnung für das in der Zeit verbratene Material an. Selbst inklusive der Z-Antriebs-Überholung durch irgend einen Externen und dem gesamten,  hier mittlerweile verbauten oder noch rumliegenden, Edelstahl für Badeplattform und Geräteträger, war die immer noch um ein Drittel niedriger als der von Dylan in 2015 genannte Betrag, den angeblich dessen VolvoPenta-Spezi allein für das Abbauen, Zerlegen und die bloße Kontrolle des Z-Antriebs haben wollte, was ich daraufhin damals dankend abgelehnt hatte. Bin mal gespannt, was nun wohl an Montage noch auf mich zukommt …

Das Highlight des Tages war heute eine email von der Clubleitung, in der sie für den 21.7. eine „Boatyard Inspection“ androht. Wörtlich:

Wie in unserem Schreiben vom 11.3.2019 angekündigt, wird das Kommittee am 21.7. um 10h eine Inspektion der Fortschritte der an Ihrem Boot lt. des von Ihnen eingereichten „scope of work“ [eine Liste der geplanten Arbeiten, die ich mit meinem Boatyard-contract abgeben mußte] prüfen. Bitte seien Sie zu diesem Zeitpunkt anwesend, so daß Sie uns die durchgeführten Arbeiten erläutern können.

Wuhaa! Nun stand da zwar nur „dear Member“, und nicht mein Name oben drüber, so daß das ggf. auch einfach eine Rundmail an alle hier arbeitenden (oder zumindest ein Boot an Land rumstehen habenden) sein mag, um mal abzuchecken, ob an den Booten hier tatsächlich irgendwas passiert oder sie nur verlassen an Land stehen und Platz wegnehmen, aber ich fand das auf jeden Fall recht interessant. Vor allem würde mich mal interessieren, was die Eigner der neben mir stehenden drei Wracks zum Thema „Fortschritt der Arbeiten“ vorzubringen haben. Die sahen nämlich 2015 schon genau so aus wie jetzt 🙂

Immerhin: Es geht hier ja irgendwie weiter. Heute haben wir ein paar Spritleitungen gezogen, Andries hat aus dem gestern mitgebrachten 3mm VA-Flachstahl einen Halter für die Dieselfilter gebastelt (und dabei innerhalb von 10 Sekunden meinen gestern nachmittag frisch erstandenen, vergleichsweise sauteuren 8mm VHSS-Bohrer ruiniert, den ich extra für solche Zwecke gekauft und ihm heute „geliehen“ hatte, nachdem er seinen Vorrat an drei normalen 8mm-Bohrern an dem Werkstück hingerichtet hatte. Der kriegt von mir jedenfalls kein Werkzeug mehr… :motz:),und zwischendurch sind wir nochmal ein paar Stege weiter geterbelt um zu sehen, wie weit denn so ein Dean 365 nun tatsächlich im Wasser liegt, und ob man ggf. das Kühlwasser wohl über das immer noch in meiner Nacelle-Bilge klaffende 22mm-Loch holen könnte.

Tja. wohl nicht.

De Nada hat zwei kleine Yanmar-Diesel mit Saildrives eingebaut, die vermutlich auch nicht so unheimlich viel weniger wiegen als mein solitärer Volvo. Nun weiß ich zwar nicht, ob und ggf. wieviel Sprit da gebunkert ist, aber De Nada’s Nacelle schwebt ungefähr 10cm über dem Wasser. Da müßte ich schon ein umgedrehtes Periskop einbauen, wenn ich  irgendwo Kühlwasser fördern will. Also werden wir wohl doch noch ein zusätzliches Loch in einen der Rümpfe picken müssen, um dann von da aus Wasser zu holen.

Nachdem Andries verschwunden war, bin ich zum Shop, um einen ersten 25L-Kanister zu erstehen und eben habe ich das erste Mal seit meiner Ankunft hier tatsächlich Diesel gekauft. Mit ein bischen Glück, höre ich die Kiste nächste Woche tatsächlich brummen. (Das war eine implizit ausgedrückte vage Hoffnung, keine Prognose :mrgreen:)

Heute ist das letzte Juni-Wochenende, und übermorgen ist der Monat zu Ende. Möchte jemand darauf wetten, daß ich dann meinen Dodger zurück habe, der ja ganz bestimmt bis zum Monatsende fertig sein soll? Ich setze eine Flasche Bombay Sapphire dagegen.

Nuja, auch das wird „irgendwann“ über die Bühne sein, und wenn ich nächsten Monat einen Anhänger ausleihen, und mit Simon hinfahren muß, um das Ding selbst aus Stephens Werkstatt zu holen.

Wo ich nun schon mal bei Shell war, bin ich gleich noch nebenan beim PnP eingekehrt und habe mir das letzte heiße Huhn aus der Warmhaltetheke geschnappt, weil ich seit den paar Cornflakes heute morgen den ganzen Tag nichts gegessen hatte.

Das war nun tatsächlich mal so ein „Zitrone & Kräuter“-Huhn, das ich eigentlich schon vor Monaten mal probieren wollte. Na ok, nicht wirklich meine Richtung, kann man aber auch mal haben. Dazu gab es als spontane Beilage lediglich ein paar Pappadums aus der Pfanne, die ich vorhin in der Abteilung „indische Zutaten für die Küche“ bei PnP gefunden hatte. Kennt Ihr nicht? Hatte ich bis vorhin seit meiner Bundeswehrzeit in Köln und dem dort öfter besuchten Inder in der Innenstadt auch nicht mehr gesehen:

Linsen-Tortillas

Das sind kleine, gewürzte Tortillas aus gemahlenen Linsen. Die schmeißt man für ein paar Sekunden in eine Pfanne mit ganz wenig heißem Öl, bis sich der Rand hochkräuselt, läßt sie einen Moment auf Küchenkrepp abtropfen und fertig. Normalerweise sind sie dann crisp und stabil genug, um damit Reis oder Gemüse aufschaufeln zu können, wenn man mit den Fingern ißt, aber man kann sie natürlich auch einfach so essen, was ich auch getan habe. Echt gut.

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