Eine Woche zum Abgewöhnen …

Dies war mal wieder eine dieser glorreichen Wochen, bei denen ich mich hinterher immer frage, „was genau ist jetzt eigentlich alles passiert“, und meist mit Fragezeichen in den Pupillen dastehe. Angefangen damit, daß  weder mein zur Reparatur weg geschicktes Radio wieder aufgetaucht ist, noch das Heizelement für den durchgeknallten Vetus-Boiler lieferbar zu sein scheint, ist das Wetter derzeit alles andere als „afrikanisch“ und hat mir zur Wochenmitte eine fette Erkältung beschert.

Nachdem ich nach einer Nacht voller Hustenattacken am Mittwochmorgen meinen Hustensaft wiederfand, wurde es ein wenig besser, ist aber immer noch ziemlich übel, und inzwischen verbrauche ich paketweise Papiertaschentücher. Anfänglich hatte ich schon befürchtet, das elende Virus hätte mich doch noch irgendwie erwischt, aber da sie hier am Eingang zum Club wieder dazu übergegangen sind, bei jedem Ankömmling Fieber zu messen und meine Temperaturen nichtmal ansatzweise nach Fieber aussahen, schätze ich daß es tatsächlich wohl „nur“ eine Erkältung ist. Scheinbar härten die zwangsweisen Kaltwasser-Duschen doch nicht so gut ab, wie gedacht…

In den ersten beiden Tagen der Woche, als das Wetter noch mitspielte und das Arbeiten draußen in der Sonne Spaß machte, habe ich immerhin noch die Führungsschienen und die unteren Befestigungsschienen für die von Daniel seit Monaten zu fertigenden Cockpitseitenteile zurechtgefräst und angebracht, habe die von Jaques gebratenen Dinghy-Davits um ein paar vernünftige Umlenkrollen ergänzt, so daß´ich das Beiboot nun ggf. über die Genua-Winschen hochkurbeln kann, und mehr zufällig als geplant nach monatelangem vergeblichen Probieren tatsächlich doch noch meinen ersten Garrick gefangen.

Völlig atypisch an einem Drilling mit Stahlvorfach und in 6m Tiefe direkt über Grund, weil ich eigentlich auf Cob geangelt hatte, wo doch in jedem Artikel über das Angeln auf Garrick ausgesagt wird, daß diese nur mit Einzelhaken an transparenter Schnur, und sowieso eigentlich nur oberflächennah, zu fangen sind. Tja, dieser hier wußte das wohl nicht.

Er war zwar ein wenig mickrig und mit knapp 60cm eigentlich auch untermaßig, hatte meinen 2.0er Drilling samt der Sardine in der dieser steckte aber dermaßen tief verschluckt, daß ich ihn letzten Endes nur noch aufschneiden konnte. Geschmeckt hat er trotzdem.

Den großen Rest der Woche gab es, nachdem die Temperaturen sich langsam aber stetig wieder der 35°C-Marke annäherten und der Regen schließlich ausblieb, nur noch kalte Küche und überwiegend Obst. Pur, mit Müsli oder Cornflakes, mit Yoghurt, oder alles zusammen. Geholfen hat es alles nix: Mein Gewicht steht wie angenagelt immer noch da, wo es die letzten Monate auch schon war. :motz:

Obstsalat

Nachtrag 20.12.: Nachdem ich gestern abend nun das dritte oder vierte Mal über diesem angefangenen Blog-Eintrag eingepennt bin, ist das wohl ein Zeichen, daß der lang genug ist. Seit Tagen ist das Internet hier so dermaßen scheiß-langsam und unzuverlässig, daß ich für das vorherige Bild sicher um die 10 Versuche gebraucht habe, bis es schließlich tatsächlich hochgeladen wurde. Momentan ist das hier alles wirklich außerordentlich nervig. Getoppt wurde diese Lahmarschigkeit diese Woche eigentlich nur noch durch die hiesige Post:

Am Mittwoch erhielt ich eine email von Dudu am Frontdesk des Clubs, sie hätte eine Paketbenachrichtigung für mich vorliegen. Leicht verdutzt, weil ich eigentlich nichts erwartete, habe ich die also abgeholt und bin zum Postoffice nach MeerEnSee gefahren. Draußen vor der Tür standen ungefähr 120 Leute rum und warteten, alle mit einem Zettel in der Hand. 8-O Näheres Nachfragen ergab, die warteten auf die Auszahlung ihres „Covid19-Grant“, sowas wie Sozialhilfe für ansonsten einkommenslose, die jetzt aufgrund von Corona keinen Job finden. Egal,  der einzig vor der Tür anwesende Postmensch sah mich, fragte nach meinem Begehr, und riet mir angesichts der wartenden Massen , besser am nächsten Morgen wieder zu kommen.

Habe ich dann getan, und war um kurz nach 8h Donnerstag vor Ort, wo ich auch umgehend abgefertigt wurde. Wie sich zeigte, war das gar kein Paket. Meine spärliche kurzfristige Hoffnung auf ein paar überraschend zugeteilte Weihnachtskekse von Seiten der Kinder war spontan zunichte gemacht, als sich das Ding als „Einschreiben mit Rückschein“ vom Amtsgericht erwies. Abgestempelt am 25.09.2020 in Hameln, und kaum drei Monate später am 17.12. doch tatsächlich schon zugestellt. Das ist echt rekordverdächtig… Ich mein‘, auf ein Einschreiben mit einer neuen Kreditkarte habe ich hier ja auch schonmal fast 8 Wochen gewartet, aber das hier toppt echt alles. Nur gut, daß es nicht irgendwas Wichtiges war:roll: (Inhalt des Schreibens war übrigens eine Vorladung zum Scheidungstermin am 29.10., dem Hauptgrund, wieso ich überhaupt erst nach Deutschland geflogen war …)

Also sollte irgendjemand der hier mitlesenden jemals was von Deutschland nach Südafrika verschicken wollen, bei dem es darauf ankommt daß es auch tatsächlich zeitnah eintrudelt, nimmt man wohl besser die Dienste von UPS oder FedEx in Anspruch. Oder schickt einen berittenen Boten. Auf jeden Fall irgend eine Form des Transportes, bei dem das südafrikanische Postsystem besser nicht involviert ist …

„Sie haben …….. Post!“

Genug der Nölereri! Zwei Wochen lang gab’s keinen neuen Blog-Eintrag, und technische Unzulänglichkeiten, fehlende Ersatzteile und mangelnde Motivation durch meine Erkältung waren zugegebenermaßen nur die eine Hälfte der Begründung dafür. Die andere Hälfte und die zweite Woche war deutlich angenehmer, ist aber noch nicht so wirklich spruchreif 🙂

Meine neue Angel-Auszubildende Maureen, die mich ein paar Tage lang besucht hat 🙂

Wir haben zwar nichts wirklich brauchbares gefangen, dafür aber eine Menge Spaß gehabt, und nachdem sie einen halben Eimer voll von diesen besseren Aquarienfischen (Cape-Moonies) gefangen hatte und drauf bestand, die auch tatsächlich essen zu wollen, haben wir festgestellt, daß man auch von kleinen Fischen satt werden kann. Ist etwas mühsam, da sie eigentlich fast nur aus Haut und Gräten bestehen, aber wie heißt es so schön: In der Not frißt der Teufel Fliegen :mrgreen:

Ein Dutzend davon gibt auch eine Mahlzeit …

Ab nächste Woche ist ihr Urlaub zu Ende und sie muß wieder zurück an die Arbeit, also war ich gestern morgen im „Netcare The Bay“ Hospital, um einen Covid19-Test zu absolvieren. Zwei Stunden Warterei, Formulare ausfüllen und in der Nase bohren, nur um dann legal eine Grenze überqueren zu dürfen. Montag morgen bringe ich sie zurück nach Swasiland, und bin dann vermutlich für ein paar Tage offline. Also kein Streß, falls das hier vor Weihnachten nicht weitergeht. 🙂

Bis dahin bleibt mir eigentlich nur, allen mitlesenden ruhige und beschauliche Weihnachtsfeiertage zu wünschen. Dank des Lockdowns in Deutschland wird sich so ganz viel spektakuläres ja mutmaßlich ohnehin nicht abspielen. Also stay safe, stay home, und laßt Euch nicht anstecken!

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